{"id":7653,"date":"2019-06-23T07:58:06","date_gmt":"2019-06-23T05:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=7653"},"modified":"2019-06-23T07:58:07","modified_gmt":"2019-06-23T05:58:07","slug":"kein-millimeter-mehr-den-feinden-der-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/06\/23\/kein-millimeter-mehr-den-feinden-der-freiheit\/","title":{"rendered":"KEIN MILLIMETER MEHR DEN FEINDEN DER FREIHEIT"},"content":{"rendered":"\n<p>In einem Gastbeitrag f\u00fcr die Zeitung \u201eBild\u201d, Ausgabe vom 22. Juni 2019, ruft Au\u00dfenminister Heiko Maas, SPD, zu Protesten gegen Rechtsextremisten auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf den Mordfall L\u00fcbcke, die NSU-Mordserie, die Attentate auf die K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeisterin und den Altenaer B\u00fcrgermeister diagnostiziert Maas, Deutschland habe ein Terrorproblem und deutet mahnend auf die NS-Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen w\u00fcrden auch jetzt noch ihre Augen verschlie\u00dfen. Maas fordert, das Problem bei der Wurzel zu packen. Entschlossen und kompromisslos m\u00fcssten Demokraten klare Grenzen ziehen und dagegen halten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZeigen wir, dass wir mehr sind als die Rechtsradikalen, die Antisemiten, die Spalter.\u201d Vielleicht brauche das Land nicht nur die Klimaschutzbewegung sondern auch einen \u201eDonnerstag der Demokratie\u201d, meint Maas. Weiterhin verlangt er, den \u201eFeinden der Freiheit\u201d keinen Millimeter mehr Platz zu lassen. Man m\u00fcsse gemeinsam, jeden Tag und \u00fcberall den Anf\u00e4ngen wehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201d schreibt in seiner Ausgabe vom 22. Juni 2019, die Politik habe die t\u00f6dliche Gefahr von rechts untersch\u00e4tzt und verharmlost. Auf insgesamt elf Seiten wird \u00fcber die \u201eFeinde der Demokratie\u201d, die \u201eHinrichtung\u201d L\u00fcbckes, \u201ebraunen Hass\u201d und Terrorismus geschrieben, und unter der \u00dcberschrift \u201eBlut und Bomben\u201d erscheint eine Chronik mit den Todesopfern rechtsextremer Gewalt in Deutschland ab 1980.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Blick in die Zeitungen und Magazine macht deutlich, wie weit die Spaltung der Gesellschaft inzwischen fortgeschritten ist, wie unerbittlich man geworden ist, wie extrem auf beiden Seiten, und wie sehr man sich gegenseitig befeuert. Die Frage, wie der entstandene Riss wieder geschlossen werden kann und warum dieser \u00fcberhaut entstanden ist, kommt nicht auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ahnungslose Leser wird in Angst versetzt, hat er doch mit einer solchen Bedrohung, ausuferndem Hass und Morden, nicht gerechnet. Er wird vom Staat ein konsequenteres Vorgehen gegen die \u201eFeinde\u201d verlangen, sich wom\u00f6glich selbst engagieren und, wie Minister Maas es fordert, schon auf die kleinsten Anzeichen achten \u2014 unter Freunden, in der Familie, auf Arbeit, in Sportvereinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es genau das, was die Artikel bewirken sollen? Sicherlich wurden sie mit Bedacht geschrieben, eine bestimmte Perspektive einnehmend und so, dass sie beim Leser die gew\u00fcnschte Wirkung haben. Dabei kann es auch n\u00fctzlich sein, Begriffe wie \u201eVerfechter der Demokratie\u201d, \u201eAktivisten\u201d, \u201eKlimasch\u00fctzer\u201d f\u00fcr die eine Seite zu verwenden und damit mehrere Bewegungen zu b\u00fcndeln, und Bezeichnungen wie \u201eewig gestrige\u201d, \u201ealte wei\u00dfe M\u00e4nner\u201d, \u201eNationalisten\u201d und \u201eTerroristen\u201d f\u00fcr die andere. <\/p>\n\n\n\n<p>Dazwischen gibt es nichts mehr, au\u00dfer einen tiefen Graben. M\u00f6glicherweise ist es nicht mehr weit hin, bis ein jeder sich f\u00fcr oder gegen etwas bekennen muss, um ihn entsprechend kategorisieren zu k\u00f6nnen. Auf die zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlegenheit wird es n\u00e4mlich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ankommen. \u201eWir sind mehr\u201d \u2014 dieser Losung folgend, wird auch die andere Seite versuchen, weitere Menschen f\u00fcr ihre \u00dcberzeugungen zu gewinnen. Doch je mehr in die kontr\u00e4re Auseinandersetzung eingebunden und gegeneinander mobilisiert werden, und je st\u00e4rker das ganze befeuert wird, desto schwerwiegender sind dann die Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wird \u00fcberhaupt auf diese Weise vorgegangen? Die Politik arbeitet sich erkennbar immer mehr an den Symptomen der schlimmer werdenden systemischen Krankheit ab und spricht selbst sogar schon von Krebsgeschw\u00fcren \u2014 weil der gesellschaftliche Verfall und die Ausw\u00fcchse un\u00fcbersehbar geworden sind und auch f\u00fcr die Regierenden langsam bedrohlich werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Symptomunterdr\u00fcckung alle verbliebenen Kr\u00e4fte binden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstreflexion, die Hinterfragung des eigenenen Handelns, wird auf allen Ebenen vermieden und ist wahrscheinlich aufgrund der starken \u00dcberzeugung eines jeden, das richtige zu tun, auch gar nicht m\u00f6glich. Das f\u00fchrt zum Dogmatismus, und die logische Folge seines moralischen Mangels und der theoretischen Unf\u00e4higkeit ist der Verweis auf Feinde, die bek\u00e4mpft werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>In einem Gastbeitrag f\u00fcr die Zeitung \u201eBild\u201d, Ausgabe vom 22. Juni 2019, ruft Au\u00dfenminister Heiko Maas, SPD, zu Protesten gegen Rechtsextremisten auf. 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