{"id":7721,"date":"2019-06-29T16:43:16","date_gmt":"2019-06-29T14:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=7721"},"modified":"2019-06-30T00:50:10","modified_gmt":"2019-06-29T22:50:10","slug":"einwohnerzahlen-wenn-die-ddr-noch-geblieben-waere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/06\/29\/einwohnerzahlen-wenn-die-ddr-noch-geblieben-waere\/","title":{"rendered":"EINWOHNERZAHLEN \u2013 WENN DIE DDR NOCH GEBLIEBEN W\u00c4RE"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach 1990 sanken die Geburtenzahlen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR deutlich. Hinzu kam die Abwanderung gen Westen, sodass sich im Osten immer mehr Wohnungen und H\u00e4user leerten. Diese Wanderungsbewegungen hielten lange Zeit an, und das Resultat sind die heutigen ungleichen Verteilungen in der Anzahl und der sozialen Schichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 27. Juni 2019 teilte das Statistische Bundesamt mit, Deutschland habe 83,0192 Millionen Einwohner zum Jahresende 2018 gehabt. Das waren 227&#8217;000 bzw. 0,3 % mehr als ein Jahr zuvor. Die Einwohnerzahl werde mindestens bis zum Jahre 2014 zunehmen, aber sp\u00e4testens ab 2040 zur\u00fcckgehen. Es wird mit einem R\u00fcckgang der Personen im Erwerbsalter und mit einer h\u00f6heren Zahl alter Menschen gerechnet. Die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Zuwanderung k\u00f6nne diese Entwicklung nicht umkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit sei sowohl eine Wanderungs\u00fcberschuss als auch ein Geburtendefizit zu verzeichnen. Im Jahre 2018 zogen gem\u00e4\u00df der Angaben 386&#8217;000 Menschen mehr zu als weg. Zugleich \u00fcberstieg die Zahl der Sterbef\u00e4lle die Zahl der Geburten um 167&#8217;000. Insgesamt wuchsen die Einwohnerzahlen langsamer als in den beiden Jahren vor der aktuellen Erhebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 12. Juni 2019 ver\u00f6ffentlichte das M\u00fcnchner Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung Zahlen, denen zufolge die Einwohnerzahl auf dem Gebiet der einstigen DDR auf den Stand des Jahres 1905 zur\u00fcckgefallen ist. Zugleich w\u00fcrden heute auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik so viele Menschen wie nie zuvor leben. Die Einwohnerzahlen beider Teile Deutschlands gehen gem\u00e4\u00df der Studie weiter auseinander, und die Bedeutung dieser Entwicklung werde untersch\u00e4tzt, hei\u00dft es.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie s\u00e4hen die Zahlen aus, wenn es die DDR noch geben w\u00fcrde; welche Vorstellungen hatte man damals, und welche einflussreichen Faktoren bleiben bei den Prognosen unber\u00fccksichtigt?<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Entwicklung der Geburten- und Einwohnerzahlen in der DDR bis zum Jahre 2000 schrieb Dr. sc. med. Georg Thiele von der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena folgenden Artikel, der in der Zeitung \u201eVolkswacht\u201d, Ausgabe vom 5. November 1981, erschien.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Anstieg der Geburten in der DDR seit 1975 geh\u00f6rt zu den augenf\u00e4lligsten Wirkungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik der SED. In seiner Autobiographie \u201eAus meinem Leben\u201d widmet sich Erich Honecker den Problemen, die mit der Entwicklung der Geburtenrate zusammenh\u00e4ngen, sowie unserem Vorgehen zu deren L\u00f6sung ein eigenes Kapitel. Wie in der DDR, war in einer ganzen Reihe anderer L\u00e4nder etwa seit den Jahren 1963 \u2014 1966 ein mehr oder weniger betr\u00e4chtlicher R\u00fcckgang der Geburten zu verzeichnen. Er belief sich z. B. in den Niederlanden auf \u00fcber 30 %, und in Finnland ging die Geburtenrate seit 1947 kontinuierlich auf etwa 50 % des Ausgangswertes zur\u00fcck. Der Geburtenr\u00fcckgang in der DDR betrug seit 1963 40 Prozent. Inzwischen ist die Geburtenzahl in unserem Land wieder angestiegen; sie lag 1980 mit mehr als 245 000 lebendgeborenen Kindern so hoch wie im Jahre 1968.<br><\/p><p>Wie sich die Geburtenrate in den n\u00e4chsten Jahren weiter entwickeln wird, l\u00e4\u00dft sich nur schwer voraussagen, da ihre H\u00f6he naturgem\u00e4\u00df von einer Vielzahl objektiver und subjektiver Faktoren beeinflu\u00dft wird, die im einzelnen und in ihrer komplexen Wirkungsweise noch nicht gen\u00fcgend erforscht sind.<br><\/p><p>An vorderer Stelle steht unter diesen Faktoren der Anteil der Frauen in den Altersgruppen, die am h\u00e4ufigsten Kinder zur Welt bringen. In der DDR werden gegenw\u00e4rtig zwischen 70 und 80 Prozent aller Kinder von M\u00fcttern geboren, die 25 Jahre alt oder j\u00fcnger sind. Es wirkt sich also die zahlenm\u00e4\u00dfige St\u00e4rke der Altersjahrg\u00e4nge bis einschlie\u00dflich 25 Jahre unter der weiblichen Bev\u00f6lkerung auf die Geburtenh\u00e4ufigkeit aus.<br><\/p><p>Ein weiterer wichtiger Faktor ist unsere Sozialpolitik, die durch die Beschl\u00fcsse des VIII., IX. und X. Parteitages der SED zur Erf\u00fcllung der Hauptaufgabe kr\u00e4ftige Impulse erhielt. Als aktuellste Ma\u00dfnahme sei nur die Erweiterung der Unterst\u00fctzung junger Eheleute genannt, die am 1. 9. 1981 wirksam wurde.<br><\/p><p>Schlie\u00dflich mu\u00df hervorgehoben werden, dass die Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft sich sehr nachdr\u00fccklich auf die Geburtlichkeit auswirkte und auswirken wird. Dabei mu\u00df man beachten, da\u00df Kinderfreundlichkeit nicht in erster Linie durch materielle Stimuli entwickelt wird, sondern aus der gesellschaftlichen Grundkonzeption eines Staates erw\u00e4chst. In der BRD wurden in den letzten Jahren auch einige Ma\u00dfnahmen zur Hebung der Geburtlichkeit eingef\u00fchrt (die jetzt bekanntlich dem Rotstift zugunsten des R\u00fcstungshaushaltes zum Opfer fallen!), die aber durchweg die sinkende Tendenz oder Stagnation der Geburtenzahlen auf niedrigem Niveau nicht aufhalten konnten.<br><\/p><p>Versucht man aus dem bisher Gesagten eine Voraussage auf die n\u00e4chsten Jahre oder gar Jahrzehnte abzuleiten, so kann unter Ber\u00fccksichtigung des Bev\u00f6lkerungsaufbaus in der DDR erwartet werden, da\u00df sich die j\u00e4hrliche Geburtenrate auf ein Niveau zwischen 240 000 und 250 000 einstellen wird. F\u00fcr den Bezirk Gera k\u00f6nnen j\u00e4hrlich 10 000 Geburten vorausgesagt werden, wobei 1981 etwa 10 300 \u2014 10 400 Kinder in unserem Bezirk das Licht der Welt erblicken werden. Nach 1985 wird die Geburtenrate wahrscheinlich wieder etwas sp\u00fcrbar sinken und zwischen 1990 und 1995 einen erneuten Tiefpunkt erreichen, der im Bezirk Gera zwischen 9000 und 10 000 Geburten liegen kann. Das ergibt sich aus der Abnahme der Frauenjahrg\u00e4nge, in denen die meisten Geburten registriert werden. Nach 1995 werden die Geburtenzahlen dann wieder kr\u00e4ftig ansteigen.<br><\/p><p>Unter diesen Voraussetzungen kann f\u00fcr die Bev\u00f6lkerungsentwicklung in der DDR erwartet werden, da\u00df sie in den n\u00e4chsten Jahren stabil bleiben wird. Das bezieht sich auf die Gesamtbilanz, die sich aus der Differenz zwischen Geburtlichkeit (Geborene je 1000 B\u00fcrger) und Sterblichkeit (Gestorbene je 1000 B\u00fcrger) ergibt. Im Jahre 1979 betrugen die Werte f\u00fcr die Geburtlichkeit 14,0 und f\u00fcr die Sterblichkeit 13,9, woraus sich eine positive Bilanz von etwa 1670 ergibt. F\u00fcr die BRD ergab sich f\u00fcr 1979 eine negative Bev\u00f6lkerungsbilanz von ca. 128 800.<br><\/p><p>Die Erw\u00e4gungen hinsichtlich der Entwicklungen der Geburtlichkeit und der Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe haben aber eine Grundvoraussetzung: die Erhaltung des Friedens. Ein k\u00fcnftiger Krieg w\u00fcrde auf die Menschheit derart zerst\u00f6rend wirken, wovon sie sich in vielen Generationen nicht erholen k\u00f6nnte. Deshalb m\u00fcssen in unserer Zeit alle Antworten und Fragen nach der Bev\u00f6lkerungsentwicklung mit der Sicherung des Friedens beginnen.<\/p><cite>\u201eVolkswacht\u201d, 5. November 1981, Nr. 261<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der damalige Bezirk Gera erstreckte sich \u00fcber 4004 Quadratkilometer und hatte 742&#8217;000 Einwohner im Jahre 1989 und 711&#8217;491 am 3. Oktober 1990. Die Abwanderung machte sich hier bereits deutlich bemerkbar. Das heutige Ostth\u00fcringen z\u00e4hlte, ohne den Kreis Altenburger Land, 574&#8217;851 Einwohner auf 4115,48 Quadratkilometern am 31. Dezember 2017.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Nach 1990 sanken die Geburtenzahlen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR deutlich. Hinzu kam die Abwanderung gen Westen, sodass sich im Osten immer mehr Wohnungen und H\u00e4user leerten. 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