{"id":7909,"date":"2019-07-16T10:28:51","date_gmt":"2019-07-16T08:28:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=7909"},"modified":"2019-07-16T17:01:46","modified_gmt":"2019-07-16T15:01:46","slug":"eine-zeitreise-durch-den-martinsgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/07\/16\/eine-zeitreise-durch-den-martinsgrund\/","title":{"rendered":"EINE ZEITREISE DURCH DEN MARTINSGRUND"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Martinsgrund war schon vor langer Zeit ein beliebter Ort der Erholung. Heute befindet sich dort der Tierpark. Das bewaldete Gebiet am westlichen Rande der Stadt hat eine interessante Geschichte vorzuweisen, die bis in das Mittelalter zur\u00fcckreicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"338\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/GEOLOGIE.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7910\" srcset=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/GEOLOGIE.jpg 600w, https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/GEOLOGIE-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>Die Wei\u00dfe Elster arbeitet sich in die Tiefe, indem sie die leichter l\u00f6sbaren Schichten heraussp\u00fclt. Aufgrund der Neigung verlagert sich der Flusslauf dabei allm\u00e4hlich nach Westen. (Museum f\u00fcr Naturkunde)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Geologisch betrachtet ist der Martinsgrund eine Einkerbung im Buntsandstein auf der westlichen Seite des Elstertales, wo die Saale-Elster-Sandsteinplatte beginnt. Im Laufe der Jahrtausende sp\u00fclte der Bach das Material in die Wei\u00dfe Elster und schuf so das heutige Gel\u00e4ndeprofil. Auf diese Weise entstanden auch der T\u00fcrkengraben und die Fuchsklamm.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bach beginnt nahe der W\u00fcstung Vollersdorf (Ortslage 12,043615\u00b0 \u00f6. L.; 50,867251 n. B.) und flie\u00dft am Eingang des Martinsgrundes in eine Rohrleitung. Die nahegelegene Karstquelle bringt jenes Wasser wieder hervor, welches oberhalb einsickert und zwischen den Gesteinsschichten weiterflie\u00dft. Nur sehr selten trocknet sie aus. Zuletzt konnte das im Sommer 2018 beobachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/MARTINSGRUNDEINGANG.jpg\" alt=\"\" width=\"459\" height=\"597\" \/><figcaption>Diese Ansicht von H. Grossmann zeigt den Eingangsbereich im Jahre 1917. (Stadtarchiv)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Durch das bewaldete Gebiet f\u00fchrte im Mittelalter der Handelsweg von Gera nach Roda. Die von der Wei\u00dfen Elster zum Rittergut P\u00f6ppeln verlaufende Obst- und Pappelallee, die P\u00f6ppeln&#8217;sche Chausse, wurde im Jahre 1820 verl\u00e4ngert, \u00fcber den Berg gef\u00fchrt und zu einer Stra\u00dfe ausgebaut. F\u00fcr die n\u00f6tige Stabilit\u00e4t sorgte eine Packlage als Unterbau. Weil die namensgebenden B\u00e4ume am Stra\u00dfenrand verschwanden, wurde nun der st\u00e4dtische Wald bezeichnend f\u00fcr die Stra\u00dfe. So erhielt sie am 23. September 1874 den Namen &#8222;Waldstra\u00dfe&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter war der Anstieg nach Westen hin am leichtesten zu \u00fcberwinden, wenn man den Weg durch den heutigen Martingsgrund nahm. Allerdings gab es dort eine schwerpassierbare Stelle. Am Ende des Grundes f\u00fchrte der Weg durch eine feuchte Senke, welche mit Kn\u00fcppelbelag ausgestattet war. Da der Bach ebenfalls durch die Senke floss, war es dort trotz der Holzkn\u00fcppel zumeist feucht und schlammig. Erschwerend hinzu kam der Anstieg des Weges unmittelbar nach dieser Senke. Diesen Bereich des Waldes nannte man daher &#8222;H\u00f6lle&#8220;. Der Weg f\u00fchrte dann weiter entlang der heutigen Route \u2014 unter anderem vorbei an Vollersdorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Vollersdorf geh\u00f6rte zun\u00e4chst zum Osterstein, sp\u00e4ter zum Rittergut P\u00f6ppeln. Bis zum Jahre 1495 soll eine Familie von Uttenhoven Besitzer der G\u00fcter P\u00f6ppeln und Vollersdorf gewesen sein. Am 9. M\u00e4rz 1495 erwarb der Rat zu Gera vom Amtmann Hans Grie\u00df das Rittergut P\u00f6ppeln mit Vollersdorf und allem Zubeh\u00f6r, w\u00f6rtlich &#8222;samt Eckern, Wiesen, H\u00f6ltzern&#8220;. Das nun als &#8222;Stadtwald&#8220; bezeichnete Gebiet wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten durch Zuk\u00e4ufe erweitert und diente der Versorgung der Stadt mit Bau- und Brennholz. Vollersdorf wurde im Jahre 1677 aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/MARTINSGRUNDWEG.jpg\" alt=\"\" \/><figcaption>Diese Fotografie k\u00f6nnte im Jahre 1934 entstanden sein. (Stadtarchiv\/Franz Richter)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcber den Martinsgrund, damals noch zum Vorwerk Vollerdorf geh\u00f6rig, ist folgende Sage aus dem Mittelalter \u00fcberliefert: Der reiche und hochrangige Herr von Selmnitz will das ihm versprochene Fr\u00e4ulein von Uttenhoven, Tochter des P\u00f6ppeln&#8217;schen Gutsherren, als Braut heimf\u00fchren. Diese aber liebt den tapferen, jedoch armen Ritter Martin von Ende. In dem Waldst\u00fcck rettet Martin von Ende das Fr\u00e4ulein aus der Gewalt eines B\u00e4ren, der aus dem Zwinger vom Osterstein entwichen war. Er erhielt sie zum Lohn, und m\u00f6glicherweise auch den besagten Waldabschnitt. Im Jahre 1501 erhielt die Stadt einen Lehensbrief \u00fcber den Martinsgrund. Schriftlich erw\u00e4hnt wird der Name Martingsgrund erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1608, welche bezeugt, dass Thomas Rische, Besitzer des Vorwerks Vollersdorf, ihn an die Stadt Gera verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Familie von Ende geh\u00f6rten im Jahre 1495 die Ritterg\u00fcter Kaimberg, Pforten und T\u00f6ppeln. \u00dcberliefert ist auch ein Hans von Selmnitz. Er soll w\u00e4hrend der Belagerung und Zerst\u00f6rung der Stadt im S\u00e4chsischen Bruderkrieg, 1464, den Osterstein erfolgreich verteidigt haben. Seine Familienbesitzungen S\u00f6llmnitz-Hohenkirchen verkaufte er f\u00fcr 4000 Gulden und erwarb daf\u00fcr Schlo\u00df und Herrschaft Vitzenburg an der Unstrut.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1549 wird ein sogenanntes Gallh\u00f6lzlein erw\u00e4hnt. Es handelt sich um den Bereich hinter dem sp\u00e4teren Gasthaus Felsenkeller. Unter dem B\u00fcrgermeister Grefenthal kaufte es der Rat der Stadt Gera den Erben des Geraer B\u00fcrgers Callus ab und zahlte 63 alte Schock.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/MARTINSGRUNDHAUS.jpg\" alt=\"\" \/><figcaption>Das Geb\u00e4ude wurde zun\u00e4chst als Lusth\u00e4uschen bezeichnet. Diese Fotografie zeigt es im Jahre 1932. (Stadtarchiv)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das bekannte Martinsgrundh\u00e4uschen wurde im Jahre 1796 errichtet. Es besa\u00df einen Treppenaufgang, Butzenscheibenfenster und war f\u00fcr die st\u00e4dtischen Holzauktionen bestimmt. Der Ratsf\u00f6rster Karl Sp\u00f6rl gestaltete im Jahre 1849 die Umgebung des H\u00e4uschens neu und schuf 1837 im oberen Abschnitt einen gro\u00dfen Forst- und Pflanzgarten, den &#8222;Eichelgarten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1882 wurde das &#8222;Kulturhaus Martinsgrund&#8220; errichtet. Ausgef\u00fchrt wurde es als ein kleines H\u00e4uschen mit Verblendsteinen und einer schmalen Veranda. Dort gab man gesundheitsf\u00f6rdernde Getr\u00e4nke aus und veranstaltete ab 1885 Konzerte f\u00fcr &#8222;Geraer Kurg\u00e4ste&#8220;. In den Monaten Mai bis Juli bot die Geraer Firma Mengel  jeweils zwischen 5 Uhr und 9 Uhr verschiedene Sorten Mineralwasser an. Es konnte auch Milch genossen werden. Das H\u00e4uschen befand sich gegen\u00fcber der einstigen &#8222;Stadtf\u00f6rster-Hungerquelle&#8220;, linksseitig des Einganges zum Martinsgrund. Hungerquellen sind solche, die nur nach besonders starkem Regen Wasser hervorbringen. Der Versuch, Gera als Heilbad und Kurort bekannt zu machen, scheiterte allerdings. Im Jahre 1893 wurde im fr\u00fcheren Schubert&#8217;schen Steinbruch ein Bierkeller in den Fels getrieben \u2014 der sogenannte Felsenkeller.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/MARTINSGRUNDQUELLE.jpg\" alt=\"\" width=\"458\" height=\"434\" \/><figcaption>Vor dem Bau der heutigen Einfassung zeigte sich die Quelle wie auf dieser Abbildung zu sehen. (Stadtarchiv)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die recht einfach eingefasste Quelle am Eingangsbereich wurde in den Jahren 1959 und 1960 neugestaltet. Im Rahmen des Nationalen Aufbau Werkes (NAW) waren hier Geraer Handwerker, unter anderem Schlossermeister Arnold, Klempnermeister P\u00f6tzschner, Kupferschmiedeobermeister Hagen, Klempnermeister Scheibe und MEHAG-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Wend zugange. Es war eine organisierte unentgeltliche Arbeitsleitung, die freiwillig zu erbringen war. Am 4. Juli 1961 wurde die neu eingefasste Quelle der \u00d6ffentlichkeit feierlich \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung unternahm man im Jahre 1962 die ersten Schritte zum Aufbau eines Tierparks im Martinsgrund. Nach dem ersten Spatenstich im April 1962 konnte schon am 30. Juni desselben Jahres der erste Teilabschnitt er\u00f6ffnet werden. Die Tieranlagen waren als einzelne Erlebnisbereiche in das 20 Hektar gro\u00dfe Gel\u00e4nde eingef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1970 zerst\u00f6rte ein Hochwasser den Eingangsbereich des Tierparkes. Die Wiederherstellung ging mit einer Neugestaltung einher. Sp\u00e4ter wurde die Mufflon- Steinstele hinzugef\u00fcgt. Der Brunnen enstand 1977 in der Bildhauerwerkstatt Sp\u00e4the in Kayna. Der W\u00fcrfel aus Kalkstein zeigt auf seinen Au\u00dfenseiten Abbildungen verschiedener Tiere, die auch im Tierpark zu finden sind. Eine 75 Meter lange unterirdische Rohrleitung f\u00fchrt Wasser aus der Martinsquelle heran.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zahlreichen Erweiterungen wurde 1972 der &#8222;Tierpark Gera&#8220; er\u00f6ffnet. Der Eintritt kostete 50 Pfennig, die Jahreskarte f\u00fcnf Mark. 1975 kam eine 800 Meter lange Pioniereisenbahn hinzu, und am 30. Juni 1981 errichteten Soldaten des Truppenteiles &#8222;Erwin Panndorf&#8220; der Nationalen Volksarmee im Tierpark eine neue Holzbr\u00fccke im Wert von 75&#8217;000 Mark.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/MARTINSGRUNDZUGANG.jpg\" alt=\"\" \/><figcaption>Auch heute zieht der Martinsgrund viele Besucher an.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute beherbergt der Tierpark auf dem 20 Hektar gro\u00dfen Gel\u00e4nde \u00fcber 500 Tiere aus etwa 80 verschiedenen Arten und kann ganzj\u00e4hrig besucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der Martinsgrund war schon vor langer Zeit ein beliebter Ort der Erholung. Heute befindet sich dort der Tierpark. 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