{"id":7970,"date":"2019-07-23T18:24:33","date_gmt":"2019-07-23T16:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=7970"},"modified":"2019-07-23T19:17:22","modified_gmt":"2019-07-23T17:17:22","slug":"je-bunter-die-demokratie-desto-naeher-die-diktatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/07\/23\/je-bunter-die-demokratie-desto-naeher-die-diktatur\/","title":{"rendered":"JE BUNTER DIE DEMOKRATIE, DESTO N\u00c4HER DIE DIKTATUR"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ist die Demokratie die beste aller Staatsformen oder lediglich Etappe eines gr\u00f6\u00dferen Entwicklungsprozesses, der sich \u00fcber weite Zeitr\u00e4ume erstreckt und deshalb gar nicht als solcher wahrgenommen wird?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man alle zur\u00fcckliegenden Epochen und Herrschaftsformen, kamen Demokratien nur selten vor. Auch w\u00e4hrten Demokratien in der Regel nicht sehr lange. Heute jedoch ist diese Staatsform weltweit so verbreitet wie nie zuvor. Sie wird in den jeweiligen L\u00e4ndern als die einzig erstrebenswerte betrachtet und ger\u00e4t dennoch immer mehr in eine Krise. K\u00f6nnte es da nicht zu einer \u00fcberraschenden Wendung kommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Erfahrungen mit der Demokratie arbeitete der griechische Philosoph Platon in seinem Werk \u03a0\u03bf\u03bb\u03b9\u03c4\u03b5\u03af\u03b1 auf. Bemerkenswert ist, dass sie dort nicht als die h\u00f6chste Form eines Staates dargestellt wird, sondern als Krankheit und Kennzeichen dessen Verfalls. Die Demokratie endet in einem Extrem, dass ein gegenteiliges Extrem zur Folge hat. Sinngem\u00e4\u00df schreibt der antike Lehrmeister:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Demokratie nimmt sich auf uners\u00e4ttliche Weise die Freiheit zum Ziel und wird schlie\u00dflich an der Ausartung der Freiheit zugrunde gehen. Aus der zur h\u00f6chsten Spitze getriebenen Freiheit erw\u00e4chst die gr\u00f6\u00dfte und dr\u00fcckendste Knechtschaft.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was Platon unter einer &#8222;Ausartung der Freiheit&#8220; versteht, beschreibt er im achten Buch desselben Werkes. Dabei geht er davon aus, dass die Verfassung eines Staates den inneren Zustand der dort lebenden Menschen widerspiegelt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die gro\u00dfe Mehrheit, die sich mit einem Kinder- und Weiberverstande nur an dem Bunten ihr Auge erg\u00f6tzt, wird die demokratische Verfassung als die sch\u00f6nste anerkennen. Denn sie bietet einen gro\u00dfen freien Spielraum, zu treiben, was man will. Die Unf\u00e4higen gelangen an die Spitze und die Milde ist derart, dass Leute nach ihrer Verurteilung oder Verbannung dableiben und mitten in der Stadt auf und ab spazieren k\u00f6nnen. Als habe kein Mensch acht noch Auge auf ihn, stolziert ein solcher Kerl wie ein Held einher!<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Demokratie wird als eine bunte Verfassung des Staates beschrieben, \u201edie ohne Unterschied Gleichen und Ungleichen dieselbe Gleichheit gew\u00e4hrt\u201d. Das Leben des Freiheits- und Gleichheitsmannes kenne weder Ordnung noch Konsequenz. Von der Freiheit wird man in einem demokratisch regierten Staate immer h\u00f6ren, dass sie das allerh\u00f6chste Gut sei, meinte der Philosoph.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/PLATON.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcberdies k\u00f6nne man beobachten, wie eine Partei die Farbe der anderen annimmt und die Posten nicht mehr nach der Eignung der Menschen vergeben werden. Minderbegabte gelangten in h\u00f6here \u00c4mter und Hochbegabte w\u00fcrden nicht entsprechend ihrer F\u00e4higkeiten gef\u00f6rdert. Auch die Erziehung werde vernachl\u00e4ssigt, sodass die Demokratie immer mehr Unf\u00e4hige hervorbringe, die nur noch nach Lust und Laune arbeiten, zudem auch gar keine Ausdauer besitzen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Vater gew\u00f6hnt sich daran, dem Sohne zu gleichen, und der Sohn achtet und f\u00fcrchtet seine Eltern nicht, will er doch frei sein. Der Met\u00f6ke will dem Altb\u00fcrger gleich sein und der Altb\u00fcrger dem Met\u00f6ken, und der Fremde ebenso. Der Lehrer f\u00fcrchtet und h\u00e4tschelt seine Sch\u00fcler, die Sch\u00fcler fahren den Lehrern \u00fcber die Nase und so auch ihren Erziehern. Und \u00fcberhaupt spielen die jungen Leute die Rolle der alten und wetteifern mit ihnen in Wort und Tat; die Alten lassen sich zu den Jungen herab, geben sich voll Witz und Scherz und ahmen die Jungen nach, um nur ja nicht m\u00fcrrisch und herrisch zu erscheinen. Im Verhalten werden die Weiber zu M\u00e4nnern und die M\u00e4nner zu Weibern. Wie gro\u00df da die Gleichberechtigung und Freiheit ist, das h\u00e4tte ich beinahe vergessen zu erw\u00e4hnen!<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise ist es so, dass eine Demokratie nur solange Bestand hat, wie die Mehrheit in einer zuversichtlichen Stimmung gehalten werden kann und die zur Befriedigung ihrer Bed\u00fcrfnisse zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel nicht weniger werden oder schwieriger zu erlangen sind. Geht diese Zuversicht verloren, werden die Regierenden in Frage gestellt. Dieser Stimmungswandel vollzieht sich zuerst in den unteren Schichten, wo die Menschen von der Hand in den Mund leben und \u00fcber die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge nicht nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann w\u00e4hlen sie den Populisten, der sagt, was sie h\u00f6ren wollen. Ist er stark genug geworden, wenden sich die Intellektuellen und Verm\u00f6genden gegen ihn und sorgen daf\u00fcr, dass er zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird. Das jedoch erbost jene, die keine Zuversicht mehr haben, um so mehr. Es kommt zu Unruhen, und allm\u00e4hlich schwindet der gesellschaftliche Frieden. Aus dem Chaos heraus wird dann eine straffe Hand gew\u00fcnscht. Schlie\u00dflich wird es der charismatische Anf\u00fchrer sein, auf den die Stimme f\u00e4llt, der Versprechungen macht und zugleich gegen die Widersacher hetzt. Er beeindruckt mit seinem entschiedenen Auftreten und tr\u00e4gt jene Merkmale in sich, die der bunten Gesellschaft vorher zuwider waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dieser Herrscher wei\u00df, dass er seine Versprechungen nicht bezahlen kann. Die Staatskassen sind l\u00e4ngst leer, und er kommt nicht umhin, die Wohlhabenden auszunehmen \u2014 und zwar jene, die er als Schuldige f\u00fcr die Misere des Staates sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch dieses Verm\u00f6gen wird nicht reichen, um dem Wohlstandsanspruch der Hoffnungslosen gerecht zu werden. Er wei\u00df l\u00e4ngst, dass er gezwungen sein wird, Kriegsbeute zu machen, denn sonst w\u00fcrde sich die Masse gegen ihn wenden. Und so schw\u00f6rt er die Menschen schon zu Beginn auf einen Gegner ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Scheitern der Demokratie kann aber verhindert werden \u2014 durch gezielte Propaganda und Manipulation der breiten \u00d6ffentlichkeit. Davon jedenfalls war Edward Bernays, Neffe des ber\u00fchmten Psychologen Sigmund Freud, \u00fcberzeugt. In seinem 1928 ver\u00f6ffentlichten Buch ist zu lesen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn wir die Mechanismen und Motive des Massenbewusstseins verstehen, w\u00e4re es m\u00f6glich, die Massen nach unserem Willen zu kontrollieren und zu reagieren, ohne dass sie es erkennen, denn bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hierzu seien Organisationen notwendig, die im Verborgenen arbeiten, die gesellschaftlichen Abl\u00e4ufe lenken und im Dienste der Elite stehen. F\u00fcr deren Ziele d\u00fcrfe und m\u00fcsse die \u00f6ffentliche Meinung angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/PROPAGANDA.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was aber, wenn die Leute merken, dass sie manipuliert werden und von den Vorgehensweisen aus verschiedenen Schriften erfahren? W\u00fcrden sie dann nicht misstrauisch, sich von den Wahlurnen fernhalten, und h\u00e4tten dadurch nicht die Stimmen derer mehr Gewicht, die sich aktiv gegen den Staat wenden? Sollten die Regierenden in der Demokratie sich dessen gewahr werden, weil die Entwicklung f\u00fcr sie immer bedrohlicher wird, w\u00e4ren sie es schlie\u00dflich selbst, welche die Demokratie in eine Diktatur umwandeln, denn sie m\u00fcssten zun\u00e4chst diese Schriften und deren Verteilungswege kontrollieren, und alles unliebsame beseitigen. Somit w\u00fcrde die Demokratie auch hier zur Diktatur f\u00fchren, allerdings \u00fcber einen anderen Weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ist die Demokratie die beste aller Staatsformen oder lediglich Etappe eines gr\u00f6\u00dferen Entwicklungsprozesses, der sich \u00fcber weite Zeitr\u00e4ume erstreckt und deshalb gar nicht als solcher wahrgenommen wird? 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