{"id":8467,"date":"2019-09-12T14:36:24","date_gmt":"2019-09-12T12:36:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=8467"},"modified":"2019-09-12T22:25:34","modified_gmt":"2019-09-12T20:25:34","slug":"engere-partnerschaft-zwischen-gera-und-rostow-am-don","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/09\/12\/engere-partnerschaft-zwischen-gera-und-rostow-am-don\/","title":{"rendered":"ENGERE PARTNERSCHAFT ZWISCHEN GERA UND ROSTOW AM DON"},"content":{"rendered":"\n<p>Die st\u00e4dtepartnerschaftlichen Beziehungen zwischen Gera und Rostow am Don bestehen seit 32 Jahren. Im Oktober 1987 wurde der Vertrag vom damaligen Oberb\u00fcrgermeister Horst Pohl unterzeichnet. <br> Erstmalig wurde eine Delegation aus Rostow am Don zu dem H\u00f6hlerfest 2017 eingeladen und die st\u00e4dtepartnerschaftlichen Kooperationen intensiviert. Nach weiteren Treffen in den vergangenen zwei Jahren, wird vom 13. September 2019 bis 15. September 2019 die Stadt Gera zum Kulturprogramm des Stadtfestes in Rostow durch den Aequalis Chor pr\u00e4sent sein. Anl\u00e4sslich des 270. Jahrestages von Rostow am Don in dieser Woche wird ebenfalls eine Gru\u00dfbotschaft von Oberb\u00fcrgermeister Vonarb \u00fcbermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Wunsch bestand, die Verbindungen zwischen den beiden Partnerst\u00e4dten aufzufrischen und zu vertiefen, wurden im Fr\u00fchjahr in einem Arbeitskursus Ideen gesammelt. \u201eDie 18 Teilnehmer des Workshops hatten viele Antworten auf die Fragestellung, wie die Partnerst\u00e4dte noch enger zusammen r\u00fccken k\u00f6nnten. Das Ergebnis f\u00fchrt zu einer regelrechten Renaissance der Beziehungen\u201c, so der Initiator Dieter M\u00fcller. Beispielsweis l\u00e4dt der Boxclub Wismut sieben Boxer und einer Boxerin zu einem Turnier am 5. Oktober 2019 nach Lusan ein. Zu den weiteren Pl\u00e4nen geh\u00f6ren die Benennung einer Stra\u00dfe in Rostow am Don nach Gera, die Benennung eines Parks in Rostow am Don nach Gera und ein Volontariat von jungen Leuten aus Rostow am Don in Gera und umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieter M\u00fcller, Beauftragter der Stadt Gera f\u00fcr die St\u00e4dtepartnerschaft Rostow am Don, vertrat die Stadt Gera bei der XV. Deutsch-Russischen St\u00e4dtepartnerkonferenz in D\u00fcren, welche vom 25. bis 28. Juni 2019 stattfand. Er fertigte folgenden Bericht:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Konferenz, an der Dieter M\u00fcller im Auftrag der Stadtverwaltung Gera teilnahm, war eine neuerliche Bestandsaufnahme der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den St\u00e4dten unserer L\u00e4nder im Spannungsfeld der aktuellen Weltpolitik. Nicht von ungef\u00e4hr wurde die Konferenz deshalb vor der offiziellen Er\u00f6ffnung im Plenum mit einer Kranzniederlegung auf dem Westfriedhof Aachen II begonnen. Die Ehrung galt 162 sowjetischen B\u00fcrgern, die 1942 und 1943 als Zwangsarbeiter in Aachen starben.<br> Begonnen wurde die Konferenz mit dem Verlesen von Gru\u00dfbotschaften der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin. Das Erinnern an den Beginn des 2. Weltkrieg vor 80 Jahren, der Katastrophe des 20. Jahrhunderts, war da der Ausgangspunkt. 78 Jahre war es am 22. Juni her, dass die faschistische deutsche Wehrmacht die Sowjetunion \u00fcberfallen hatte. <br> Hervorgehoben wurde in den Gru\u00dfadressen die gro\u00dfe Bedeutung der St\u00e4dtepartnerschaften, die direkte Kontakte zwischen den B\u00fcrgern herstellt, die Volksdiplomatie aktiviert.<br> Armin Laschet, der Ministerpr\u00e4sident von Nordrhein-Westfalen, hob in seiner Rede die engen Beziehungen seines Bundeslandes mit den angrenzenden Belgien und Holland hervor, die mittlerweile zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit der B\u00fcrger in den drei Staaten geworden sind. Hier lebt man schon immer zusammen. Er kann sich vorstellen, dass es trotz gr\u00f6\u00dferer r\u00e4umlicher Entfernungen auch immer mehr Kontakte zwischen St\u00e4dten und Regionen und damit den B\u00fcrgern von Deutschland und Russland kommt. Trotz der 27 Millionen Toten hat die Sowjetunion 40 Jahre nach dem Krieg der Vereinigung Deutschlands zugestimmt und 500.000 Soldaten aus Ostdeutschland abgezogen. Wir m\u00f6gen manchmal unterschiedliche Auffassungen haben, beide L\u00e4nder sind aber Teil Europas. Churchill hat schon 1955 gesagt das die Sowjetunion, das Russland, eine wichtige Rolle in Europa spielen muss. Armin Laschet verwies auf die engen Verflechtungen zwischen unseren L\u00e4ndern in Wissenschaft und Wirtschaft seit hunderten von Jahren. Die Zarin Katharina II. war aus Deutschland, sie lud damals Tausende von Deutschen nach Russland ein. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen mehrere Millionen von deren Nachkommen als sogenannte Sp\u00e4taussiedler aus den L\u00e4ndern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zur\u00fcck. Die Menschen haben immer noch Wurzeln in Russland, sie haben Verwandte und Bekannte.<br> Aktuell gibt es viele wirtschaftliche Beziehungen zu Russland, besonders in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Der s\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident war wegen dem R\u00fcckgang des Volumens der Handelsbeziehungen vor einigen Tagen bei Pr\u00e4sident Putin in Moskau.<br> Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums e. V., Matthias Platzeck, stellte fest, dass die Vergebung der V\u00f6lker der Sowjetunion ein gro\u00dfes Geschenk f\u00fcr Deutschland war. Er sprach von aktuell etwas \u00fcber 100 Partnerschaften zwischen St\u00e4dten und Gebieten der beiden L\u00e4nder. Die Aktivit\u00e4ten f\u00fcr St\u00e4dtepartnerschaften begann 1956 auf der Grundlage der Partnerschaft zwischen Coventry und Stalingrad (heute Wolgagrad), die noch w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges im Jahre 1944 geschlossen wurde. <br> Wie ein roter Faden zog sich durch alle Diskussionsreden die derzeitige Russophobie, die Ihren Ausgangspunkt im Konflikt in der Ostukraine und um die Halbinsel Krim hat, und die daraus entstandenen Sanktionen der EU.<br><\/p><p>Derzeit scheint die gro\u00dfe Politik unf\u00e4hig L\u00f6sungen f\u00fcr die Konflikte zu finden. Wichtig ist dabei, dass wir \u201eVerstehen\u201c nicht mit \u201eVerst\u00e4ndnis\u201c gleichsetzen d\u00fcrfen und wir nicht darauf bestehen im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein. Ganz offensichtlich wird das Bewusstsein f\u00fcr die Zerbrechlichkeit von Frieden immer geringer. Ganz offensichtlich sind Medien in Deutschland und in Russland nicht immer neutral, sie spiegeln oft nur die eigenen \u00c4ngste wider.<br> Umso mehr sollten die B\u00fcrger in den St\u00e4dten und Gemeinden Partnerschaften organisieren und nach L\u00f6sungen im Dialog suchen. Verstehen beginnt nun einmal bei Menschen im Dialog. <br><\/p><p>Herzlich begr\u00fc\u00dfte der Geraer die Vertreter aus der Partnerstadt Rostow am Don, die mit f\u00fcnf Mitarbeiter der Verwaltung, unter Leitung der Wirtschaftsdezernentin Swetlana Kambulowa, anreisten. Zwei Abgeordnete der Gebietsduma, darunter der Vorsitzende, und zwei Dozentinnen von Hochschulen vervollst\u00e4ndigten die starke Pr\u00e4senz aus Rostow am Don.<\/p><p>Die Vertreter aus unserer Partnerstadt haben sich an den Diskussionen in allen sieben Arbeitsgruppen der Tagung beteiligt. Die h\u00f6chste Teilnehmerzahl hatte die AG 6 \u201eZivilgesellschaft gestaltet St\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Wege der Verst\u00e4ndigung \u2013 Wege zum Frieden\u201c. Die anderen AG besch\u00e4ftigten sich mit \u201eEnergieeffiziente und nachhaltige Stadtentwicklung\u201c, \u201eDigitale Stadt\u201c, \u201eStrategien f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung von Kommunen und Regionen\u201c, \u201eZusammenarbeit in Wissenschaft, Kultur und Sprachf\u00f6rderung\u201c, \u201eInklusion und Teilhabe\u201c und \u201eGesundheit: Medizinisch-wissenschaftliche und humanit\u00e4re Zusammenarbeit in Partnerst\u00e4dten\u201c.<br> Zu Beginn der Diskussion in der AG 6 wurden Teile des Filmes vom 80 Tage Treck von Br\u00fcck in Brandenburg, im vorigen Jahr, ins 2330 km entfernte Nishni Nowgorod gezeigt. Die 8 Planwagen mit je zwei kr\u00e4ftigen Kaltbl\u00fctern transportierten, neben den 25 Teilnehmern, eine 100 kg schwere Friedensglocke f\u00fcr die Kirche in Nishni Nowgorod. Unterwegs erhielt jede Gemeinde am Weg in Polen, dem russischen Gebiet Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland, und Russland eine kleine Nachbildung der Friedensglocke. An jeder Station auf der mittelalterlichen Handelsstra\u00dfe \u201eHellweg\u201c wurde der Treck von den Einwohnern ganz herzlich begr\u00fc\u00dft.<br><\/p><p>F\u00fcr alle Beteiligten war das ein Erlebnis das lebenslang in Erinnerung bleiben wird.<br> Ein wichtiger Diskussionsbeitrag war der des Stellv. Vorsitzenden des Rates der Stadt Coventry, Abdul Khan, der St\u00e4dtepartnerschaft als Volksdiplomatie bezeichnete. Unterschiedliche Auffassungen m\u00fcssen dabei einfach akzeptiert werden, denn sonst kann Partnerschaft wohl nicht funktionieren. Die Partnerschaft mit Stalingrad\/Wolgograd ist 76 Jahre alt und hat alle Dissonanzen der politischen Gro\u00dfwetterlage, sogar den Kalten Krieg, \u00fcberlebt.<br><\/p><p>Immer noch glauben Kommunalpolitiker das man Partnerschaft verordnen kann, ob nun auf dem Gebiet des Sports, der Kultur oder anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Aus vielen Diskussionsreden war das noch deutlich herauszuh\u00f6ren. Leider kamen in D\u00fcren zu Wenige Volksdiplomaten zu Wort. Im Ergebnis der vielen Beitr\u00e4ge wurde immer deutlicher das nur die Beziehungen von Menschen aus den St\u00e4dten und Gebieten beider L\u00e4ndern wirkliche Volksdiplomatie erm\u00f6glichen, Anordnung hilft da wenig. Die Kommunalpolitik sollte sich als T\u00fcr\u00f6ffner, als Wegbereiter verstehen. Die Kontakte m\u00fcssen die B\u00fcrger, die Volksdiplomaten, schon selbst aufrechterhalten. Wir Geraer sind da auf einem guten Weg. In diesem hat die Sportdelegation aus Rostow am Don, die uns im Mai besuchte, nach Gespr\u00e4chen mit dem Pr\u00e4sidium des Stadtsportbundes direkte Gespr\u00e4ch mit drei Geraer Vereinen gef\u00fchrt. In deren Ergebnis kommt es vermutlich noch in diesem Jahr zum Besuch einer Boxstaffel in Gera und einer Gruppe Ausdauerl\u00e4ufer zum H\u00f6hlerfestlauf. Die schon einmal kurzzeitig im Foyer des Rathaussaals gezeigte Bilderausstellung \u00fcber den Sport in Rostow am Don wird bald an einer anderen Stelle in Gera ausgestellt. Der Auftritt eines Geraer Chors in Rostow am Don zum Stadtfest in diesem September ist auch schon recht sicher.<br><\/p><p>Wichtigste Aktivit\u00e4t der Partnerschafft zwischen unseren St\u00e4dten d\u00fcrfte aber der Besuch einer Sch\u00fclergruppe des Osterlandgymnasium in der Schule Nr. 53 zum Stadtfest im September sein. <br><\/p><p>Der Besuch junger Menschen, wie vom Osterlandgymnasium, in der Partnerstadt wird wohl die Zukunft sein. Hier sollte sich Kommunalpolitik und Landespolitik noch wesentlich st\u00e4rker als bisher engagieren. Eine Voraussetzung f\u00fcr den Aufbau und die Erhaltung von Zukunftsbeziehungen ist neutrale politische Bildung in unseren Schulen, ein Geschichtsunterricht der den jungen Menschen in Deutschland keine Schuld am 2. Weltkrieg zuweist, aber die Gefahren einseitiger Darstellungen extremer Positionen sehr deutlich aufzeigt.<br><\/p><p>St\u00e4dtepartnerschaft, ein bew\u00e4hrtes Mittel kommunaler Au\u00dfenpolitik, der geeignete Ort f\u00fcr Impulse um Verst\u00e4ndigung, f\u00fcr menschliche Begegnungen unabh\u00e4ngig von politischen zwischenstaatlichen Problemen.<\/p><p><br>Ein wichtiges Fazit war die Feststellung: Wir m\u00fcssen auch wieder das \u201eStreiten\u201c lernen. Es hilft dabei festzustellen \u201eDas wir uns einig sind das wir nicht einig sind\u201c. Es ist einfach wichtig seine Meinung zu \u00e4u\u00dfern, ganz egal wer da im Saal sitzt oder sonst zuh\u00f6rt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die st\u00e4dtepartnerschaftlichen Beziehungen zwischen Gera und Rostow am Don bestehen seit 32 Jahren. 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