{"id":9053,"date":"2019-10-28T11:11:19","date_gmt":"2019-10-28T10:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=9053"},"modified":"2019-10-28T12:45:59","modified_gmt":"2019-10-28T11:45:59","slug":"thueringen-vor-schwierigen-koalitionsverhandlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/10\/28\/thueringen-vor-schwierigen-koalitionsverhandlungen\/","title":{"rendered":"TH\u00dcRINGEN VOR SCHWIERIGEN KOALITIONSVERHANDLUNGEN"},"content":{"rendered":"\n<p>Von den rund 1,73 Millionen stimmberechtigten B\u00fcrgern beteiligten sich 1,12 Millionen bzw. 64,9 % an der Wahl zum siebten Th\u00fcringer Landtag. Das waren deutlich mehr als vor f\u00fcnf Jahren. Das Regierungsb\u00fcndnis aus Linkspartei, SPD und Gr\u00fcnen kann ohne einen weiteren Partner nicht fortgesetzt werden. Ministerpr\u00e4sident Bodo Ramelow von der Linkspartei wird vorerst gesch\u00e4ftsf\u00fchrend im Amt bleiben. Vielen erscheint auch eine Minderheitsregierung wahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Th\u00fcringer Landesamt f\u00fcr Statistik ver\u00f6ffentlichte nach Ausz\u00e4hlung aller Stimmen nachfolgendes vorl\u00e4ufiges Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Linkspartei: 31 %<br>\nAFD: 23,4 %<br>\nCDU: 21,8 %<br>\nSPD: 8,2 %<br>\nB\u00fcndnis &#8217;90\/Die Gr\u00fcnen: 5,2 %<br>\nFDP: 5,0005 %<\/p>\n\n\n\n<p>Vormalige Nichtw\u00e4hler, Protestw\u00e4hler und taktische W\u00e4hler standen bei dieser Wahl besonders im Blick, da sie mit ihrer Stimme in j\u00fcngster Zeit f\u00fcr deutliche Ver\u00e4nderungen in der politischen Landschaft gesorgt hatten, w\u00e4hrend die parteitreuen W\u00e4hler weniger werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Stimmen entfallen auf die Linkspartei; sie wird erstmals st\u00e4rkste Kraft, was gr\u00f6\u00dftenteils auf die Beliebtheit Bodo Ramelows zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Ramelow wird der gem\u00e4\u00dfigten Seite seiner Partei zugeordnet, ist weniger Ideologe, sondern mehr Pragmatiker. Er m\u00f6chte mit allen Parteien au\u00dfer der AFD \u00fcber eine Koalition sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die h\u00f6chsten Zugewinne hat jedoch die AFD. Sie konnte ihr Ergebnis mehr als verdoppeln und hat innerhalb nur weniger Jahre einen relativ hohen Anteil erreicht. Vor allem ehemalige W\u00e4hler der Linken, der CDU sowie viele Nichtw\u00e4hler entschieden sich f\u00fcr die AFD. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie in Gera mit 29,9 % der Stimmen. Der Landesverbandsvorsitzende Bj\u00f6rn H\u00f6cke ist allerdings sowohl bei AFD-W\u00e4hlern als auch innerhalb der Partei umstritten. In einigen Gegenden genie\u00dft er hohen Zuspruch, andere finden ihn zu extrem. Dem von ihm ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gten &#8222;Fl\u00fcgel&#8220; sollen mittlerweile bis zu einem Drittel der AFD-Mitglieder zuzurechnen sein. Nach den Wahlerfolgen in diesem Jahr k\u00f6nnte dessen Einfluss weiter wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die CDU wurde auf den dritten Platz verwiesen und erreichte in Th\u00fcringen ihr schlechtestes Ergebnis. Schon vor der Wahl k\u00fcndigte Mike Mohring an, weder mit der Linkspartei noch mit der AFD koalieren zu wollen. Eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei unter Bodo Ramelow schloss er jedoch nicht aus. Viele einstige W\u00e4hler meinen, dass die CDU f\u00fcr Konservative nicht mehr in Frage kommt, solange sie mehr programmatische Schnittmengen mit SPD und Gr\u00fcnen denn mit der AFD sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SPD befindet sich sowohl deutschlandweit als auch in Th\u00fcringen seit l\u00e4ngerem in einer Schw\u00e4chephase mit tendenziell abnehmender Stimmenzahl. Auch bei dieser Wahl sind hohe Verluste zu verzeichnen. Viele W\u00e4hler vertrauen der SPD nicht mehr, lehnen das Regierungsb\u00fcndnis mit der Union in Berlin ab und d\u00fcrften die permanenten Erneuerungsversuche der Partei eher negativ werten. Ihren Status als Volkspartei verliert sie zusehends.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnen konnten in Th\u00fcringen nur magere Ergebnisse erzielen. Den meisten Zuspruch finden sie in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten, und dort wiederum bei Sch\u00fclern, Studenten und Besserverdienenden. Th\u00fcringen dagegen hat einen hohen Anteil an Geringverdienern, \u00e4lteren Menschen und l\u00e4ndlichen Wohngegenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach f\u00fcnf Jahren der Abwesenheit wird die FDP wieder im Landesparlament vertreten sein. Nur f\u00fcnf Stimmen waren ausschlaggebend. Sie k\u00f6nnte nun als Koalitionspartner in Frage kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem ist \u00fcber die Jahre hinweg eine Tendenz zunehmender Unsicherheit, Spannungen und Aggressivit\u00e4t bei gleichzeitig abnehmender Handlungsf\u00e4higkeit erkennbar. Damit scheint die Entwicklung dem klassischen Verlaufsmodell zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Von den rund 1,73 Millionen stimmberechtigten B\u00fcrgern beteiligten sich 1,12 Millionen bzw. 64,9 % an der Wahl zum siebten Th\u00fcringer Landtag. Das waren deutlich mehr als vor f\u00fcnf Jahren. 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