{"id":9724,"date":"2019-12-17T21:48:08","date_gmt":"2019-12-17T20:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=9724"},"modified":"2019-12-17T23:12:51","modified_gmt":"2019-12-17T22:12:51","slug":"messerattacken-haltungsjournalismus-hasskommentare-kausalketten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/12\/17\/messerattacken-haltungsjournalismus-hasskommentare-kausalketten\/","title":{"rendered":"MESSERATTACKEN, HALTUNGSJOURNALISMUS, HASSKOMMENTARE, KAUSALKETTEN"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Bei dem nachfolgenden Beitrag handelt es sich um eine Zusammenstellung subjektiver Betrachtungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die sich seit einigen Jahren h\u00e4ufenden Messerattacken sorgen in den Kommentarspalten der Zeitungen und sozialen Netzwerke f\u00fcr immer heftiger werdende Reaktionen. Nicht nur weit auseinandergehende Meinungen finden sich unter den Berichten, sondern auch Behauptungen, Beleidigungen, \u00c4u\u00dferungen des Hasses, Spekulationen und Theorien.<\/p>\n\n\n\n<p>So haben etliche Anbieter ihre Kommentarspalten inzwischen abgeschaltet. Wo die Funktion noch verf\u00fcgbar ist, sammeln sich immer h\u00e4ufiger Hassbeitr\u00e4ge, sodass die Redakteure mitunter \u00fcberfordert sind. Zumindest gro\u00dfe Betreiber m\u00fcssen Botschaften dieser Art k\u00fcnftig melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits beklagen viele Leser, die Berichterstattung bei schweren Vorf\u00e4llen sei, abh\u00e4ngig von der T\u00e4terzugeh\u00f6rigkeit, ungleich \u2014 sowohl bei der Platzierung der Artikel als auch bei Wortwahl und Verbreitung. Ebenso w\u00fcrden die Grunds\u00e4tze des seri\u00f6sen Journalismus missachtet, n\u00e4mlich die Fragen der sieben W \u2014 wer, was, wie, womit, wann, wo, warum.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es um eine Bestimmte Zugeh\u00f6rigkeit der T\u00e4ter gehe, habe man zuerst von einer verzehrten Wahrnehmung der Allgemeinheit gesprochen und die Nennung der Nationalit\u00e4t mit Verweis auf den Pressekodex vermieden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIn der Berichterstattung \u00fcber Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erw\u00e4hnung der Zugeh\u00f6rigkeit der Verd\u00e4chtigen oder T\u00e4ter zu ethnischen, religi\u00f6sen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens f\u00fchrt. Die Zugeh\u00f6rigkeit soll in der Regel nicht erw\u00e4hnt werden, es sei denn, es besteht ein begr\u00fcndetes \u00f6ffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erw\u00e4hnung Vorurteile gegen\u00fcber Minderheiten sch\u00fcren k\u00f6nnte.\u201c<\/p><cite>Deutscher Presserat, Richtlinie 12.1 zur Berichterstattung \u00fcber Straftaten<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bestimmte Zugeh\u00f6rigkeiten d\u00fcrften nicht \u00fcberproportional in den Polizeimeldungen pr\u00e4sent seien, wel das Vorurteile gegen die gesamte Ethnie sch\u00fcre, kommentiert, ein Leser. Neuerdings gebe es auch unterschiede bei der Beschreibung besagter Taten, meint ein anderer. W\u00f6rter wie Totschlag, Mord, Attacke werden bei Vorf\u00e4llen mit Zuwanderern vermieden und durch harmloser klingende ersetzt. Und so wollen nicht wenige Leser festgestellt haben, dass die Presse einerseits deeskalierend schreibt, wenn die Tat von Zuwanderern ausgeht, andererseits rei\u00dferisch, polarisierend und mit viel gr\u00f6\u00dferer Reichweite, wenn es sich um T\u00e4ter ohne Migrationshintergrund und ohne zweite Staatsb\u00fcrgerschaft handelt. Dies w\u00fcrden sehr viele Leser so wahrnehmen, ohne dass sie ihren Unmut dar\u00fcber in ad\u00e4quate Worte fassen k\u00f6nnten. Ohnehin f\u00fchlten sie sich durch die Medien nicht mehr vertreten. Daher komme es im Internet zu heftigen verbalen Entladungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie verh\u00e4lt es sich mit Meinungen, die nur in ihrer Gesamtheit auf Theorien hinauslaufen, ohne dass diese genannt werden, und ohne dass eine Beleidigung oder schlimmeres darin enthalten ist? Sollten diese gel\u00f6scht werden? Meinungen sind laut Erkenntnistheorie eine von Wissen und Glauben unterschiedene Form des F\u00fcrwahrhaltens, und das Meinen ist ein F\u00fcrwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begr\u00fcndung fehlt. Es ist also m\u00f6glich, dass sich viele subjektive Betrachtungen derart passend zusammenf\u00fcgen, dass sich daraus etwas schl\u00fcssig erscheindes herleiten l\u00e4sst, was ein anderer als Verschw\u00f6rungstheorie bezeichnet und ausgemerzt wissen m\u00f6chte. Eine objektive Wahrheit gibt es wissenschaftlich betrachtet ohnehin nicht. Also ist vielmehr entscheidend, wie sehr die eine Sichtweise die andere gef\u00e4hrdet und damit das vorherrschende Gedankenbild ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fernsehen wecke heute die niedersten Instinkte und trage selbst zur Aufwiegelung und dem Verfall der Sitten bei, ist verbreitete \u00dcberzeugung. In seinem 2007 erschienenen Buch \u201eGauner muss man Gauner nennen \u2014 Von der Sehnsucht nach verl\u00e4sslichen Werten\u201d schreibt der bekannte Journalist und Autor Ulrich Wickert \u00fcber das Auseinanderdriften der Gesellschaft und meint in diesem Zusammenhang, ein Newspeak, also Neusprech, habe sich breitgemacht, wie er in George Orwells Roman \u201e1984\u201d vorkommt. Dort werde er angewandt, um den Menschen gedanklich die M\u00f6glichkeit vorzuenthalten, Mi\u00dfst\u00e4nde klar zu benennen. Denn f\u00fcr die Machthabenden sei das eine Gefahr, so der Journalist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Unmut sich bei sprachlichen H\u00fcrden durch Gewalt \u00e4u\u00dfert, ist allerdings keine Neuentdeckung, sondern eine uralte Erkenntnis und heute in den Geisteswissenschaften allgemein bekannt. Ebenso ist bekannt, dass Unruhe schon des\u00f6fteren zielgerichtet hervorgerufen und als taktisches Mittel eingesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zerstrittenheit ben\u00f6tige man, um noch mehr Kontrolle aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Und Kontrolle ben\u00f6tige man, wenn die Freiheit des Einzelnen weiter eingeengt werden soll. Am besten gelinge das, wenn man verschiedene V\u00f6lker zusammenbringe, h\u00e4tten schon die antiken Sklavenhalter gewusst. Muss dann der Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 14. Dezember 2019 in diesem Kontext gesehen werden?: \u201eDie Bundesregierung plant einen Generalschl\u00fcssel zum digitalen Innenleben der B\u00fcrger und schl\u00e4gt vor, Strafverfolgern Zugang zu Internet-Passw\u00f6rtern zu geben.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Hasskommentare nehmen zweifelsfrei zu, sind be\u00e4ngstigend und sind von einer gepflegten Sprachkultur soweit entfernt wie der heutige Mensch von seinen Vorg\u00e4ngern. Aber diese Form der Unmutsbekundung ist mitsamt der Ursachen hinreichend und tiefgr\u00fcndig analysiert, sodass es h\u00f6chst unglaubw\u00fcrdig erscheint, wenn jemand sagt, man habe die Entwicklung nicht kommen sehen. Tats\u00e4chlich kommt sie weder \u00fcberraschend noch ungewollt. Politik, Medien und deren Nutzer sind Teil einer Kausalkette, und es gibt sogar Denkfabriken, die auf die Erstellung von Kausalketten spezialisiert sind. Demzufolge wird der Ablauf von einer Seite angesto\u00dfen, der sich der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung g\u00e4nzlich entzieht. Es hat keinen Sinn, sich mit dem Symptomen auseinanderzusetzen, ohne das Gesamtgeschehen zu betrachten. Denn wer das tut, macht sich selbst zum Teil dieser Kettenreaktion. Das ganze ist so gut konzipiert, dass man eine sehr hohe Intelligenz dahinter vermuten k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Bei dem nachfolgenden Beitrag handelt es sich um eine Zusammenstellung subjektiver Betrachtungen. Die sich seit einigen Jahren h\u00e4ufenden Messerattacken sorgen in den Kommentarspalten der Zeitungen und sozialen Netzwerke f\u00fcr immer heftiger werdende Reaktionen. Nicht nur <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/12\/17\/messerattacken-haltungsjournalismus-hasskommentare-kausalketten\/\" title=\"MESSERATTACKEN, HALTUNGSJOURNALISMUS, HASSKOMMENTARE, KAUSALKETTEN\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":9726,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":{"0":"post-9724","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-medien"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9724"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9724\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9729,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9724\/revisions\/9729"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}