{"id":9843,"date":"2019-12-30T14:15:09","date_gmt":"2019-12-30T13:15:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=9843"},"modified":"2019-12-30T22:27:39","modified_gmt":"2019-12-30T21:27:39","slug":"geras-kultur-ab-2020-unter-neuer-leitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/12\/30\/geras-kultur-ab-2020-unter-neuer-leitung\/","title":{"rendered":"GERAS KULTUR AB 2020 UNTER NEUER LEITUNG"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ab dem 1. Januar 2020 wird Dr. Claudia Tittel das neue Kulturamt leiten. Sie sagt \u201eGera muss sich nicht verstecken\u201c und beantwortet Fragen zu ihrer Person. Der ein oder andere Th\u00fcringer wird Ihren Namen schon einmal geh\u00f6rt haben. Woher?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2011 wohne ich in Gera und habe mich von Anfang f\u00fcr Geras Kultur engagiert. Ich war und bin begeistert, was Gera zu bieten hat. Besonders beeindruckend fand ich damals den Kunstverein, der als b\u00fcrgerliche Institution herausragende zeitgen\u00f6ssische Kunst zeigt und deshalb 2016 auch f\u00fcr den AdKV-Preis nominiert war. Deshalb habe ich auch als erstes Ausstellungen f\u00fcr den Kunstverein kuratiert. Sp\u00e4ter kamen dann Kooperationsprojekte mit dem Museum f\u00fcr Angewandte Kunst, der Kunstsammlung Gera sowie der Klassik Stiftung in Weimar hinzu. In diesem Jahr habe ich zusammen mit meinen Studierenden der Bauhaus-Universit\u00e4t in Weimar mit der Stiftung Bauhaus Dessau sowie dem Theater Altenburg-Gera und der Kunstsammlung Gera zusammengearbeitet. Im Rahmen meiner Ausstellung \u201eIntermediale Experimente am Bauhaus. Kurt Schmidt und die Synthese der K\u00fcnste\u201c haben Studierende und professionelle T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer das \u201eMechanische Ballett\u201c im Theater auf die B\u00fchne gebracht. Vielleicht kennen mich daher die Leute. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass mich die Menschen im Zusammenhang mit der H\u00e4selburg kennen \u2013 den Geb\u00e4udekomplex haben mein Mann und ich 2016 von der Stadt erworben und bauen ihn seitdem mit vielen Helferinnen und Helfern zu einem Zentrum f\u00fcr Kunst, Kultur und Kreativit\u00e4t um. Auch hier konnte ich zeigen, dass ich nicht rede, sondern v. a. mache. Kultur ist f\u00fcr mich ein wichtiger Motor f\u00fcr Stadtentwicklung und wenn ich mir die Geraer Kultur anschaue, dann bin ich der Meinung, dass sich Gera nicht vor den Nachbarn verstecken muss. Wir sind auf einem guten Weg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie werden ab Januar die neue Kulturamtsleiterin der Stadt Gera sein. Wie kam es dazu, dass Sie sich beworben haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gera hat eine gro\u00dfartige, breitgef\u00e4cherte Kulturszene \u2013 mit dem F\u00fcnf-Sparten-Theater und den Museen viel Hochkultur, aber auch eine vielf\u00e4ltige Breitenkultur. Viele engagierte B\u00fcrger setzen sich f\u00fcr Kultur ein. Dieses Potenzial in der Stadt m\u00f6chte ich nutzen und mit Kultur das Image der Stadt verbessern. Nicht nur Sport, sondern auch Kultur verbindet die Menschen &#8211; B\u00fcrger ebenso wie Touristen und G\u00e4ste.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Wunsch ist es, Geras Kultur zu neuer Bl\u00fcte zu f\u00fchren. Ich m\u00f6chte etwas f\u00fcr meine neue Heimatstadt tun. Als Kulturamtsleiterin verfolge ich ganz klar die Vision, Gera als Kulturstadt zu vertreten und zu f\u00f6rdern. Ich m\u00f6chte die bereits lebendige Kulturszene weiterentwickeln und neue Impulse setzen. Ich habe mich beworben, um der Stadt meine jahrelange kulturpolitische Erfahrung, meine Expertise in der F\u00f6rdermittelakquise, aber auch meine Kontakte in die internationale Museumslandschaft und zu herausragenden Forschungsinstitutionen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ich m\u00f6chte etwas bewegen und bin in dem besten Alter, um noch einmal durchzustarten. Wenn es diese Stelle jetzt nicht gegeben h\u00e4tte, h\u00e4tte ich mich wahrscheinlich woanders beworben. So kann ich mein Engagement hier vor Ort ausbauen und trotzdem bei meiner Familie bleiben. Es ist also eine Win-Win-Situation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ziele haben Sie sich in Ihrem neuen Aufgabengebiet gesteckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Kulturamtsleiterin m\u00f6chte ich ganz klar den Weg weitergehen, den Gera in den letzten Monaten mutig gegangen ist. Die Kulturhauptstadtbewerbung hat uns gezeigt, was in Gera steckt. Auch wenn wir nicht auf die Shortlist gekommen sind, so haben wir doch einen wertvollen Prozess angesto\u00dfen und uns \u00fcber die Rolle von Kultur f\u00fcr Gera und f\u00fcr die Gesellschaft verst\u00e4ndigt. Mir ist es wichtig, die Kunsth\u00e4user und Museen zu f\u00f6rdern und zu unterst\u00fctzen, aber auch mit der freien Kunstszene zusammenarbeiten. Es gibt sehr gute K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in der Stadt. Wir m\u00fcssen von innen heraus alles tun, damit die Wahrnehmung und das Verst\u00e4ndnis von Kultur nicht elit\u00e4r bleibt, sondern alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sich mitgenommen f\u00fchlen. Kultur bildet und macht stark \u2013 daran glaube ich. Wenn die Geraer selbst verstehen, welche Sch\u00e4tze Gera besitzt, wie reich es an Kultur ist, dann werden wir auch \u00fcberregional wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bauhausjahr 2019 war bereits vorbildlich. Es wurden alle kulturellen Projekte hervorragend koordiniert. Man hat die Projekte zusammen beworben und ist gemeinsam aufgetreten. Die Besucherzahlen geben dem recht: Sie sind auf \u00fcber 10&#8217;000 in den Museen gestiegen. Solche Ereignisse\/Jahrestage m\u00fcssen genutzt werden. Ich m\u00f6chte Themenjahre etablieren, in denen die einzelnen H\u00e4user, aber auch die Vereine zusammenarbeiten. Ein Thema sollte von den unterschiedlichen H\u00e4user aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet werden. Wenn wir an einem Thema gemeinsam arbeiten, st\u00e4rkt das nicht nur den Gemeinsinn, sondern das hat auch einen positiven wirtschaftlichen Effekt: Es k\u00f6nnen mehr F\u00f6rdergelder eingeworben werden. Gleichzeitig steigen auch die Besucherzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen stabile Strukturen in der Museumslandschaft schaffen, aber auch das KUK sanieren und die M\u00e4rkte und Veranstaltungen attraktiver machen. In den Museen wie dem Naturkundemuseum, aber auch im Museum f\u00fcr Angewandte Kunst gibt es einen gro\u00dfen Sanierungsstau, vom Otto-Dix-Haus ganz zu schweigen. Wir m\u00fcssen Sammlungsstrategien f\u00fcr die Museen entwickeln. Es gibt viel zu tun. Das schaffe ich nat\u00fcrlich nicht allein, sondern ich m\u00f6chte vertrauensvoll mit der Verwaltung zusammenarbeiten. Die jahrelangen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen am besten, wo der Schuh dr\u00fcckt. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich trotzdem neue Impulse setzen, aber nur gemeinsam k\u00f6nnen wir viel erreichen. Da bin ich mir sicher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie Hobbys? Wie schaffen Sie f\u00fcr sich einen Ausgleich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe sehr gern wandern. Wenn der K\u00f6rper in Bewegung ist und an der frischen Luft, werden auch die Gedanken frei. Ich genie\u00dfe es, in den Bergen die Gedanken schweifen zu lassen. Da tanke ich auf. Aber ich liebe es auch, Tango zu tanzen \u2013 mit meinem Mann. Wir haben in Berlin viel Tango getanzt und haben das in letzter Zeit in Gera wieder f\u00fcr uns entdeckt und tanzen nun in der Tanzschule Schulze am Naumannplatz. Auch Klavierspielen ist ein toller Ausgleich f\u00fcr mich. Wenn man direkt vom Blatt spielt, muss man sich sehr konzentrieren \u2013 das lenkt ab. Man muss dann zwangsl\u00e4ufig abschalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sagen Sie zu dem Begriff \u201eKulturbanause\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So etwas wie einen Kulturbanausen gibt es f\u00fcr mich nicht. Selbst wenn Menschen nicht viel mit der \u201eklassischen\u201c Kultur anfangen k\u00f6nnen, sie nie an die sogenannte \u201eHochkultur\u201c herangef\u00fchrt wurden, kann jeder die \u00e4sthetische Sch\u00f6nheit von Dingen oder Musik empfinden. Doch Kultur beginnt f\u00fcr mich bereits bei banalen Dingen wie Essen oder Schreiben und Lesen \u2013 den einfachen Kulturtechniken. Kultur ist f\u00fcr mich ganz und gar nicht nur der enge Hochkulturbegriff, sondern etwas viel Individuelleres mit unendlich vielen Facetten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie das schon immer so gesehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, auch ich habe oft und viel \u00fcber den Begriff Kultur nachgedacht. Kultur kommt vom lateinischen Wort \u201ecolere\u201c und bedeutet bewahren, pflegen und bebauen. Alles, was Menschen hervorbringen, ist Kultur. \u00dcber uns in Berlin wohnte z. B. der Manager der Gruppe \u201eDie Fantastischen Vier\u201c. Er sprach immer von seinen vier K\u00fcnstlern. Mir erschien das damals anma\u00dfend, f\u00fcr mich waren K\u00fcnstler nur solche, die \u201eechte\u201c Kunstwerke hervorbringen, die in Museen oder Galerien ausgestellt werden. Doch mein Nachbar hatte Recht. Man kann alles, was Menschen gestaltend hervorbringen, alles, was sie mit Herzblut f\u00fcr die Nachwelt erschaffen, als Kunst bezeichnen. Wir m\u00fcssen unseren Kulturbegriff unbedingt erweitern \u2013 dann ist Kultur auch nicht mehr nur elit\u00e4r und vom Leben abgehoben, sondern macht richtig Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ab dem 1. Januar 2020 wird Dr. Claudia Tittel das neue Kulturamt leiten. Sie sagt \u201eGera muss sich nicht verstecken\u201c und beantwortet Fragen zu ihrer Person. 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