In Deutschland wird sich die Situation in der Pflege mittel- und langfristig nicht bessern. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ hat einen Abschlussbericht vorgelegt, der im Wesentlichen auf Einsparungen hinausläuft. Unter anderem soll der Prävention eine größere Bedeutung zukommen, um den Eintritt in die Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern. Die Pflegegrade werden beibehalten, jedoch mit strengeren Voraussetzungen. Desweiteren werden Maßnahmen zur Digitalisierung und Entbürokratisierung empfohlen. Auch sollen Leistungen kritisch überprüft und die begrenzten Mittel zielgerichteter eingesetzt werden.
Ein neues Modell für die Finanzierung wurde nicht entworfen. Das hat langfristig Folgen für die Pflege als Durchlaufposten für Beträge, deren Entstehung Arbeit voraussetzt. Sowohl durch die wirtschaftliche als auch die demografische Entwicklung gelangt bald deutlich weniger Geld in die Kassen. Gegenwärtig werden in der Produktionswirtschaft Arbeitsplätze aufgrund ungünstiger Standortbedingungen abgebaut, später weitere durch KI-Systeme ersetzt, wodurch einerseits künftig nur noch wenige Menschen das für den Eigenanteil nötige Geld ansparen können, andererseits auch Mittel für Ausgleichs- oder Hilfszahlungen fehlen.
Im Bereich Pflege wird voraussichtlich weniger Personal und Material refinanziert werden können, was zu Einsparungen führt. Bis zum Jahr 2027 fehlen in der Pflegekasse sechs Milliarden Euro. Im Jahr 2029 werden es voraussichtlich zwölf Milliarden sein. Hinzu kommen höhere Qualifizierungshürden ab 2026, die Quereinsteigern die Aufnahme einer Arbeit in Pflegheimen erschweren. Der daraus folgende chronische Personalmangel könnte noch mehr Pflegeunternehmen vor existenzielle Probleme stellen, weil viele Betten nicht mehr belegt werden können. Somit hat die Qualitätsoffensive bei gleichzeitig sinkendem Bildungsniveau eine dezimierende Wirkung und führt dazu, dass sich die Zahl der Pflegeheime dem sinkenden Anteil zahlungskräftiger Pflegeempfänger anpasst. Für die Durchschnittsbevölkerung sind Modelle der gegenseitigen Hilfe im Gespräch.

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