WARUM EIGENSCHREIBUNGEN NICHT ÜBERNOMMEN WERDEN

Manche Firmen, Vereine und Initiativen verwenden für sich selbst besondere Eigenschreibweisen und hoffen, dass diese bei der Berichterstattung übernommen werden. „Service.GEneRAtionen“, „MediaTHek“ und „TheaterFABRIK“ sind nur einige Beispiele. Man geht immer mehr dazu über, das Logo oder den als solchen verwendeten Schriftzug mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Zeichensatzes bei der Texterstellung nachzubilden.

Diese Verfahrensweise beeinträchtigt allerdings den Lesefluss. Schriftzüge und Bildmarken unterscheiden sich vom Fließtext in Funktion und Anforderung. Beim Gera-Magazin hat weiterhin die Standardschreibung Vorrang. Es gibt nur geringe Abweichungen vom Regelwerk der deutschen Sprache. Sämtliche Artikel werden als Funktionstexte angesehen, die eine leichte Lesbarkeit ermöglichen sollen. Auf die gestalterische Hervorhebung bestimmter Unternehmen, Initiativen und Aktionen wird deshalb verzichtet.

Eine zunehmende Bedeutung hat auch das automatisierte Vorlesen. Das Wort „Service.GEneRAtionen“ wird anders erfasst als „Service Generationen“. Der Hörer vernimmt merkwürdige Laute und kann nicht mehr erkennen, worum es sich handelt. Erschwert wird das automatisierte Vorlesen durch die Verwendung des Stichwortstils im Fließtext. Es werden Satzbrocken produziert, aber keine wohlklingenden Lesebeiträge. Störend sind auch zu viele Einklammerungen oder Kreationen, die optisch mehrerlei Bedeutungen aufzeigen sollen, etwa „unterHaltung“ bei der Höhler-Biennale oder „LEGOan“ in der Stadtbibliothek — ein Wortgebilde, das sich an Schulkinder richtet und Schreibregeln eine nachrangige Bedeutung zuweist.

Mittelfristig erwarten wir einen Trend zur Eindeutigkeit und Klarheit, der sich auch in der Schriftsprache widerspiegeln wird. Dieser resultiert aus der allgemein zunehmenden Verunsicherung. Sie steigert das Bedürfnis nach Halt und altbekannten, festen Strukturen. Stärker bevorzugt werden könnten dann klare Aussagen, Worte ohne doppeldeutige Optik, und Berichte, die zunächst ohne Umschweife das Wesentliche einer Sache allgemeinverständlich erklären, bevor auf Details eingegangen wird.

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