Normalerweise sind junge Menschen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen, probieren gern etwas neues aus, gehen Risiken ein und wollen das alte hinter sich lassen. Denn es erscheint ihnen nicht nur verstaubt, sondern auch einengend. Seit einigen Jahren geht dieses Bedürfnis jedoch zurück. Teilweise ist sogar ein verstärktes Interesse an der Vergangenheit und traditionellen Lebensweisen erkennbar.
Wie es dazu kommt, schildern die Betroffenen häufig selbst: Die prägende und vertraute Lebensrealität verwandelt sich zu schnell und ohne Einflussmöglichkeit. Das erschwert es jungen Menschen, sich auf neue Dinge einzulassen. Denn wer andere Menschen, Lebensweisen und Kulturen entdecken will, möchte nicht nur die Geschwindigkeit seiner Erkundungen selbst bestimmen, sondern auch das vertraute gesellschaftliche Fundament als Sicherheit im Hintergrund wissen. Misslingt der Vorstoß ins Unbekannte, ist eine Rückkehr in das gewohnte Umfeld jederzeit möglich.
Doch nun scheint dieses allmählich zu zerbröseln. Es entsteht ein neues Gesellschaftsbild, mit neuen Sprachen und neuen Prioritäten — und damit die Vorstellung von einer Zukunft, in der die eigene kulturelle Identität keine Rolle mehr spielt. Das erzeugt Unbehagen und Angst vor der Zukunft. Der Denkansatz, einen neuen, offenen Heimatbegriff zu etablieren, fruchtet deshalb nicht. Einige Jugendsozialarbeiter möchten erreichen, dass Heimat als ein Raum definiert wird, den jeder Fremde mitgestalten kann. Doch Jugendliche suchen naturgemäß Räume, in denen sie sich mit gleichgesinnten oder ähnlich empfindenden Menschen austauschen können. Dort entwickeln sie ein Gefühl der Zugehörigkeit und grenzen sich von anderen Gruppen ab. Die zu beobachtende Tendenz dürfte sich daher verfestigen.

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