Als Reaktion auf die stark angestiegenen Kraftstoffpreise wurde Ende März 2026 ein sogenanntes Kraftstoffanpassungsgesetz erarbeitet und kurz darauf beschlossen. Nun sind viele Autofahrer enttäuscht, denn es wird lediglich ein Zeitpunkt für Preiserhöhungen vorgegeben. Anstatt kleinschrittige Steigerungen sind größere Sprünge an den Tankstellen zu beobachten. Die Bundesregierung bezeichnet die neuen Regeln zwar als „Maßnahmenpaket gegen überhöhte Spritpreise“, kann letztendlich aber nicht an effektiven Preissenkungen interessiert sein. Denn es wird auf eine lenkende Wirkung gehofft. Höhere Kraftstoffpreise führen bei einem knapperen Angebot zu einer Reduzierung individueller Fahrten, steigern die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel und können die Elektromobilität vorteilhafter erscheinen lassen. Das verfassungsrechtlich verankerte Ziel ist schließlich die Klimaneutralität. Eine Zwischenbilanz für das Jahr 2025 ergab, dass die Emissionen zu langsam sinken. Handlungsbedarf wird vor allem beim Verkehr und den Gebäuden gesehen.
Obwohl mit dem höheren Ölpreis auch die kraftstoffbezogenen Steuereinnahmen steigen, verbessert sich die Situation in der Staatskasse mitnichten. Denn die Verluste beim BIP wiegen schwer. Die Konjunkturprognose für das laufende Jahr wurde inzwischen halbiert. Bleiben die Preise hoch, geraten immer mehr Firmen in Schwierigkeiten. Für eine eventuelle Stützung der Konjunktur müsste der Staat weitere Schulden aufnehmen. Am Ende könnte sich herausstellen, dass die Klimaneutralität weder mit einer wachstumsabhängigen Wirtschaft erreichbar ist, noch ohne Beschränkungen im täglichen Leben, was die Bundesregierung erst zu größeren Umverteilungen veranlassen dürfte, während sie den unangenehmeren Teil hinauszögert — bis externe Einflüsse als Ursache für einschränkende Maßnahmen angegeben werden können.
Zwar sind die Ölpreise so hoch wie selten zuvor, doch handelt es sich noch nicht um Rekorde. Nur die Spritpreise steigen auf neue Höchstwerte. Im Januar 2008 überschritt der Rohölpreis schon einmal die Marke von 100 US-Dollar und erreichte im Juli 2008 seinen Höchststand von rund 147 US-Dollar. Doch an den Tankstellen waren die Kraftstoffe deutlich billiger als heute. So kostete ein Liter Super-Benzin beispielsweise am 10. Mai 2008 nur 1,49 Euro.
Die Internationale Energieagentur und EU-Energiekommissar Dan Jørgensen rufen derweil zu Einsparungen auf. Letzterer erwartet eine längere Krise. Die Versorgung soll jedoch gesichert sein — zumindest nach Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Kerosin und Dieselkraftstoff stünden in ausreichender Menge zur Verfügung. Nur rund 5 % des europäischen Imports von Rohöl kämen aus dem Persischen Golf, so die Ministerin. Um den internationalen Rohölpreis zu dämpfen, habe man aber zusammen mit anderen Staaten Energiereserven freigegeben. Pessimistischen Einschätzungen zufolge steht die Welt vor einer großen Energiekrise mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen und tiefgreifenden Maßnahmen, ähnlich wie in der Corona-Zeit. Sogar eine baldige Freigabe der Straße von Hormus könne daran nichts mehr ändern.

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