Immer weniger Menschen nehmen eine Zeitung zur Hand und lesen darin. Seit Jahren sinken die Auflagenzahlen. Viele Blätter haben ihren Erscheinungsrhythmus verändert, verwandeln sich von Tages- zu Wochenzeitungen oder sind nur noch monatlich anstatt jede Woche zu haben.
Die neuen Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. zeigen hohe Verluste bei den Einzelverkäufen und Abonnements, womit ein sich beschleunigender Trend erkennbar wird. Die Zeitung „Bild“ blieb auch im vierten Quartal 2025 die größte überregionale Tageszeitung, doch die Auflage sank um 16,3 %. Es sind die höchsten Verluste in dieser Erhebung. Auch andere Zeitungen haben erhebliche Einbußen: „Bild am Sonntag“ minus 16 %, „Katholische Sonntagszeitung“ und „Neue Bildpost“ minus 13 %, „Handelsblatt“ minus 7,9 %, „Süddeutsche Zeitung“ minus 7,7 %, „Welt am Sonntag“ minus 7,7 %, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ minus 6,2 %, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ minus 5,5 % „Das Parlament“ minus 5,4 %, „Katholische Wochenzeitung“ minus 5,3 %, „Die Welt“ minus 3,5 %, „Junge Freiheit“ minus 2,8 %.
Der digitale Vertrieb reicht nicht aus, um die zurückgehende Zahl der Papierzeitungsleser zu kompensieren. Er ist wesentlich kleiner und aufgrund der demografischen Entwicklung stark beschränkt. Junge Leser nutzen eher soziale Plattformen und greifen dort häufig auf Publikationen alternativer Nachrichtenanbieter zurück. Dadurch verlieren die etablierten Zeitungen auch ihre Deutungshoheit.
In den sozialen Netzwerken zeigt sich ferner, dass Zeitungsredaktionen häufig nicht imstande sind, mit konträren Positionen umzugehen. Es überfordert sie, dass in den Kommentarspalten Empfindungen eine größere Rolle spielen als Zahlen und Fakten. Anstatt einer Moderation, die sachlichen Austausch fördert, erleben viele Nutzer Belehrungen, Zurechtweisungen oder ablehnende Äußerungen, wodurch die Zeitung als Verteidiger ihrer eigenen Sichtweise gegenüber andersdenkenden Lesern wirkt. Vor allem junge Nutzer suchen dann nach Alternativen, in denen sie sich mit ihren Empfindungen ernst genommen fühlen.

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