Sowohl Israel als auch die USA glaubten, die Mullahs mit vereinten Kräften innerhalb weniger Tage erheblich schwächen, und das iranische Volk mittels eingeschleuster Agenten zum Sturz des Regimes bewegen zu können. Dies erweist sich nun als fatale Fehleinschätzung. Die Verstärkung der Militärpräsenz und die Freigabe strategischer Ölreserven signalisieren kein baldiges Ende des Krieges. Die iranischen Revolutionsgarden nutzen ihre Kontrolle über die Straße von Hormus, verhindern den Schiffsverkehr und treiben so gezielt die Energiepreise in die Höhe. Währenddessen übt sich US-Präsident Donald Trump in Verbalakrobatik und versucht, Nato-Mitglieder zur Beteiligung an der Militäraktion zu verpflichten.
Strategisch betrachtet hat Israel den ersten Schritt getan, um den USA eine Begründung für den Einstieg in den Krieg zu liefern. Die asymmetrische Vorgehensweise des iranischen Militärs und der Revolutionsgarden wurde jedoch nicht einkalkuliert. Unberücksichtigt blieb auch die Rolle des Irans als Ort, an dem sich verschiedene Interessen überlagern. Durch die Störung des sensiblen Gefüges droht in der Region nun ein Flächenbrand. Weil Israel und die USA unterschiedliche Kriegsziele verfolgen, gibt es weder einen Plan für das Ende, noch für die Zeit danach. Den USA geht es um Rohstoffe sowie die Kontrolle über wichtige Ressourcen und Handelsrouten im geopolitischen Kontext. Mit Venezuela und Iran wurden Länder angegriffen, die Rohstoffe in größeren Mengen nach China exportieren. Über Venezuela kann zudem Kuba geschwächt werden.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich im Juni 2025 überzeugt, eine Beseitigung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei würde den Konflikt im Nahen Osten beenden. Entsprechend äußerte er sich auf die Frage, ob er die Sorge der US-Regierung teile, dass eine Tötung Chameneis den Konflikt außer Kontrolle geraten lassen könnte. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass der US-Präsident in seinen Entscheidungen von Benjamin Netanjahu beeinflusst wurde. Doch anders als Trump, hat der israelische Ministerpräsident keine wirtschaftlichen, sondern territoriale Interessen wie die Besetzung des Südlibanon, die Schaffung einer israelischen Provinz Gaza und die formelle Übernahme des Westjordanlandes.
Das Öl des Iran steht bereits seit vielen Jahrzenten im Fokus des Westens. Am 19. August 1953 führte ein vom CIA und MI6 eingeleiteter Putsch zum Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh. Dieser wollte die Förderanlagen und Raffinerien der Anglo-Iranian Oil Company, heute BP, vertaatlichen. Die Einnahmen aus dem Erdölgeschäft sollten dem Iran zugute kommen. Alleiniger Machthaber nach dem Putsch war Schah Mohammad Reza Pahlavi. Er hatte in Paris und der Schweiz studiert. Im Iran vertrat Pahlavi die Geschäftsinteressen des Westens. Um gegen Dissidenten vorgehen zu können, schufen CIA und Mossad die Geheimpolizei Savak. Später wurde Ruhollah Chomeini unterstützt, um eine Rückkehr des Lagers um Mossadegh zu verhindern.
Unter Schah Mohammad Reza Pahlavi begann im Iran im Jahre 1975 mit Unterstützung der zu Siemens gehörenden deutschen Kernkraftwerksunion das Nuklearprogramm. Offizielles Ziel war es, die Energieerzeugung des Irans umzustellen, sodass durch den geringeren Erdöl-Eigenbedarf größere Mengen auf dem Weltmarkt verkauft werden können. Ein Abkommen zur Beobachtung des Nuklearprogrammes unterzeichnete der Iran im Jahr 2015. Drei Jahre später wurde es unter US-Präsident Trump einseitig aufgekündigt, weil das Raketenprogramm nicht inbegriffen war.
Anders als vielfach behauptet, dürfte ein demokratischer Iran nicht im Interesse des Westens liegen, da das Land mit seinen Ressourcen und Möglichkeiten ein bedeutender Akteur auf dem globalen Markt werden könnte. Ein Plan zur Befreiung des iranischen Volkes ist deshalb nicht zu erwarten, sondern eher die Konditionierung auf eine Marionettenfigur, die vom Westen geführt wird. Indessen wird Russland de facto die Rückkehr auf den Ölmarkt ermöglicht, was dem Staat Mehreinnahmen in Höhe von bis zu fünf Milliarden US-Dollar bringen könnte. Damit kann Putin den Krieg gegen die Ukraine weiter finanzieren, während der Westen durch die Situation im Nahen Osten zusätzlich belastet wird und seine militärischen Ressourcen neu ordnen muss. Zudem darf Russland wegen der höheren Energiepreise auf ein weiteres Erstarken politisch rechter Parteien in Europa hoffen.

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