Mit Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, bezahlbaren Wohnraum und Kritik am Kapitalismus konnte die Linkspartei ihr Wahlergebnis in Baden-Württemberg spürbar verbessern. Für den Einzug ins Landesparlament reichten die Stimmen allerdings nicht.
Nun will sich die Partei stärker auf Migranten als neue Wählergruppe konzentrieren. Jan van Aken, Co-Parteivorsitzender und Abgeordneter der Linken, produzierte für die Wahl in Baden-Württemberg versuchsweise Tiktok-Videos in verschiedenen Fremdsprachen, die er zuvor eingeübt hatte.
Einige Mitglieder der Partei träumen von einer absoluten Mehrheit zur Bundestagswahl 2029. Man wisse, dass muslimische Bürger hauptsächlich links wählen, heißt es in einem Tiktok-Video. Würden bis 2029 weitere Migranten aufgenommen und genügend Asylbewerber eingebürgert, ergebe sich das Ziel zwangsläufig aufgrund der Mathematik, erklärt der Beitrag sinngemäß.
In Baden-Württemberg haben 16 % aller Wahlberechtigten eine Einwanderungsgeschichte. Warum die Linkspartei trotz des hohen Anteils nur 4,4 % der Zweitstimmen erhielt, wird in der Taz mit der geringen personellen Verankerung der Partei in Baden-Württemberg und dem zugespitzten Duell zwischen Grünen und CDU erklärt. Zudem hätten sich viele Wähler dafür entschieden, den CDU-Politiker Manuel Hagel verhindern zu wollen, und daher die Grünen gewählt.
Es gibt aber auch andere Erklärungsversuche: Ein großer Teil der Wähler mit Einwanderungsgeschichte hat Wertevorstellungen, die nicht mit denen der Linkspartei übereinstimmen. Sie pflegen traditionelle Rollenbilder, haben eine starke religiöse Bindung, können den kapitalismuskritischen Debatten nichts abgewinnen und lehnen die LGBTQ-Kultur ab.

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