Je länger die Straße von Hormus gesperrt ist und die Rohölpreise hoch bleiben, desto schwieriger wird die Situation für die weltweite Wirtschaft. Das wiederum setzt die Politik unter Druck. Einen direkten Eingriff in den Krieg lehnt Deutschland trotz Drängen der US-Administration ab, zumal da auch die gesetzlichen Grundlagen fehlen. Bürger und Unternehmen fordern Entlastungen, insbesondere bei den Kraftstoffpreisen.
Derzeit wächst in Politik und Wirtschaft der Pessimismus: Durch hohe Rohölpreise verteuern sich nach mehreren Wochen auch alle anderen Produkte und Dienstleistungen — die Inflationsrate steigt. Die zu erwartende Zurückhaltung beim Konsum würde das schwache Wachstum bremsen. Eine weitere Konjunkturhilfe kann sich der Staat angesichts der vielen Sonderausgaben nicht leisten.
Während einige Experten von einer längeren Blockade der Straße ausgehen, sehen andere ein baldiges Ende. Denn in der Vergangenheit waren Ölkrisen nur von kurzer Dauer. Zudem bringt der Krieg US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis. Der Unmut innerhalb seiner Partei wächst; bei den Halbzeitwahlen am 3. November 2026 droht eine Niederlage. Der Irankrieg belastet die US-Verbraucher unerwartet stark, was für erheblichen Frust sorgt.
Für eine baldige Freigabe der Straße von Hormus spricht, dass sie auch für den Iran lebensnotwendig ist. Die Öleinnahmen sind eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes. Eine längerfristige Sperrung würde die eigene Wirtschaft massiv schädigen und das Volk noch stärker gegen die Führung aufbringen. Für einen längeren Kampf im Inneren stehen nicht genügend Ressourcen zur Verfügung. Was die Grundversorgung anbelangt, hat der Iran zwar einen Selbstversorgungsgrad von 60 %, muss aber mehrere Nahrungsmittel importieren und bezahlen. Ohne Einnahmen fehlt das Geld für die Versorgung des eigenen Landes.
Drohungen, die Straße von Hormus zu schließen oder zu verminen, dienen dem Iran als politisches Druckmittel gegenüber den USA, Israel und den Golfmonarchien. Doch er kann dieses nur kurzfristig anwenden. Eine längerfristige Blockade würde wichtige Partner wie China und Indien verärgern und Irans außenpolitische Spielräume einengen.

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