Den archäologischen Funden nach zu urteilen, kamen vor etwa 60’000 Jahren die ersten Menschen in das heutige Ostthüringen. Es handelte sich um Jäger und Sammler des mitteleuropäischen Micoquien. Diese Neandertaler-Kultur breitete sich in der Tundra-Landschaft von Westen nach Osten aus und ist heute an mehreren Stellen des Geraer Stadtgebietes nachweisbar. Der bekannteste Fundort ist die Lindenthaler Hyänenhöhle. Dort wurden bis zu 60’000 Jahre alte Steinwerkzeuge entdeckt. Wahrscheinlich dienten die zwei miteinander verbundenen und nach oben offenen Spalten als Jagdlager. Die Cro-Magnon-Menschen der mittleren und späten Altsteinzeit hielten sich vor allem in den umliegenden Höhen auf. Sie gehörten der Magdalénien-Kultur an. Spuren mesolithischer Siedlungen gibt es beispielsweise auf dem Pfortener Berg, Zoitzberg, Lasurberg und dem Collisberg. Von dort aus konnte das Tal gut eingesehen werden.
Der Homo sapiens siedelte bereits vor 47’500 Jahren in Thüringen. Das legen Knochen aus der Höhle von Ranis nahe, deren Alter mittels Radiokarbondatierung bestimmt werden konnte. Es handelte sich wahrscheinlich um einen dunkelhäutigeren Menschentyp mit schwarzen Haaren. Neuen Analysen zufolge setzten sich helle Haut und blonde Haare in Mitteleuropa erst vor 3000 Jahren durch, wie Forschungsergebnisse der Genetikerin Silvia Ghirotto von der Universität Ferrara zeigen. Vor etwa 14’000 Jahren, in der Spätphase der Altsteinzeit, kamen diese Merkmale nur vereinzelt vor.
Für Gera bedeutsam sind die Bandkeramiker. Als sich die heutige Warmzeitphase, das Holozän, vor 7500 Jahren stabilisierte, wanderten über den Balkan und das Karpatenbecken Bauern aus dem nordwestlichen Anatolien ein. Mit ihnen etablierte sich eine neue Wirtschafts- und Lebensweise. Die Menschen wurden sesshaft, betrieben Ackerbau, Viehzucht, und errichteten Siedlungen mit verhältnismäßig großen Häusern. Vor 4000 Jahren, am Ende des Neolithikums, kamen aus Osteuropa die Schnurkeramiker. Vor über 2000 Jahren war Gera ein Ort der Eisenverhüttung. In der Nähe von Tinz fand man Eisenöfen, die heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar ausgestellt sind. Während der Bronzezeit und Eisenzeit wurden aufwendige Grabanlagen sowie Höhensiedlungen mit Wallanlagen errichtet.
Um etwa 100 vor Christus wanderten die Hermunduren, ein germanischer Stamm aus dem Gebiet der unteren Elbe kommend, ein. Sie verdrängten bzw. vermischten sich mit den zuvor hier lebenden veneto-illyrischen und keltischen Siedlern. Das Land gehörte den Hermunduren bis zum dritten Jahrhundert. Allerdings war das Geraer Gebiet bis zum Beginn des Mittelalters nur dünn besiedelt. Mit dem Untergang des Thüringer Königreiches im Jahre 531 wanderten schließlich fast alle Menschen aus der Region ab. Vergeltungszüge der Franken beschleunigten den Fortzug. Als die Sorben im achten Jahrhundert von Norden her entlang der Weißen Elster einwanderten, trafen sie auf eine weitgehend menschenleere Landschaft und nahmen diese in Besitz. Die Franken stießen im neunten Jahrhundert wieder nach Ostthüringen vor, brachten im Jahre 869 das obere Vogtland unter Kontrolle, und kurz darauf auch die Burg Geraha im heutigen Stadtzentrum. Die Grenzregion, zu der das Geraer Gebiet gehörte, wird als karolingische Sorbenmark bezeichnet. Otto, Herzog von Sachsen, drängte die Franken im Jahre 909 wieder zurück. Unter Otto I., Enkelsohn des Otto, Herzog von Sachsen, wurde das Gebiet der Sorben in das Heilige Römische Reich einbezogen.
Zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert gestalteten die Slawen das Land nach ihren Vorstellungen, legten Siedlungen an und errichteten auf dem Osterstein eine Burg als Zentrum des slawischen Burgbezirks. Das Territorium wurde unter Heinrich I. und seinem Sohn Otto I. administrativ neu geordnet, wobei die Burgwards bzw. Gaue weitgehend den slawischen Burgbezirken entsprachen. Viele der heutigen Orts, Gebiets- und Straßennamen wie Zschochern, Zwötzen und Sorge gehen auf slawische Bezeichnungen zurück.

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