Der Fall Fernandes/Ulmen hat zuletzt einmal mehr die Zweiteilung der Medienwelt verdeutlicht. Während bei den etablierten Anbietern die Gewalt gegen Frauen und der Kampf gegen patriarchale Strukturen im Fokus steht, sprechen die alternativen Anbieter über eine Instrumentalisierung des Falls, mit dem Ziel einer Identifikationspflicht im Netz. In den Kommentarspalten und sozialen Netzwerken prallen beide Sichtweisen aufeinander.
Ausgangspunkt der Debatte war ein Artikel im Magazin „Der Spiegel“, Heft 13 vom 20. März 2026. Dieser verleitet, offenbar gezielt, zu bestimmten Deutungen. Aktivisten ließen sich davon beeinflussen und riefen zu Demonstrationen auf. Dabei kam reichlich Wut zum Ausdruck, die sich allgemein gegen Männer richtet. Die öffentlich-rechtlichen Programme übernahmen die Narrative zunächst. In der Deutschlandfunk-Sendung „Zur Diskussion“ vom 25. März 2026 sagte Max Bauer, Journalist in der ARD-Rechtsredaktion in Karlsruhe, er schäme sich als Mann. Problematisiert wird insbesondere der weiße Cis-Mann. In der Sendung „Feature“, ausgestrahlt am 27. März 2026, feierte man musikalisch untermalt die Steinzeit, in der Annahme, dass damals Gleichberechtigung herrschte und alles miteinander geteilt wurde. Für die Zukunft wurde der Wunsch nach dem Matriarchat geäußert.
In alternativen Medien überwiegt hingegen die Empörung über die Berichterstattung der etablierten Zeitungen und Rundfunkanstalten sowie über die feministisch-linke Szene. Unter anderem wird festgestellt, dass sich der Hass insbesondere auf weiße Männer konzentriert, die Hautfarbe hier plötzlich erwähnt wird, während Zuwanderer in der Diskussion außen vor bleiben. Es wird die These verbreitet, nach der Frauen frustriert sind, weil sie merken, dass sie trotz Emanzipation von Männern abhängig sind. Beim Anbieter „Nius“ vermutet man ein Aktivisten-Netzwerk hinter Collien Fernandes und nennt „Hate Aid“, „Correktiv“ und „Zero Covid“.
Die „Tagesschau“ fiel auf, weil sie ihre Artikel zum Fall Fernandes/Ulmen mehrmals korrigierte und erklärende Hinweise anfügte, und zwar in dieser Abfolge: „Collien Fernandes wirft Christian Ulmen vor, in ihrem Namen jahrelang im Internet Fakeprofile erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet zu haben.“ „Collien Fernandes wirft Christian Ulmen unter anderem vor, Deepfake-Pornos verbreitet zu haben.“ „Ulmen soll jahrelang im Internet Fake-Profile erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet haben. Das Erstellen und Verbreiten von Deepfake-Pornos wirft sie Ulmen wohl nicht vor.“ Zum Schluss beschrieb der Text einen völlig anderen Sachverhalt.
In der Ausgabe 14 vom 27. März 2026 greift „Der Spiegel“ das Thema erneut auf und lässt unter anderem Luisa Neubauer und Margarete Stokowski zu Wort kommen. Auch hier regt sich wieder Kritik, weil die Aufmerksamkeit zu sehr auf die Gewalterfahrungen Prominenter im Internet gelenkt wird. Die überwiegend männliche Leserschaft des Magazins, zumeist gut verdienend und in besseren Gegenden wohnend, könnte zu der Einschätzung kommen, dass die in den alternativen Medien thematisierten Formen der Gewalt an Frauen, von denen sie noch nie etwas gehört hat, an Orten, die sie nicht betritt, starke Übertreibungen sind.

Kommentar hinterlassen