Die Stadt- und Regionalbibliothek zeigt derzeit im Veranstaltungsbereich der Gerathek ausgewählte Fotografien von Halina Hildebrand, die in Israel in der Zeit nach dem 7. Oktober 2023 entstanden. Der Ausstellungstitel „Sei a Mensch“ erinnert dabei an Worte der im letzten Jahr verstorbenen Holocaustüberlebenden Margot Friedländer, die immer wieder betonte:
„Ich sage, seid Menschen. Wir sind alle gleich.“
Michael Panse, Beauftragter der Thüringer Landesregierung für Jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus, verwies darauf zur Ausstellungseröffnung im Rahmen der Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen am Montag, den 23. März 2026. Gleichzeitig betonte er die Aktualität der Aussage hinter den Bildern auch zweieinhalb Jahre später. Die Ausstellung entstand 2023/2024 und war bereits in Erfurt, Meinigen und Mühlhausen zu sehen. In der Geraer Bibliothek am Puschkinplatz werden Teile der ursprünglichen Ausstellung präsentiert; ein Begleittext, den man an der Servicetheke erhalten kann, bietet zusätzliche Informationen zu den Bildern. Zu sehen sind zerstörte Wohnhäuser, aufgetürmte Autowracks, Menschen mit leeren, ohnmächtigen Gesichtern — Momentaufnahmen aus einem verwundeten Land. Nach dem brutalen Massaker der Hamas an Familien in Kibbuzim nahe der Grenze zu Gaza und an jungen Menschen auf einem Musikfestival in der israelischen Negev-Wüste stand das Land unter Schock. Bewusst wurden die Opfer gedemütigt, sexuell missbraucht und die Leichen geschändet. Wie können Menschen sich gegenseitig so etwas antun? Die Fotografien sind der Versuch, die tiefgreifenden Auswirkungen dieses Tages auf die israelische Gesellschaft festzuhalten. Mit nüchterner Formensprache, im Kontrast zu den tiefen Emotionen, fängt die Fotografin das Leid, die Herausforderungen und die kollektive Resilienz der israelischen Bevölkerung ein. Die Ausstellung zeigt die Tragweite der Katastrophe und setzt ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus. Halina Hildebrand erklärt:
„In einer Zeit, in der Vorurteile oft die Wahrnehmung verzerren, sucht meine Arbeit danach, eine Brücke zu schlagen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Mitgefühl und Empathie wichtige Werkzeuge für den Abbau von Feindseligkeiten und Missverständnissen sind.“
Halina Hildebrand, geboren 1953 in Polen, lebt und arbeitet in Berlin. Zu sehen ist die Ausstellung bis 30. April 2026 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek. Der Eintritt ist frei.
QUELLE: STADTBIBLIOTHEK

Kommentar hinterlassen