Auf dem globalen Anleihenmarkt, mit einem Gesamtvolumen von mehr als 130 Billionen US-Dollar der mächtigste der Welt, kommt wegen der steigenden Verschuldung vieler Industriestaaten Unbehagen auf. Die Defizite in den Staatskassen vergrößern sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Um noch mehr Schulden aufnehmen zu können, werden weitere Anleihen ausgegeben. Die Käufer von Staatsanleihen verlangen von den Emittenten höhere Renditen, sonst kaufen sie die Schuldverschreibungen nicht mehr. Ohne höhere Renditen sind die Papiere nicht attraktiv genug. Für die Staaten wird das Leihen von Geld somit teurer.
Die Umlaufrendite ist jüngst deutlich über die bisherigen Höchststände hinaus gestiegen. Damit beginnt nach einer Konsolidierung die zweite Phase des im Sommer 2022 begonnenen Renditeanstiegs. Erwartet wird ein weiterer Anstieg der Umlaufrenditen um 75 bis 100 Basispunkte in den kommenden sechs Monaten. Sollten die Notenbanken die Leitzinsen wegen der steigenden Inflationsrate erhöhen, fallen die Kurse der bestehenden Anleihen weiter; die Rendite steigt. Gegenwärtig versuchen die Notenbanken, insbesondere in den USA, niedrigere Anleiherenditen zu erwirken. Doch die Maßnahmen zeigen kaum Wirkung.
Käufer sondieren indessen, auf welchem Zinsniveau Anleihen bei steigender Inflation rentabel sind und erwarten bessere Werte. Das Niveau, auf dem der Anleihemarkt einen positiven Realzins erwirtschaftet, ändert sich angesichts der Inflationsrate.
Das Finanzierungsproblem trifft in besonderem Maße nicht nur die USA, sondern auch Deutschland. Finanzmarktanalysten erwarten eine Phase steigender Zinsen in den nächsten zwölf bis 24 Monaten. Für den Bund wird die Situation gefährlich. Im kommenden Jahr beabsichtigt er weitere Kreditaufnahmen in ungewöhnlicher Größenordnung. Die Wirtschaft wächst jedoch nicht mehr nennenswert. Rating-Agenturen drohen bereits mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit.
Es wird erwartet, dass die Notenbanken bei ihrer Zinsentscheidung dem Anleihemarkt folgen, denn das lange Ende des Zinsmarktes gibt immer die Tendenz vor. Sie können dann keine Rücksicht auf politische Befindlichkeiten, konjunkturelle Dynamiken oder dem Arbeitsmarkt nehmen. Angesichts der gegenwärtigen Prioritäten bei den Staatsausgaben, müsste die Regierung anderswo rigorose Kürzungen und Einsparungen vornehmen — letztendlich mit sichtbaren Auswirkungen in den Kommunen. Das kann zu einer Zerreißprobe für die gegenwärtige Koalition werden und zum Bruch führen. Aber auch mit einer neuen Regierung ändert sich die fiskalische Ausgangslage nicht. Diese Gegebenheiten können in eine Unruhephase mit häufigen Neuwahlen und permanenten Enttäuschungen führen.
Einsparungen und Kürzungen sind nur eine weitere Etappe bei größer werdenden Finanzierungsproblemen. Die zunehmende Schuldenlast führt bei schwacher Wirtschaft in eine Phase des Stillstands. Es drohen Enteignungen in Gestalt einer hohen Inflationsrate, und im fortgeschrittenen Stadium der Entzug von Sachwerten zunächst im eigenen Wirtschaftsraum, dann außerhalb.

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