DER MUTTERTAG — IN FERNER ZUKUNFT

Zu sehen ist die Skulptur „Mutter mit Kind“ von Detlef Hermann aus dem Jahre 1980.

Am 14. Mai ist Muttertag. In Deutschland etablierte sich dieser aus den USA kommende Ehrentag in den 1920er Jahren. Der gelebte Alltag der Mütter hat sich seitdem im Zuge politischer und sozialer Veränderungen sowie dem technischen Fortschritt einige male gewandelt. Im Großen und Ganzen sind die Familien kleiner geworden; Maschinen ermöglichten mehr Freiräume, und viele gehen einer bezahlten Arbeit nach, was wiederum zu einer zweifachen Belastung führt. Im Jahr 2022 waren in Deutschland mehr als zwei Drittel aller Mütter mit minderjährigen Kindern erwerbstätig. Ihr Anteil ist in den vergangenen 14 Jahren um 9 % gestiegen.

Die damit verbundenen Probleme nehmen die Töchter in der heutigen Generation besonders wahr und finden die Rolle als Mutter in Anbetracht der nun bestehenden Möglichkeiten gar nicht mehr erstrebenswert. Sie entscheiden sich eher für die berufliche Karriere und finanzielle Unabhängigkeit. Ein Kind wird häufig als Hindernis empfunden. Und wenn das berufliche Ziel erreicht ist und der Kinderwunsch verspätet doch noch aufkommt, spielt der Körper nicht mehr mit.

Der medizinische Fortschritt schafft aber neue Möglichkeiten, die immer häufiger genutzt werden. Gleichzeitig befindet sich die hiesige Gesellschaft in einem Umwandlungsprozess. Die Vorstöße, auch die Sprache dahingehend anzupassen, werden immer stärker. Es gibt Formulierungen wie Elternteil 1, Elternteil 2, gebärende und austragende Person. Der Begriff Mutter könnte irgendwann für obsolet erklärt werden und verschwinden, wenn Männer und Frauen, Mütter und Väter in ferner Zukunft von einer beliebig transformierbaren Spezies abgelöst wurden, die sich zu jeder Zeit in alles denkbare umwandeln lassen kann, und selbst entscheidet, welche Eigenschaften ihr Nachwuchs haben soll. Damit verliert die Gesellschaft allerdings ihr Fundament. Die sich reproduzierenden und produzierten Personen werden irgendwann nicht mehr wissen, wer oder was sie eigentlich sind, und außer Karrieremöglichkeiten nichts Sinnstiftendes mehr finden. Dann erinnert man sich vielleicht an den Muttertag, dass es um sehr viel mehr ging, und ein vermeintlicher Fortschritt auch in einer Sackgasse enden kann.

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