Die Straße von Hormus ist weiterhin nicht oder nur eingeschränkt passierbar, wodurch auf dem globalen Markt derzeit bis zu 10 % des Erdöls fehlen. Die Vorräte sind begrenzt — trotzdem bleiben die Preise stabil. Das hat drei wesentliche Gründe: Die USA, größter Öl- und Gasförderer der Welt, exportieren weitere Lagerbestände und schaffen somit ein höheres Angebot, während China die Importe reduziert. Beide Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise können aber nur über einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten werden. Die Märkte rechnen mit einem Ende der Blockade innerhalb der nächsten vier Monate.
Etwa 90 % des iranischen Öls wurden zuletzt nach China verschifft. Die Volksrepublik arbeitet daran, ihre Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern und nutzt pragmatisch mehrere Möglichkeiten der Energiegewinnung. An der Elektrizität haben Kohlekraftwerke einen Anteil von 55 %, Wasserkraftwerke 14 %, Solarmodule 12 %, Windkraftanlagen 11,4 %, Kernkraftwerke 4,5 % und Gaskraftwerke 3,1 %. Die USA verbrauchen in der Gesamtbilanz mehr Öl als sie fördern. Die dortigen Raffinerien sind für Schweröl ausgelegt, wie es in Kanada, Saudi-Arabien und Venezuela vorkommt. Exportiert wird überwiegend leichtes Öl.
Die Großbank JP Morgan rechnet mit einer Freigabe der Straße von Hormus im Juni 2026. Pessimistische Stimmen halten dies für unwahrscheinlich und warnen, dass die Vorräte im August 2026 zur Neige gehen werden. Dann droht den Einschätzungen zufolge eine Rezession, die sich in Verbindung mit dem Düngemitteldefizit und Konkursen zu einer schweren Versorgungskrise ausweiten könnte.
Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus den Organisationen OPEC und OPEC plus führt nicht zu einer wesentlichen Erhöhung der weltweiten Fördermengen. Diese würden nur um bis zu 2 % steigen. Wegen des stark reduzieren Luxustourismus seit Beginn des Krieges fehlt den Scheichs eine wichtige Einnahmequelle. Ohne Förderquoten können sie mehr Öl aus der Erde holen und es wesentlich billiger verkaufen. Die Gewinnschwelle ist mit 55 US-Dollar deutlich niedriger als die Saudi-Arabiens in Höhe von 85 US-Dollar.

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