WIE VIELE PARLAMENTARIER KÖNNEN EIN ERFOLGREICH ABSOLVIERTES STUDIUM VORWEISEN?

Die Universität Hamburg ist mit 73 Absolventen die beliebteste Universität unter Deutschlands Landtagsabgeordneten. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Lernportals Jurafuchs. Dabei wurden die akademischen Lebensläufe von 1898 amtierenden Landtagsabgeordneten ermittelt und im Hinblick auf die Studienorte und Studiengänge verglichen. Rund drei Viertel der Abgeordneten studierten im eigenen Bundesland; in Brandenburg sind es nur 21 %.

Im Landtag von Thüringen haben 68,2 % der Abgeordneten ein Studium abgeschlossen. Die höchste Akademikerquote weist die CDU mit 91,3 % auf, die niedrigste – wie im Bund – die Alternative für Deutschland mit 53,1 %. Mit großem Abstand am häufigsten taucht die Universität Jena in den Lebensläufen auf (27 Abgeordnete), gefolgt von der Fachhochschule Erfurt (3) und der Universität Marburg (2). Beim Studiengang dominieren die Juristen: Elf Abgeordnete und damit knapp ein Fünftel der studierten Abgeordneten haben ein Studium der Rechtswissenschaften belegt. Dahinter folgen Politikwissenschaften (6 Abgeordnete).

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Je nach Bundesland unterscheidet sich die Akademikerquote teilweise deutlich. Besonders hoch ist die Quote an Abgeordneten mit erfolgreich abgeschlossenem Studium in Berlin und Hamburg: Im Berliner Abgeordnetenhaus haben 85,5 % der Mandatsträger studiert, in der Hamburgischen Bürgerschaft 82,6 %. Es folgen der hessische (73,7 %) und der nordrhein-westfälische Landtag (73,3 %) vor dem schleswig-holsteinischen Landtag (72,5 %).

Weniger Akademiker sitzen hingegen in der Bremischen Bürgerschaft und im Landtag von Sachsen-Anhalt mit jeweils 59,8 %, gefolgt vom Saarland (62,7 %) und dem sächsischen Landtag (63,3 %). Knapp davor rangiert der brandenburgische Landtag (64,8 %).

Im Hinblick auf die Parteien führt Bündnis 90/Die Grünen mit 81,2 % das Akademiker-Ranking an. Häufig studiert haben auch Abgeordnete von Die Linke sowie von der CSU mit 79,5 bzw. 76,5 %, gefolgt von der CDU (75,8 %) und der SPD (74 %). Deutlich geringer ist der Anteil an Abgeordneten mit absolviertem Studium bei der Alternativen für Deutschland, wo nur knapp jeder Zweite studiert hat (48,1 %).

Auffällig ist, wie stark die regionale Bindung beim Studienort vielerorts ausfällt: Im Saarland (78,1 %), in Nordrhein-Westfalen (76,2 %) und in Bayern (75,4 %) war die große Mehrheit der studierten Abgeordneten im eigenen Bundesland an der Hochschule eingeschrieben. Das Gegenteil zeigt sich im Osten der Bundesrepublik in Brandenburg und Sachsen-Anhalt: Dort haben nur rund 21 bzw. 38 % der Abgeordneten mit Studium im eigenen Bundesland studiert – viele zog es stattdessen in benachbarte Hochschulstädte wie Berlin, Leipzig, Göttingen oder Dresden. Der Gesamtschnitt liegt mit 72 %, die für ihr Studium im eigenen Bundesland geblieben sind, deutlich höher.

Einige Parlamentarier haben ihre Studienzeit zudem nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland verbracht. Am häufigsten zog es die Abgeordneten dabei an die Universität Maastricht in den Niederlanden sowie nach London (je vier Politiker), gefolgt von Paris – unter anderem an die renommierte Sciences Po – und der englischen Universität Liverpool sowie der Universität in Genf (je drei Abgeordnete).

Wie auch im Bundestag dominieren die Juristen: Mit 282 Abgeordneten hat mehr als ein Fünftel aller Parlamentarier ein Studium in Rechtswissenschaften absolviert. Deutlich dahinter folgen die Politikwissenschaftler (118 Abgeordnete), die Betriebswirtschaftslehre (100), Geschichte (40) und Lehramtsstudiengänge (38). Daneben finden sich auch einige ausgefallene Fächer in den Biografien: Opernregie etwa studierten Abgeordnete in Brandenburg und Sachsen. In Berlin sitzt eine studierte Ägyptologin im Parlament, in Hamburg eine Abgeordnete mit Arabistik im Lebenslauf und in Schleswig-Holstein gleich zwei mit einem Studium der Skandinavistik.

Nicht immer haben die Landespolitiker ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Die meisten Studienabbrecher sitzen im nordrhein-westfälischen und im hessischen Landtag mit jeweils sechs Abgeordneten. Im Gesamtschnitt liegt die Abbrecherquote bei 2,1 %. Weitere 1,2 % sind derzeit noch als Studenten eingeschrieben. Besonders viele studierende Politiker gibt es in Baden-Württemberg, Berlin und Bremen mit jeweils drei gegenwärtig noch eingeschriebenen Abgeordneten.

„Mehr als zwei von drei Landtagsabgeordneten haben ein Studium abgeschlossen und sich damit ein für die politische Arbeit wichtiges theoretisches Fundament aneignen können“, erklärt Dr. Carl-Wendelin Neubert, Mitgründer von Jurafuchs, und gibt zu bedenken, dass ein Studium allein niemanden auf das Amt als Landtagsabgeordneter vorbereitet. Er kommentiert:

„Wer politische Verantwortung trägt, sollte analytisch denken, präzise arbeiten und strukturiert argumentieren können. Außerdem ist es wichtig, politische Prozesse und die Gesetzgebung zu verstehen. Das Jurastudium vermittelt viele dieser Fähigkeiten. Dass es unter den Abgeordneten das mit Abstand häufigste Studienfach ist, überrascht deshalb kaum. Genauso wichtig ist, dass in den Landesparlamenten Menschen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen vertreten sind. Gute Politik lebt von verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen. Entscheidend ist aber: Politisch Verantwortliche müssen ein Verständnis der tatsächlichen Probleme der Menschen haben, die sie vertreten, und entsprechend zielgerichtete Lösungen anbieten. Ein abgeschlossenes Studium bietet dafür allenfalls die Eintrittskarte.“

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