GRUNDSATZFRAGEN ZUM ÖRR

Kulturstaatsminister Dr. Weimer kritisierte das Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor zwei Wochen in der „Welt am Sonntag“ als zu umfangreich und zu teuer. Mit dem Konzept, alles für alle in mehrfacher Form anzubieten, verfehlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen eigentlichen Zweck und ist dadurch zu teuer, meint der Minister. Dies ist nur einer von mehreren Kritikpunkten, der aber eine wichtige Frage aufwirft: Ist die Grundversorgung bereits mit einem einfachen Angebot zu allgemeinakzeptablen Preisen gedeckt oder sollte ein hochpreisiges Angebot bereitgestellt werden, um die Erwartungen aller Nutzer zu befriedigen?

Die unterschiedlichen Ansprüche haben einen enormen Einfluss auf die Finanzierbarkeit, für die konkrete Modelle benötigt werden. In gewissem Sinne liegt eine asymmetrische Lastenverteilung vor. Über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk lässt sich das relativ kleine akademische Milieu kostenintensive Programme von einer Allgemeinheit finanzieren, die selbst nur ein geringes Interesse daran hat. Die Einschaltquoten von werbefinanzierten Programmen zur Bedienung des Massengeschmacks liegen weit über denen von reinen Kulturprogrammen. Eine Finanzierung des Rundfunks ausschließlich über Radio- und Fernsehwerbung ist jedoch problematisch, weil sich die Programme dann nur auf werberelevante Zielgruppen konzentrieren. Im Fokus stehen Menschen, die sich in ihren Kaufentscheidungen von einfachen Emotionen leiten lassen und eine begrenzte Verarbeitungskapazität für Informationen haben. Der Bevölkerungsteil von der “gehobenen Mitte“ bis zur Oberschicht bliebe außen vor.

In der Diskussion um die Reduzierung der Kulturkanäle steht der Vorschlag im Raum, das lineare Fernsehen ausschließlich für Erstausstrahlungen, Neuigkeiten und Direktübertragungen zu nutzen. Wiederholungen würden sich wegen der Verfügbarkeit bereits ausgestrahlter Sendungen in Mediatheken erübrigen. Zwei Kulturprogramme könnten so auf einem Kanal untergebracht werden. Beschrieben wird ein moderner, zweckorientierter Wandel bei der Nutzung unterschiedlicher Verbreitungswege. Während zeitunabhängige und bereits linear gesendete Inhalte im Internet verbleiben, konzentriert sich das klassische Fernsehen auf Sendungen, in denen Gleichzeitigkeit und Aktualität eine Rolle spielen.

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