DER EISVOGEL

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands haben sich die Bestände des Eisvogels an der Weißen Elster deutlich vergrößert. (Bild: Stadtverwaltung/Museum für Naturkunde)

Im Museum für Naturkunde ist ein Eisvogel als Repräsentant einer Art zu sehen, die nun wieder häufiger im Tal der Weißen Elster anzutreffen ist. Das Standpräparat wurde als Museumsobjekt des Monats März 2022 präsentiert. Erst wenige Wochen zuvor hatte es Museumspräparator Rainer Michelsson angefertigt.

Das Tier wurde am 28. Januar 2021 tot aufgefunden. Es befand sich eingefroren unter einer Eisschicht im Dorfteich von Dreba, welches nördlich der Plothener Teiche im Saale-Orla-Kreis liegt. In den Wochen davor wurde der Eisvogel immer wieder mit Freude von der örtlichen Bevölkerung am Teich sitzend beobachtet. Mit Bedauern über das Verenden wurde der Vogel von Jürgen Auerswald, einem langjährigen Freund des Museums für Naturkunde Gera, mit einem Rechen aus dem Eis „herausgepickert“ und anschließend dem Museum übergeben.

Im Februar 2022 konnte das Tier dann sach- und fachgerecht präpariert werden. Die sorgfältige Arbeit hat zwei Tage in Anspruch genommen. Als Füllung wurde verklebte und anschließend exakt auf das Körpermaß zugeschnitzte Holzwolle verwendet. Die eingesetzten Glasaugen stammen aus Lauschaer Produktion und waren im Museum vorrätig. Das fertige Präparat zeigt den schönen Vogel in einer ruhigen Sitzhaltung. Seit dem 19. August 2022 kann das Präparat zwischen einer Vielzahl anderer Vogelpräparate in der Sonderausstellung „Gezähmte Eilende — Die Weiße Elster und ihr Tal zwischen Greiz und Bad Köstritz“ bewundert werden. Dort repräsentiert er seine Art in einer gigantischen Vitrine, welche die Vogelvielfalt des Elstertals zeigt. Der Eisvogel, der auch das Logo des Museums für Naturkunde Gera ziert, darf dabei nicht fehlen.

Der strahlend blau und orangerot befiederte Eisvogel lässt sich lebendig das ganze Jahr über an der Weißen Elster und an ihren Zuflüssen beobachten. Nur die Flügeldecken, die Schultern, der Oberkopf und die Schwanzfedern zeigen die unverwechselbare grünlich-blaue Farbe des bis zu 18 Zentimeter langen Vogels. Als geschickter Jäger von Kleinfischen, Wasserinsekten und Kaulquappen sind für ihn mäßig schnell fließende oder stehende, klare Gewässer lebensnotwendig. Als Stoßtaucher stürzt er sich schräg kopfüber in das Wasser um die Beute tauchend mit dem Schnabel zu ergreifen. Während der Balz im Februar und März beginnt ein Eisvogel-Paar mit dem Bau der Bruthöhle. Für die Bruthöhle sind senkrechte oder leicht nach vorn geneigte Steilwände z. B. am Ufer nötig. Gegraben wird mit dem Schnabel; die Bruthöhle erreicht bis zu 80 Zentimeter Länge. An ihrem Ende entsteht ein zirka 17 mal 12 Zentimeter großer Brutkessel, in den später die sechs bis acht weißen, kugelrunden Eier gelegt werden. Geeignete Steilufer finden sich am Ufer der Weißen Elster sporadisch an einigen Stellen im Raum Greiz, im Bereich Meilitz bei Wünschendorf und auch nördlich von Gera. An kleineren Zuflüssen der Elster, der Brahme und dem Erlbach, sind öfter geeignete Steilwände vorhanden.

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands haben sich die Bestände des Eisvogels an der Weißen Elster deutlich vergrößert. Das Wasser der Weißen Elster ist weniger mit Abwässern verschmutzt und zudem klarer geworden – eine wichtige Voraussetzung, damit der Eisvogel seine Beute bei nun größerer Sichttiefe überhaupt erblicken kann. Durch die Verbesserung der Wasserqualität ist auch das Nahrungsangebot reichhaltiger geworden. Im Jahr 2001 wurden an den Fließgewässern im gesamten Gebiet der Stadt Gera und des Landkreises Greiz 50 bis 60 Brutpaare gezählt. Besonders kalte Winter sind eine Bedrohung für die Art. Der Winter 1995/1996 hatte 90 % der Eisvogelbestände in Gera und im Landkreis Greiz vernichtet. Das ist keine Katastrophe, sondern passiert immer wieder. Auch das hier vorgestellte Tier ist dem Winter zum Opfer gefallen, wird aber als Tierpräparat hoffentlich viele Jahrzehnte weiter überdauern.

QUELLE: STADTVERWALTUNG

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