ARBEITSMARKT UND LÖHNE — EINE PROBLEMATISCHE ENTWICKLUNG

Die Reallöhne in Deutschland sinken. Vergleichsweise hoch sind die Steuerlast und die Arbeitskosten. Eine problematische Entwicklung zeichnet sich ab.

In Deutschland sind die Reallöhne 2022 um 4 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, und damit stärker als erwartet. Das teilt das Statistische Bundesamt und meldet zugleich den stärksten Rückgang seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2008, sowie das dritte Minus in Folge. Trotz deutlicher Erhöhungen sinkt der Wert der Löhne wegen der Inflation erheblich. Die Arbeitskosten waren in Deutschland die siebthöchsten in der Europäischen Union und lagen rund 30 % höher als im EU-Durchschnitt.

Fast 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftige gibt es inzwischen in Deutschland, und damit so viele wie nie zuvor. Die Erwerbsbeteiligung lag 2022 bei den 25 bis 59-Jährigen mit 87 % auf einem sehr hohen Niveau. Dennoch fehlen weiterhin Fachkräfte, was das Wirtschaftswachstum bremst. Die Erwerbsmigration ist im Jahr 2022 stark gestiegen und soll stärker gefördert werden. Das Statistische Bundesamt meldet eine Erwerbstätigenquote unter allen Eingewanderten im Alter von 25 bis 59 Jahren bei 74 %. Eingewanderte aus EU-Staaten wurden schneller in den Arbeitsmarkt integriert als Menschen aus anderen Herkunftsregionen.

Im internationalen Vergleich liegt die Steuerlastquote in Deutschland deutlich über der Durchschnittsquote der Industrieländer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Über Steuern und Sozialbeiträge beansprucht der Staat 39,5 % der gesamten Wirtschaftsleistung. Damit gehört Deutschland global betreachtet zu den Hochsteuerländern.

Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert in dem Artikel „The Future of Jobs“ gewaltige Umwälzungen auf dem globalen Arbeitsmarkt. Voraussichtlich 83 Millionen Arbeitsplätze würden abgebaut und nur 69 Millionen geschaffen. Der Nettoverlust liege bei 14 Millionen Arbeitsplätzen bzw. rund 2 %, ausgehend von der heutigen Anzahl. Mit Blick auf die technologische Revolution sagte WEF-Gründer Klaus Schwab, dass diejenigen mit Kapital und Innovationsideen die Profiteure sein werden, und die Dienstleister die Verlierer. Durch die Aushöhlung der Mittelklasse würden sich dann die sozialen Spannungen weiter erhöhen.

Experten gehen davon aus, dass sich die neugeschaffenen Arbeitsplätze auf einem viel höheren Anforderungsniveau befinden werden. Viele Menschen würden dieses nicht erreichen können und hätten dann nur noch die sogenannten Verliererbranchen zur Auswahl. In Deutschland käme noch das Problem eines negativen Kompetenz-Saldos zwischen Ein- und Auswandernden hinzu. Während zahlreiche Akademiker und Hochqualifizierte das Land verließen, brächten die Hinzukommenden in summa geringere Qualifikationen mit. Auch was die eigene Nachwuchsgeneration anbelangt, sei Deutschland qualitativ und quantitativ immer weniger in der Lage, Wissen in dem erforderlichen Maße zu vermitteln. Das Ergebnis für die Wirtschaft sei ein sinkender Bildungsgrad bei vergleichsweise hohen Löhnen, hohen Steuern und hohen Energiekosten. Damit werde Deutschland für Investoren unattraktiv. Langfristig drohe eine Verarmung.

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