REDAKTEUR DES MDR RUFT ALS PRIVATMANN ZUR BOYKOTTIERUNG VON SONNEBERG AUF

Die Empörung über die steigenden Umfragewerte der AFD und den Wahlsieg des AFD-Politikers Sesselmann in Sonneberg hält an. Mehrere Medien schüren die aufgeheizte Stimmung zusätzlich. Besondere Aufmerksamkeit fand ein Aufruf, den ein Redakteur des Mitteldeutschen Rundfunks über Twitter abgesetzt hatte. Dieser schrieb am 25. Juni 2023 um 21.18 Uhr:

„Das ist der Landkreis #Sonneberg. Seine Bewohner haben heute in einer freien demokratischen Stichwahl einen Politiker der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Thüringer #AfD zum Landrat gewählt. Macht mit: Schützt die #Demokratie und boykottiert den Landkreis Sonneberg im Tourismus, in der Wirtschaft und auf allen Ebenen. Es darf später nicht wieder heißen, man habe es nicht gewusst.”

Der Verfasser ist Chef vom Dienst, Redakteur sowie Autor beim Radiosender MDR Aktuell. In einem weiteren Beitrag reagierte er auf die zunehmende Kritik an seiner Äußerung:

„Aus aktuellem Anlass: Ich schreibe hier privat meine Meinung entsprechend der im Artikel 5 im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit. Oder hat Ihr Arbeitgeber etwas mit Ihren Tweets zu tun? Sehen Sie? Meiner auch nicht.”

Schließlich teilt er am 28. Juni 2023 mit, die Kommentarfunktion geschlossen zu haben, da einige Freunde der AFD einen gewaltigen Bedarf gehabt hätten, Hass gegenüber seiner Person loszuwerden. Am 28. Juni 2023 distanzierte sich der Mittedeutsche Rundfunk gegenüber anfragenden Journalisten von seiner Führungskraft.

Auch bei vielen anderen Medienschaffenden scheint das Entsetzen groß zu sein. Nachdem die Redaktion des Magazin „Stern” ein Gespräch mit der AFD-Vorsitzenden Alice Weidel geführt hatte, erschien das Heft Nummer 27 mit ihrem Portrait auf der Titelseite und der Frage: „Was können Sie eigentlich außer Hass, Frau Weidel”? Das Wort „Hass” wurde dabei in Frakturschrift ausgeführt und deutlich hervorgehoben. Auch der Deutschlandfunk befindet in einem Kommentar: „Die Arbeitsgrundlage der AFD ist der Hass.” Denn sie biete den Menschen einen Resonanzraum für ihr rechtes Gedankengut. Der Jugendkanal „Funk” von ARD und ZDF hatte über „Instagram” ein Video beworben, in dem es um politisch rechte Parteien ging. Darüber berichtete die Bild-Zeitung. In dem mittlerweile gelöschten Hinweis hieß es: „Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.” Im Hintergrund war eine Grafik mit den Logos der Parteien CDU, CSU, AFD und NPD zu sehen. Mario Czaja, Generalsekretär der CDU, bezeichnete die Ersteller in seinem Twitter-Kommentar vom 28. Juni 2023 als „gebührenfinanzierte Aktivisten, die gezielte Stimmungsmache gegen alles betreiben, was nicht ihrem Weltbild entspricht”. Es brauche jetzt eine interne Aufarbeitung dieser sich häufenden Vorfälle und konkrete Reformen innerhalb der Sender, um solche Verleumdungen zu beenden, äußerte er in einem weiteren Beitrag. Der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke bezeichnete den Instagram-Beitrag als einen Fehler und kündigte eine Aufarbeitung an. Er entspreche nicht den journalistischen Standards und man teile die Kritik daran.

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