DER TOXISCHE FEMINISMUS

Männer werden in der Debatte um Gleichberechtigung nicht mitgenommen, sondern als Problem identifiziert.

Zunächst war der Feminismus gewinnbringend für beide Geschlechter, doch allmählich nimmt er pathologische Züge an. In den vergangenen Jahren hat sich das allgemein vorherrschende Bild über Frauen und Männer so sehr verändert, dass es geschlechtsbezogen zu höchst unterschiedlichen Wertungen kommt. Weiblichkeit wird fast ausnahmslos positiv assoziiert und gilt als zukunftsweisend, während Männlichkeit oft in Verbindung mit Wörtern wie „toxisch“ und „rückständig“ steht. Dazu beigetragen haben vor allem die Medien und das Bildungssystem. Beide scheinen die Denkweise der Menschen korrigieren und in eine bestimmte Richtung bringen zu wollen. In Dokumentationen, Filmen und Lehrveranstaltungen zum Thema Geschlechterrollen geht es auffällig oft um Frauen, die ihrer Zeit weit voraus sind, und Männer, die Probleme verursachen. Alle Werke haben den gleichen Tenor: Frauen sind von Natur aus die fähigeren Wesen, werden aber seit jeher systematisch unterdrückt. Eine für beide Seiten gewinnbringende Annäherung ist kaum mehr möglich. Die vermittelte asymmetrische Verteilung von guten und bösen Merkmalen sorgt zwischen den Geschlechtern für kontroverse Debatten, treibt sie weiter auseinander und beschleunigt die Vereinzelung.

Im Kampf gegen die patriarchalische Gesellschaft haben die engagiertesten Frauen im Laufe der Jahre einen ausgeprägten Männerhass entwickelt, den sie nun anderen weitergeben. Besonders allergisch reagieren sie auf den „alten, weisen Mann“, weil er ihrer Auffassung nach Wandel und Fortschritt verhindert. Wer rein äußerlich dem politischem Kampfbegriff entspricht, dem werden in der Debatte um gleiche Rechte und Pflichten manchmal Worte entgegengeschleudert, die im umgekehrten Falle undenkbar wären. Männer, die nie eine Hand gegen Frauen erhoben haben, nie aufdringlich waren, müssen sich Mordstatistiken vorhalten lassen, als gehörten sie zum Kreis der Täter. Denn gearbeitet wird mit einer geschlechtsbezogenen Verallgemeinerung. Jeder Mann, der auf eine zunehmende Ungleichheit in die entgegengesetzte Richtung hinweist, kann damit mundtot gemacht werden, und seine bisherigen Einwendungen sind damit wertlos.

Die Widersprüchlichkeiten und nicht erfüllbaren Erwartungen, mit denen Männer konfrontiert sind, bleiben weiterhin unausgesprochen. Der Mann soll einerseits weibliche Eigenschaften zulassen, um positiver wahrgenommen zu werden. Doch sobald er Gefühle zeigt, wird er als schwach angesehen, fällt aus der Partnerwahl, oder muss erleben, dass ihm — gerade von Frauen — kein Respekt mehr entgegen gebracht wird. Verbergen Männer jedoch ihre Gefühle, weil sie wissen, was ihnen dann widerfährt, wird ihnen unterstellt, gar keine zu haben. Das erzeugt Frust, der sich manchmal auch entlädt. Der Zusammenhang zwischen fehlenden Ausdrucksmöglichkeiten, sei es sprachlich oder emotional, und Gewaltausbrüchen ist wissenschaftlich gut belegt. Frauen bemerken ihre unterschiedlichen Maßstäbe nicht, und wollen auch nicht wahrhaben, dass sie wesentlich zu dem beitragen, was sie später als Problem beschreiben. So werden beispielsweise schon Jungen emotional abgestumpft, um sich später über Männer beschweren zu können, die gefühlskalt sind.

Im Alltag erleben Männer manchmal Gespräche, die die Einseitigkeit der Problematisierung deutlich zeigen — etwa wenn sich Frauen offen darüber unterhalten, dass sie keine Weichlinge mögen. Durch Einstellungen wie diese und die daraus folgende Partnerwahl wird die bekannte Rollenkonstellationen allerdings auch durch die Frau massiv gestützt. Entspricht ein Mann nicht der Wunschvorstellung bzw. dem gängigen Bild, sind abfällige Bemerkungen seitens der Frauen keine Seltenheit. Dann ist er aus Sicht der Damen „kein richtiger Mann“, was wiederum die noch immer vorherrschende Doppelmoral offenlegt: Es sind archaische Typen gefragt. Wer nicht über die typischen Attribute verfügt, aber trotzdem als vollwertiger Mann angesehen werden will, muss dies erst unter Beweis stellen oder Status und Vermögen vorweisen können. Frauen lehrt der Feminismus dahingehend keine Selbstreflexion. Sie gelten immer als vollwertig. Kein Mann würde sie heutzutage entsprechend dem klassischen Frauenbild nach der Leistung bei der Hausarbeit beurteilen. Was die Wahl der Maßstäbe anbelangt, haben Frauen also eine deutlich größere Auswahl und können weiterhin auf tradierte Normen zurückgreifen. Das bedeutet, Männer werden überwiegend nach ihren Fähigkeiten und der gesellschaftlichen Stellung gemustert, müssen sich also in den meisten Fällen ihre Wertigkeit aktiv erarbeiten.

Die undifferenzierte Erzählung von der benachteiligten Frau führt indessen dazu, dass Männer verallgemeinernd als Unterdrücker angesehen werden — als hätten sie stets gegen die Interessen der Frauen gehandelt. Es wird suggeriert, dass Frauen keinen Anteil an den Problemen der Welt haben, und sämtliche Mißstände, ob Krisen oder Kriege, nur deshalb existieren, weil Männer an der Macht sind. Dabei wäre es mit Frauen in Spitzenpositionen höchstwahrscheinlich nicht anders. Ausschlaggebend für das Streben nach Macht ist nämlich der Persönlichkeitstyp. Würde man allen Männern den Zugang zu Spitzenpositionen verwehren, fänden sich dort trotzdem die gleichen Charaktere wieder — nur eben in Gestalt einer Frau. Angesichts der harten Ereignisrealität wären die getroffenen Entscheidungen nicht anders und könnten ebenfalls auf Krisen oder Kriege hinauslaufen.

An den vorherrschenden Rollenbildern und damit verbundenen Problemen haben Frauen also auch ihren Anteil, geben es aber ungern zu. Ihre Vorstellung von attraktiven Männern hat sich seit der Steinzeit im Wesentlichen nicht geändert. Mehrheitlich profitieren sie sogar von der Rolle des Mannes. Denn er übernimmt die härteren und gefährlicheren Arbeiten, ohne die sie noch in Höhlen wohnen müssten, wenn es denn eine reine Frauengesellschaft gäbe. Städtebau, Windräder, Hochspannungsleitungen, Industrieanlagen — von der Planung bis zum letzten Schliff sind die wesentlichen Dinge der Zivilisation fast ausschließlich eine Leistung der Männer. Auch das Pendant zur unbezahlten “Care-Arbeit“ wird geflissentlich ignoriert beim Thema Gleichberechtigung. Es sind größtenteils Männer, die sich nach der Arbeit um das Eigenheim kümmern, reparieren, ausbessern, den Rasen mähen, auf das Dach klettern und alles in Ordnung halten. In vielen Ländern müssen sie dann noch einen wesentlichen Nachteil hinnehmen: Männer sterben aufgrund der höheren Belastung früher, müssen aber trotzdem länger arbeiten.

Bis heute spielen die Bedürfnisse des Mannes nur eine untergeordnete Rolle. Das ist sogar in der Debatte um Gleichstellung der Fall. Die Probleme der Frauen werden übermäßig betont, die der Männer marginalisiert. Männer fühlen sich weder vertreten, noch mitgenommen. Was sie wirklich bewegt, wird allenfalls in einigen alternativen Kanälen aufgearbeitet. Auf allen anderen stellt man sie quasi als defizitäre Gestalten dar, die sich ändern müssen. Durch die zunehmende Toxizität des Feminismus entsteht eine Kultur der Spaltung, wo ursprünglich ein Austausch verschiedener Sichtweisen vorgesehen war.

Mittlerweile treffen Männer auf eine Realität, in der sich Frauen Dinge erlauben können, die in umgekehrter Weise sofort einen großen Aufschrei zur Folge hätten. Das „starke Geschlecht“ wird als solches heranzitiert, wenn Arbeiten zu erledigen sind, die Frauen nicht als typisch weiblich ansehen — und zwar häufig mit der halb belustigenden, halb abwertenden Randbemerkung: „Wozu gibt es denn Männer!“ Denn sie seien sonst ja zu nichts nütze, wird gern nachgeschoben.

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