Das Bild von miteinander konkurrierenden Wachstumssystemen nach dem Ponzi-Schema stellt die wirtschaftliche Realität treffender dar als Modelle, die verschiedene, ineinandergreifende Kreisläufe aufzeigen. Denn letztere suggerieren, dass alles harmonisch weitergehen könnte wie in früheren Tagen, wenn das Gleichgewicht durch kompetente Entscheidungsträger wieder hergestellt ist. Doch ein solches Gleichgewicht gibt es nicht. Die Wirtschaft ist ein pyramidales System, das Armut ausnutzt und die Konzentration des Kapitals zur Spitze hin erhöht. Es besteht nur, solange es wachsen kann, und muss schneller wachsen als konkurrierende Systeme, um nicht vereinnahmt zu werden.
Somit ist das Ende des westlichen Wohlstandes nur noch eine Frage der Zeit. Das Ponzi-System zerfällt, weil es sich nicht mehr erweitern kann. Um einen Kapitalfluss nach oben generieren zu können, wo sich immer größere Vermögen auf immer kleinere Personenkreise verdichten, müsste sich die untere Ebene viel stärker erweitern lassen. Derzeit wird das System aber nur noch mit Schulden aufrechterhalten. Sind sie zu hoch und generiert die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit keine Einnahmen, zwingt das zu Überlegungen, entweder die Arbeitsleistung zu steigern oder jemandes Vermögen zu nehmen — was im fortgeschrittenen Stadium innerhalb der eigenen Grenzen auf Enteignung, außerhalb auf Krieg hinausläuft.
Allgemein wird der Kampf um Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und Absatzmärkte härter, wenn anderswo ebenfalls ein Ponzi-System existiert, das Wohlstand mehrt, und somit auch auf Wachstum angewiesen ist. Nach der Phase der friedlichen Kooperation folgt die Infiltration, welche wiederum Gegenmaßnahmen nach sich zieht, sobald sich Absatz- oder Ressourcenkonflikte bemerkbar machen. Das angeschlagene System geht in den Protektionismus über und zehrt dann seinen eigenen Wohlstand auf. In der nächsten Phase wird es nach inneren Unruhen, Notständen und eventuellen Verteidigungsversuchen zum Nährboden für das infiltrierende System. Für die westlichen Staaten bedeutet das entweder Armut, die zu Niedriglohnarbeit für die neue Wohlstandsspitze zwingt, oder Ressourcenabzug durch fremde, fernöstliche Konzerne. Infolge des zusammenbrechenden eigenen Wirtschafsmodells hat die EU bald keine Einnahmen mehr, um ihre Verteidigung oder Schutzmaßnahmen zu finanzieren, wenn sich die USA zurückziehen.
Für die Zukunft kann daher eine Abwanderungswelle prognostiziert werden. Junge Menschen verlassen die einst führenden Länder, während alte sowie bedürftige zurückbleiben und keine Gelder mehr erhalten — bei deutlich höheren Lebenshaltungskosten als heute. Die Vorstellung von Soldaten, die für ein überaltertes, ärmer werdendes Land in den Krieg ziehen, und sich bei einer möglichen Rückkehr die dann noch höhere Steuerlast aufbürden, verändert die Suche nach Perspektiven unter den heutigen länderübergreifend denkenden Schulabgängern. Anzunehmen ist ein massiver Schwund an Menschen. Bevölkerungsvorausberechnungen bilden diesen nicht ab, weil sie die bisherige Entwicklung linear fortschreiben und keine systemischen Umbrüche einkalkulieren.

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