Unterbrochene Lieferketten, gedrosselte Förderungen, zerstörte Anlagen — die IEA warnt wegen der angesichts des Krieges immer schwieriger zu bedienenden Ölnachfrage vor einer Energiekrise. In Europa kam in der vergangenen Woche das letzte mit Rohöl beladene Schiff aus dem Golf von Persien an. Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, hält die Versorgung mit Benzin, Dieselkraftstoff und Kerosin in Deutschland im Moment für gesichert und verweist auf rund eine Million Tonnen eingelagertes Kerosin sowie die Diversifizierung der Energiequellen, Lieferanten und Routen. Der Vorstandsvorsitzende des Reisekonzerns Tui, Sebastian Ebel, sieht ebenfalls keinen Kerosinmangel und bezeichnet die Situation in Deutschland als „relativ komfortabel“. Diese Einschätzungen beziehen sich allerdings nur auf den gegenwärtigen Zeitpunkt. Über mögliche Szenarien und die weitere Vorgehensweise wird derzeit beraten.
Experten gehen davon aus, dass fossile Energieträger und deren Transportwege eine wesentliche Rolle bei künftigen Auseinandersetzungen, die im Zuge der globalen Machtverschiebungen zu erwarten sind, spielen werden. Die Bundesregierung ist bemüht, Abhängigkeiten zu verringern, was sich jedoch mangels eigener Ressourcen als schwierig gestaltet.
Sind die Reserven aufgebraucht, muss bei fehlendem Nachschub auch in Deutschland mit einschneidenden Maßnahmen gerechnet werden. Entscheidend ist, wie lange die Meerenge im Golf von Persien nicht genutzt werden kann. Australiens Ministerpräsident Albanese hat seine Bürger bereits auf harte Zeiten eingestimmt. Je nach Grad der Abhängigkeit vom Rohöl und den wirtschaftlichen Verflechtungen kann sich eine Versorgungskrise global unterschiedlich ausbreiten. In Deutschland können sich manche Politiker eine reduzierte öffentliche Beleuchtung, Tempolimits und Einschränkungen beim Individualverkehr vorstellen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte bei einer Pressekonferenz am 13. April 2026, das dritte Element der Energiesicherheit — fünf wurden vorgestellt — sei die Nachfragereduzierung. „Die kostengünstigste Energie ist diejenige, die gar nicht erst verwendet wird“, erklärte sie gegenüber Journalisten. Es müsse die Nachfrage gesenkt werden. Mit weniger Energie ist allerdings kein Wirtschaftswachstum möglich. Effizienzsteigerungen führen in der Regel zu einem Rebound-Effekt, der das Wachstum beschleunigt und den Bedarf steigert. Auch die KI-Entwicklung kommt bei Einsparungen zum Erliegen.
Tendenziell wird menschliche Arbeit mit fortschreitender Technik in zunehmendem Maße durch Maschinen ersetzt, was den Energiebedarf perspektivisch erhöht. Fehlt die notwendige Energie, sinkt die Wirtschaftsleistung, und damit das Angebot an Waren und Dienstleistungen.
Geringere Rohöl-Liefermengen führen bei gleichbleibender Nachfrage zunächst zu höheren Preisen. Darauf muss sich auch Deutschland einstellen. Entlastungsmaßnahmen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund der prekären Haushaltslage nach dem Prinzip der Umverteilung gestaltet und darauf abzielen, die Energiewende zu beschleunigen. Wegen der auszubauenden Infrastruktur sowie der hohen Systemkosten wird aber auch die Nutzung von Wind und Sonne teuer bleiben. Die Wahrscheinlichkeit für einen wirtschaftlichen Abbau erhöht sich somit.

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