WANN DIE HITZE ZUR NORMALITÄT WIRD

Ganz Europa ächzt dieser Tage unter den hohen Temperaturen. In Deutschland wurden erneut mehr als 40 °C gemessen. Die Erwärmung geht derzeit zu einen wesentlichen Anteil auf den Menschen zurück. Weltweit zunehmende Flächenversiegelungen, Treibhausgasemissionen, Staubpartikel und Rückkopplungseffekte verändern das Klima spürbar. Es wird unangenehm heiß. Damit wächst der Wunsch, die menschlichen Einflussfaktoren zu beseitigen, um das Klima wieder auf das “normale“ Niveau zurückzuführen.

Doch hierbei gibt es ein Problem, über das Klimawissenschaftler nur ungern sprechen: Was als normales natürliches Klima beschrieben wird, konkret die „vorindustrielle Zeit“, ist erdgeschichtlich überhaupt nicht die Normalität, sondern ein Ausnahmezustand. Das wird deutlich, sobald man nicht nur den kleinen Abschnitt in der Episode des Menschen betrachtet, sondern alle Klimaperioden innerhalb des Phanerozoikums. Die „vorindustrielle Zeit“ ist im Grunde ein Begriff für das Wunschklima des modernen Menschen, der letztendlich das Produkt eines ausklingenden Interglazials ist und die Temperaturen der Jahre 1850 bis 1900 als “normal“ ansieht.

Von entscheidender Bedeutung sind aber die natürlichen Rhythmen, weil diese zu wesentlich stärkeren Klimaveränderungen führen können — meistens sehr langsam über tausende Jahre, mitunter aber auch recht schnell. Es ist nicht ganz sicher, ob der Mensch derzeit gegen einen natürlichen Trend arbeitet oder diesen beschleunigt, weil niemand die Ausgangssituation sicher bestimmen kann. Erwiesen ist nur, dass wir uns trotz der jüngsten Erwärmung immer noch in einem relativ kühlen Zeitalter befinden, in der Paläoklimatologie auch „Coolhouse“ genannt, und solche nur eine Übergangsphase darstellen. Am gesamten Phanerozoikum haben Eiszeiten einen Anteil von 13 %; die kühlen Phasen wie unsere heutige nehmen auf dieser Zeitskala nur 18 % ein. Alle anderen wesentlich wärmeren Phasen haben einen Anteil von 68 %.

Klimaforscher sprechen derzeit von einem langfristigen, natürlichen Abkühlungstrend, den es ohne menschliche Einflüsse geben würde — hin zur nächsten größeren Vereisungsphase in spätestens 11’000 Jahren. Diese könnte wegen des Menschen deutlich schwächer ausfallen. Aber es gibt auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, die ein nahes Ende des Eiszeitalters beschreiben. Befinden wir uns also bereits im Ausklang der vor 34 Millionen Jahren eingeleiteten Känozoischen Eiszeit, wird es langfristig in jedem Fall wärmer — ob mit oder ohne Menschen. Die bisher verbreitete Meinung, alles Leben auf der Erde werde bei einer weiteren Erwärmung zerstört, ist nicht mehr haltbar. Diese Angst hatte in den vergangenen Jahren tausende Menschen mobilisiert. Der brennende Planet war das Symbol der Klimabewegung. Die Vergangenheit lehrt aber etwas völlig anderes. Im Eozän, einer Hochtemperaturphase vor dem heutigen Eiszeitalter, gab es beispielsweise eine rasche und sprunghafte Weiterentwicklung der Säugetiere. Das Klima würde sich einfach auf einem höheren Niveau stabilisieren. Absolute Sommertemperaturen zwischen 35 °C bis 40 °C und eisfreie Polkappen wären dann der Normalzustand.

Weil zuletzt häufiger auf den Kontext der natürlichen Klimaperioden verwiesen wurde, wandelt sich langsam auch die Erzählung: Anfangs ging es in der öffentlichen Debatte vorrangig um den Erhalt der Natur, nun um den Fortbestand der menschlichen Zivilisation. Das ist ein großer Unterschied, weil die Klimabewegung nicht von der Sorge um die Menschheit getragen wird, sondern sich eher den Tieren und deren Lebensräumen verbunden fühlt. Die jedoch ändern sich ständig, wie beispielsweise in der Alpengletscher-Simulation zu sehen ist.

https://pro-physik.de/nachrichten/alpengletscher-im-zeitraffer

Wer den Klimawandel verhindern will, muss deshalb entweder stärker betonen, welchen er nicht meint, oder besser erklären, wie schnell sich Durchschnittstemperaturen langfristig verändern dürfen, wenn nur die Geschwindigkeit das Problem ist. Sonst geht die Unterstützung verloren. Zwischen Eiszeit und Heißzeit sind viele Schwankungen möglich, verstärkende Effekte und abschwächende. Ein genereller Stopp des Wandels würde jedenfalls schwerwiegende systemische Eingriffe erfordern, den gerade Naturliebhaber ablehnen könnten.

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