Die Geburtenrate in Deutschland ist auf 1,32 Kinder pro Frau gesunken und hat damit den tiefsten Stand seit 1997 erreicht. Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit haben eine Fertilitätsrate von nur noch 1,2 Kindern. Bei ausländischen Frauen sind es hierzulande immerhin 1,78 Kinder.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in anderen entwickelten Industriestaaten. Die Bestanderhaltungsrate von 2,1 Kindern pro Frau wird deutlich unterschritten. Bislang hält sich die Vorstellung, dass die Geburtenrate wieder steigt, wenn sich sich die Bedingungen für Frauen bessern. Der Blick in die Welt lässt aber anderes vermuten. Bei einer Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten von Ländern mit hohen Fertilitätsraten einerseits, und Staaten mit niedrigen Zahlen andererseits, sowie beim Vergleich von Deutschland früher und heute, werden die entscheidenden Faktoren deutlich. Ausschlaggebend ist die Begrenzung der Möglichkeiten.
In Staaten wie Tschad, Somalia, Kongo und der Zentralafrikanische Republik haben Frauen im Grunde keine Wahl, was ihre Rolle anbetrifft. Es gibt gewisse sozioökonomische Rahmenbedingungen, kulturelle Prägungen und einen hohen gesellschaftlichen Erwartungsdruck. Im Schnitt bringen diese Frauen sechs Kinder zur Welt. Die Geburtenrate nimmt mit zunehmender Selbstbestimmung ab, was mit der Bildung und dem Einkommen korreliert. Unabhängige Frauen orientieren sich häufig am männlichen Karrieretyp und streben zuerst nach beruflicher Selbstverwirklichung.
Obwohl Europa wesentlich bessere Lebensbedingungen als Afrika hat, sind die Geburtenraten dadurch niedriger. Das zeigt sich auch beim Vergleich zwischen der heutigen Situation in Deutschland und der vor einhundert Jahren. Selbst unter optimalen Bedingungen würde die Zahl der Wunschkinder immer noch unterhalb der Bestanderhaltungsrate liegen — trotz des hohen zu betreibenden Aufwandes. Das bedeutet, arme und instabile Staaten wären weiterhin von existenzieller Bedeutung für Europa, wenn es zur Stabilisierung der Bevölkerungszahlen auf Zuwanderung aus solchen Regionen setzt.
Ohne ausreichende Nachkommen erweisen sich die Lebensmodelle der Industriestaaten aber langfristig als nicht zukunftsfähig. Auf der einen Seite der Welt befinden sich Gesellschaften, die optimale Bedingungen brauchen, um überhaupt ein oder zwei Kinder zu wollen, auf der anderen stehen Völker, die unter wesentlich schlechteren Lebensbedingungen sehr viele Geburten vorweisen können. Es kann angenommen werden, dass die Zuwanderung nur solange anhält, wie sich Europa die sogenannten Pull-Faktoren leisten kann. Ist die Wohlstandsreserve der vergangenen Jahrzehnte aufgebraucht, wird es unattraktiv für Menschen aus ärmeren Regionen.

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