NUR WENIGE PFLEGEHEIME WERDEN ÜBRIG BLEIBEN

Mit dem sich verringernden Geldfluss in die Pflegekassen wird die Aufrechterhaltung der stationären Versorgung alter Menschen immer schwieriger. Der Staat kann die finanzielle Lücke nicht mehr ausgleichen und setzt ohnehin andere Prioritäten. Die anstehende Pflegereform wird deshalb nur eine von mehreren noch folgenden Umstrukturierungen sein. Im Kern geht es um Einsparungen. Für einen Großteil der kommenden Rentnergeneration wird der Heimplatz dann nicht mehr bezahlbar sein.

Fehlt das Geld für die staatliche Finanzierungssäule, können künftig nur noch schwerstpflegebedürftige Menschen mit genügend Eigenkapital in den Genuss einer stationären Versorgung nach heutiger Art kommen. Die Politik geht dabei taktisch vor, damit sich die Aufmerksamkeit nicht auf die Einsparungen richtet: Veränderte Rahmenbedingungen lassen die Angelegenheit zunächst als Personalgewinnungsproblem erscheinen. Die Qualifikationshürde für die Aufnahme einer Arbeit im Pflegeheim wird soweit angehoben, bis nur noch wenige diese Kriterien erfüllen. Frauen mit Kindern und Hilfskräfte mit Lernschwächen — sie bilden bisher die Mehrheit in den Heimen — können die Schwelle nicht überschreiten und müssen sich nach Tätigkeiten umsehen, in denen es keine energieraubende Qualifikationsoffensive gibt.

Den Ministerien ist auch bewusst, dass die heutigen Schulen verhältnismäßig wenig ausbildungsreife Jugendliche hervorbringen, und von diesen noch weniger einen Pflegeberuf erlernen wollen. Leistungsstabile Menschen aus dem Ausland zeigen kein Interesse an der unstrukturierten Arbeit in Deutschland und flüchten nach kurzer Zeit wieder. Weil sich das schnell herumspricht, laufen die Anwerbeversuche fast ins Leere.

Auch die Pflegegrade dürften sich langfristig soweit verändern, dass nicht mehr alle Einschränkungen berücksichtigt werden. Auf die Heime wird deshalb das Problem zu hoher Bettenkapazitäten und Unterhaltungskosten zukommen. Es gibt weniger Personal und weniger Menschen, die sich den stationären Platz leisten können. Die große Schließungswelle ist deshalb nur noch eine Frage der Zeit.

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