ENERGIEKOSTEN WERDEN ZUM STANDORTPROBLEM

Hohe Energiekosten bringen immer mehr Unternehmen an ihre Belastungsgrenze. Das zeigt das Energiewende-Barometer 2026 der IHK-Organisation. Rund 3100 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen haben sich daran beteiligt. „Globale Krisen treffen auf weiterhin ungelöste strukturelle Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Das hält die Energiekosten hoch“, erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. „Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit, aufgeschobene Investitionen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland.“

Für knapp die Hälfte der Unternehmen sind die Stromkosten in den vergangenen zwölf Monaten erneut gestiegen. Bei Gas und Öl berichten sogar zwei Drittel von höheren Belastungen. Mehr als 40 % der Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende oder die damit verbundenen Energiekosten beeinträchtigt. In der Industrie betrifft das rund zwei Drittel der Betriebe. Im Handel sind es 40 %.

Die Folgen sind deutlich: Deutschland verliert Unternehmen und Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in seine Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück. Es fehlen die finanziellen Spielräume. Investitionen in Forschung und Innovation werden von 16 % der Unternehmen aufgeschoben. „Es ist besorgniserregend, dass hohe Energiekosten inzwischen nicht nur die laufende Geschäftstätigkeit belasten, sondern auch Zukunftsinvestitionen verhindern“, sagt Adrian. „Wer heute nicht investiert, verliert morgen an Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Aufgabe wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland und bei Verlagerungen ins Ausland. Rund 20 % aller Unternehmen beschäftigen sich damit. Sie haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie liegt der Anteil bei etwa 40 %. Bei großen Industrieunternehmen sind es sogar rund 60 %. Dort gibt etwa ein Drittel an, Verlagerungsmaßnahmen bereits umzusetzen.

„Die Unternehmen stehen hinter dem Ziel der Klimaneutralität. Gleichzeitig sehen sie sich mit Energiekosten konfrontiert, die im internationalen Wettbewerb zunehmend zum Nachteil werden“, sagt Adrian. „Die Kosten der Energiewende drohen der Transformation selbst im Weg zu stehen. Um aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen, braucht es neue Ansätze in der Energiepolitik: weniger staatliche Detailsteuerung, mehr Markt und wettbewerbsfähige Energiepreise.“

https://www.ihk.de/gera/innovation-umwelt/energie/energie-aktuell/energiewende-barometer-2026-7129956

Beim energiepolitischen Handlungsbedarf steht der Ausbau der Infrastruktur an erster Stelle. Vier von fünf Unternehmen fordern mehr Priorität und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Knapp drei Viertel wünschen sich ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates. Damit soll eine zukunftsorientierte Infrastruktur aufgebaut werden. Eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis befürworten 78 % der Unternehmen. Ebenfalls rund drei Viertel fordern klare Leitprinzipien für die Energieeffizienzpolitik. Dazu zählen Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit.

„Die Unternehmen erwarten verlässliche Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur und international wettbewerbsfähige Energiepreise“, erklärt Adrian. „Das sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Unternehmen in Deutschland investieren, Arbeitsplätze sichern und Innovationen vorantreiben. Wenn Energie dauerhaft teurer und die Regulierung enger ist als bei unseren internationalen Wettbewerbern, verlieren wir schrittweise Wertschöpfung und industrielle Substanz.“

Schnelle Maßnahmen sind notwendig. Sie müssen die Transformation der Unternehmen erleichtern und die Kosten senken. Dazu gehört eine sofortige Stromsteuersenkung für alle und klare Regelungen für schnellere Netzanschlüsse. Auch der Bau von Infrastruktur muss beschleunigt werden. Gleichzeitig ist ein deutlicher Abbau von Regulierung erforderlich.

QUELLE: IHK

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