Fahrpreiserhöhungen gibt es zwar jedes Jahr doch die jüngste im ÖPNV erregt die Gemüter besonders. Zum einen hat die Einzelfahrkarte die psychologisch bedeutsame Marke von drei Euro erreicht, zum anderen geraten immer mehr Menschen finanziell in einen kritischen Bereich. Um weiterhin mobil bleiben zu können, müssen sie anderswo kürzer treten. Zwar bieten die Verkehrsunternehmen heute sehr viel mehr Möglichkeiten und einen höheren Komfort als früher, doch für ÖPNV-Nutzer ist das Verhältnis zum Einkommen und den anderen finanziellen Belastungen relevant. Außerhalb von Bus und Bahn steigen ebenfalls sämtliche Kosten. Wer sich die Abonnentenkarten nicht mehr leisten kann und seine Fahrten reduziert, muss auf teure Einzel- und Tagesfahrkarten zurückgreifen. Die Tarifgestalter schaffen Angebote für möglichst lange Strecken und bieten einen unbegrenzten Fahrspaß an, doch die wenigsten wollen das. Viele sind auf festen Routen unterwegs und reizen ihren Tarif nur selten ganz aus. Ältere Fahrgäste erinnern sich noch an die DDR-Zeit, als es Monatskarten gab, die nur für eine festgelegte Strecke benutzt werden konnten. Diese auf die alltäglichen Routinewege zugeschnittenen Angebote gibt es nicht mehr. Ein beachtlicher Teil der ÖPNV-Nutzer will nur drei bis vier Kilometer zurücklegen und nicht durch ganz Gera oder Thüringen fahren.
Die zurückgehende Zahlungskraft wird weitere Auswirkungen haben. Angesichts schmaler werdender Geldbeutel und steigender ÖPNV-Bereitstellungskosten müssen sich die Entscheidungsträger wohl früher oder später in zweierlei Hinsicht mit den Verhältnismäßigkeit befassen. Denn die eingenommenen Fahrgelder werden perspektivisch noch weniger zur Deckung der Gesamtkosten beitragen. Das der Allgemeinheit zur Verfügung stehende Beförderungsangebot wird schon heute zu einem gewissen Anteil von allen Steuerzahlern finanziert — auch jenen, die ausschließlich mit dem Auto unterwegs sind. Die Gewichtung dieser beiden Zuflüsse könnte sich deutlich verändern. Denkbar wäre aber auch eine Verschiebung auf der Skala zwischen Luxus und Minimalausstattung oder schlicht eine Reduzierung des Verkehrs.

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