Im Mittelalter waren Kapellen häufig aufgesuchte Orte. Es handelte sich um kleine sakrale Bauten ohne feste Gemeinde. Während Kirchen das religiöse Zentrum einer festen Kirchengemeinde waren, standen mit den Kapellen kleine Bet- und Andachtsräume zur Verfügung. Je nach Standort und Funktion unterschied man zwischen Hofkapellen, Friedhofskapellen, Wegkapellen, Burgkapellen und Nebenkapellen in großen Kathedralen. Bis zur Reformation gab es auch in Gera mehrere Kapellen.
An der Südseite des heutigen Johannisplatz befand sich bereits vor dem Jahre 1200 eine Pfarrkirche. Sie war Johannes dem Täufer geweiht. Möglicherweise gab es auch einen Vorgängerbau. Im Jahre 1323 wird die Johanniskirche als neu erbaut erwähnt. Es handelte sich wohl eher um eine Erweiterung. Die zuvor neben der Kirche stehende St. Jacobskapelle wurde in diesen neuen Bau einbezogen.
Die St. Niclaskapelle befand sich auf dem heutigen Nicolaiberg und war dem Heiligen Nikolaus geweiht. Errichtet wurde sie vermutlich im Jahre 1193 auf dem zuvor dort geschaffenen Plateau. Sie hatte auf der östlichen Seite ein Türmchen mit Spitzhelm. Als die Niclaskapelle beim Stadtbrand im Jahre 1686 abbrannte, war sie schon lange Zeit nicht mehr in Benutzung. Die Überreste, darunter das Türmchen mit Glocke, wurden 1717 abgerissen, um die Kirche St. Salvator errichten zu können.
Unmittelbar neben der heutigen Kirche St. Trinitatis, an der Stelle des Glockenturmes, befand sich eine spätmittelalterliche, 1333 erwähnte Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Flurhöhe lag damals unterhalb des heutigen Niveaus. Im Jahre 1556 wurde der Friedhof vom Johanniskirchhof hinter diese Kapelle verlegt. Es folgte 1611 ein Umbau zur Begräbniskirche mit einschiffigem Saalbau, 1868/1869 eine neogotische Überformung, und 1897 bis 1899 der Anbau des Glockenturmes. An der Stelle des Glockenturmes befand sich bis 1841 eine Kapelle, die bereits in den Jahren 1170 und 1186 erbaut worden sein soll. Laut Ferdinand Hahn war sie vorrangig dem Heiligen Wolfgang geweiht, im Weiteren dem Heiligen Laurentius, dem Heiligen Kilian mit den dazugehörigen Heiligen Märtyrern, der Büßerin Maria Magdalena und den heiligen Jungfrauen Walpurgis und Dorothea. Das auf alten Gemälden abgebildete Hospital, welches sich bis 1872 in der Einmündung zur heutigen Talstraße befand, entstand später und wurde erstmals im Jahre 1482 erwähnt. Die Kapelle wurde nach der Reformation im Jahre 1533 kaum mehr genutzt. Nur deren Glocke war noch zu hören, wenn ein Leichnam zum Friedhof gebracht wurde. Genau 56 Jahre nach dem Abriss wurde an dieser Stelle der Glockenturm von St. Trinitatis errichtet, wobei zwei Dinge bis heute erhalten geblieben sind: Die spätgotische Skulptur des Heiligen Wolfgang in die alte Kanzel können heute in bzw. an der Kirche besichtigt werden.
Das Hospital „Beatae Mariae Virginis“, im Volksmund Marienhospital genannt, befand sich auf dem Grundstück des heutigen Stadtmuseums. Die kirchliche Einrichtung wurde 1450 gegründet und besaß eine Kapelle, die vermutlich davor errichtet worden war und einen Vorgängerbau gehabt haben könnte. Zeitgenossen nannten sie „Unser lieben Frawen Kapell“. Bekannt ist sie auch als Liebfrauenkapelle, Hospitalkapelle oder Dreikönigskapelle. Eine Besonderheit waren die drei Altäre, geweiht „Unseren Lieben Frauen“, den Heiligen Drei Königen und dem „Heiligen Antonius“. Das Marienhospital und die Kapelle wurden durch den großen Brand im April 1639 zerstört. Das Feuer hatten durchziehende und plündernde schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg gelegt. Das Hospitalgebäude wurde anschließend notdürftig wieder hergerichtet und im Jahre 1724 mitsamt Kapelle wegen des zu errichtenden neuen Zucht- und Waisenhauses abgebrochen. Ab 1738 befand sich das Marienhospital neben dem Hospital St. Wolfgang.
Die Lage der im Jahre 1533 erwähnten St. Lorenzkapelle ist nicht bekannt. Wesentlich mehr ist über die Schlosskapelle auf dem Osterstein dokumentiert. Es handelte sich um ein zweigeschossiges Bauwerk mit einfachem Saal und halbrunder Apsis, zwischen dem Nord- und Ostflügel gelegen. Sie besaß im letzten Bauzustand eine dreiseitig umlaufende Empore und eine kassettierte Holzbalkendecke. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie älter als der im Kern spätmittelalterliche Nordflügel und ursprünglich in romanischer Bauweise ausgeführt, welche die europäische Architektur etwa von 950 bis 1250 prägte. In den 1960er Jahren wurde die Schlosskapelle zusammen mit den anderen Ruinen abgetragen. Heute befindet sich an dieser Stelle der hintere Teil des Terrassencafés. Die sogenannte Stadtburg besaß mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Kapelle; es handelte sich bei dem burgenähnlich ummauerten Anwesen im den Sitz des Schultheißen. Die Bezeichnungen „Stadtburg“ und „Altes Schloss“ enstanden erst später.

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