Cremefarbener Karton, kräftiges Blau und frisches Grün prägen die Verpackung des „Burger Knäckebrots“. Im Mittelpunkt steht das markante Firmensignet. Ein schwungvoll gestaltetes Versal-B wird von einer stilisierten Ähre mit drei Kornreihen und vier langen Grannen ergänzt, die seinen senkrechten Abschluss bildet. Eingefasst in ein blaues Rechteck mit abgerundeten Ecken, leitet es zum handschriftlich gestalteten Schriftzug „Burger“ über. Eine weitere Ähre verläuft diagonal über die Verpackung und verbindet den Schriftzug mit dem darunter platzierten, kräftigen „Knäcke“.
Entworfen wurden das Signet und die Verpackung 1956/1957 von den Gebrauchsgrafikern Paul Helmut Becker (1913–1998) und Alfred Hoppe (1906–1985) für den VEB Burger Knäcke-Werk. Die Ähren verweisen auf den Ursprung des Knäckebrots im Getreide, während die prägnante Schrift der Verpackung einen einzigartigen und zugleich sachlichen Charakter verleihen. Für das Markenzeichen erhielt die Arbeitsgemeinschaft Becker mehrere Auszeichnungen.
Seit 1952 arbeitete Becker freischaffend mit Alfred Hoppe und Walther Eifrig zusammen. Als Grafiker unabhängig tätig zu sein, war in der DDR durchaus ungewöhnlich. Der Großteil der Gebrauchsgrafiker war in volkseigenen Betrieben oder Kombinaten fest angestellt oder arbeitete für die DEWAG, die Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft. Selbstständige Arbeitsgemeinschaften bildeten die Ausnahme, da es nur einen begrenzten Markt für freie Aufträge gab.
Unter den in der DDR tätigen Gebrauchsgrafikern nahm Paul Helmut Becker zudem eine Sonderrolle ein. Etwa alle zwei Jahre war es ihm möglich, begründet durch die Krankheitsfolgen aus Kindertagen, zu seinen Eltern in die BRD zu reisen. Becker nutzte diese Zeit zu Marktforschungen. Zu seinem Credo wurde es dabei, genau das Gegenteil von dem zu tun, was die anderen machten.“
In den 1960er-Jahren profitierten Becker und seine Kollegen vom wachsenden Konsumgüterangebot in der DDR, durch das die Werbung zunehmend an Bedeutung gewann. Ein wichtiges Projekt war die Gestaltung für den VEB Burger Knäcke-Werk, dem zahlreiche weitere Aufträge aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie folgten. Später sicherten vor allem Verpackungsentwürfe für devisenbringende Exportprodukte, die für das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet (NSW) bestimmt waren, die wirtschaftliche Grundlage ihrer Arbeit.
Die Verpackung erzählt somit nicht nur von einem knusprigen Brot, sondern eröffnet zugleich einen Einblick in die Gestaltungskultur und Warenwelt der DDR.
Noch bis zum 14. Februar 2027 sind das Burger Knäckebrot und zahlreiche weitere grafische und typografische Erzeugnisse in der Kabinettausstellung „Paul Helmut Becker – Gebrauchsgrafik zwischen Tradition und Wirtschaftspolitik der DDR“ im Museum für Angewandte Kunst Gera zu sehen.
TEXT: ANNE-KATHRIN VOGEL

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