Der acht Tonnen schwere Gedenkstein für Heinrich Posthumus hat einen neuen Standort: Ende September 2026 wurde der Natursteinblock aus dem Kunstobjekt „Zwischen blauer und roter Linie“ vom Johannisplatz auf das Gelände der Dualen Hochschule Gera-Eisenach umgesetzt. Damit bleibt ein bedeutendes Zeugnis der Geraer Stadtgeschichte erhalten. Zugleich wird auf dem Johannisplatz Platz für die geplante Wiedererrichtung des historischen Heinrich-Posthumus-Denkmals geschaffen, die im Frühjahr 2027 abgeschlossen werden soll. Der neue Standort verbindet das historische Erbe der Stadt mit ihrer heutigen Bildungslandschaft.
Ein Kunstwerk zwischen Glauben und weltlicher Verantwortung
Der Gedenkstein ist Teil des Kunstobjekts „Zwischen blauer und roter Linie“, das der Künstler Ingo Güttler 2006 auf dem Johannisplatz gestaltete. Der Natursteinblock erinnert an Heinrich Posthumus Reuß (1572–1635), der als Landesherr die Entwicklung Geras nachhaltig prägte. Die künstlerische Gestaltung greift den Verlauf der Grundmauern der ehemaligen Johanniskirche auf, die auf dem Platz durch blaue Linien sichtbar gemacht werden. Der Stein nimmt dabei eine besondere Position ein: Er befindet sich teilweise im gedachten Kirchenraum und teilweise im weltlichen Raum. Damit veranschaulicht das Kunstwerk die Verbindung zwischen der tiefen Religiosität Heinrich Posthumus’ und seiner Rolle als weltlicher Fürst und Landesherr. Eine Glaslinie mit seinem überlieferten Lebensbekenntnis verbindet beide Bereiche:
„Diese Stadt hat mich von Gott erbeten billich das ich auch bey Jir stehe vnnd zusetze.“
In heutiger Sprache bedeutet dies: Heinrich Posthumus habe die Stadt von Gott erbeten und sehe es deshalb als seine Pflicht an, zu ihr zu stehen und sich für sie einzusetzen. Auch die Tischform des Natursteinblocks verweist auf eine weitere Seite seiner Persönlichkeit. Heinrich Posthumus verstand es, das gesellschaftliche Leben zu pflegen und zu feiern. Sein überlieferter Beiname „Der Speisende“ erinnert an diese Facette seines Wirkens.
Neuer Standort mit Bezug zur Bildungsstadt Gera
Mit der Dualen Hochschule Gera-Eisenach wurde ein Standort gewählt, der inhaltlich zum historischen Erbe passt. Heinrich Posthumus setzte wichtige Impulse für die Bildung und die Entwicklung Geras. Im Jahr 1608 gründete er das Rutheneum, eines der ältesten humanistischen Gymnasien Thüringens, das heute als Spezialgymnasium für Musik und Sprachen fortbesteht. Die Duale Hochschule steht für die heutige Bildungslandschaft Geras und knüpft damit auf zeitgemäße Weise an die Bedeutung von Bildung für die Stadtentwicklung an. Der Gedenkstein erhält an seinem neuen Standort einen inhaltlich passenden Zusammenhang und bleibt weiterhin öffentlich wahrnehmbar. Die Standortverlagerung dient zugleich der gestalterischen Neuordnung des Johannisplatzes. Dort sollen künftig sowohl das wiedererrichtete historische Denkmal als auch die bestehenden Elemente der Stadtgeschichte angemessen zur Geltung kommen. Durch die räumliche Trennung können beide Erinnerungsorte ihre jeweilige künstlerische und historische Wirkung entfalten, ohne den Platz gestalterisch zu überfrachten.
Historisches Denkmal soll 2027 zurückkehren
Ein Denkmal zu Ehren Heinrich Posthumus’ wurde 1863 vor dem damaligen Gymnasium auf dem heutigen Johannisplatz errichtet. Im April 1958 wurde es beseitigt. Die Initiative zur Wiedererrichtung geht auf den Kulturbund Gera e. V. zurück. Die geplante Fertigstellung im Frühjahr 2027 soll ein bedeutendes Zeugnis der Geraer Stadtgeschichte an seinen historischen Standort zurückbringen. Heinrich Posthumus prägte Gera nicht nur als Landesherr und Diplomat. Er förderte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und gab wichtige Impulse für den Aufstieg der Textilherstellung. Sein Wirken steht damit beispielhaft für die Verbindung von Bildung, wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung. Mit der Rückkehr des historischen Denkmals und dem Erhalt des Gedenksteins werden zwei unterschiedliche Formen des Erinnerns miteinander verbunden: das historische Denkmal am ursprünglichen Standort und das zeitgenössische Kunstobjekt an einem neuen, thematisch passenden Ort.
Gemeinsames Engagement für den Erhalt des kulturellen Erbes
Die Umsetzung des Gedenksteins am 23. und 24. September 2026 erfolgte in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, dem Studenten-Förderverein Gera e. V., der ABW Planungsgesellschaft mbH, der Nur-Bau Gera GmbH, der René Schreiner GmbH, der Biocleaning GmbH und dem Amt für Stadtgrün. Der Gedenkstein verbleibt im Eigentum der Stadt Gera. Vorgesehen ist, ihn der Dualen Hochschule Gera-Eisenach dauerhaft als Leihgabe zu überlassen. Der entsprechende Leihvertrag steht noch aus. Die Umsetzung zeigt, wie sich der Erhalt historischer Zeugnisse, zeitgenössische Kunst und die Weiterentwicklung öffentlicher Räume miteinander verbinden lassen. So bleibt die Erinnerung an Heinrich Posthumus lebendig – auf dem Johannisplatz ebenso wie an einem neuen Ort, der seine Bedeutung für Bildung und Stadtentwicklung in die Gegenwart träg
QUELLE: STADTVERWALTUNG

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