Aus Anlass des Internationalen Museumstags eröffnet das Museum für Naturkunde Gera am 17. Mai 2026 um 11 Uhr die Neupräsentation der Mineralien aus dem Kuhbergbruch in Neumühle/Greiz. Möglich wurde das durch eine über 2000 Stücke umfassende hochkarätige Sammlung, die dem Museum gestiftet wurde. Seit 1916 ist das der umfangreichste mineralogische Neuzugang in den Geraer Museen!
Der Kuhbergbruch (Steinbruch) im Greizer Stadtteil Neumühle/Elster war mit nur kurzen Unterbrechungen über 90 Jahre in Betrieb. In den 1890er Jahren begann der Abbau des Gesteins Meta-Granitoid zur Herstellung von Splitt und Schotter mittels mühseliger Handarbeit. Erst 1926 folgte die Mechanisierung des Abbaus durch die Errichtung einer Brecheranlage und einer Seilbahn zum Transport des abgebauten Gesteins. Nach der Stilllegung zwischen 1942 und 1945 wurde der Bergbau in den 1950er Jahren intensiviert und dauerte bis zur Einstellung der Produktion 1985 an. Anschließend übernahm der damalige staatliche Fortwirtschaftsbetrieb das Gelände. Derzeit gehört ein Teil des Geländes der Thüringenforst AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) und ein zweiter Teil einem holzverarbeitenden Betrieb. Das Betreten ist nicht gestattet.
Durch seine attraktiven Mineralien war der Steinbruch über Jahrzehnte Treffpunk für viele Mineraliensammler aus der ganzen DDR und löste zeitweise ein regelrechtes „Berggeschrei“ aus. Auch Dr. Nikolaus Brosig aus Berga besuchte den Steinbruch vor allem in den 1980er Jahren unzählige Male zusammen mit seinen Söhnen. So wuchs die Mineraliensammlung mit jedem Besuch um ein paar interessante Stücke mehr. Im Ergebnis entstand eine einzigartige, über 2000 Mineralstufen umfassende, herausragende Kollektion. Schon nach der Wiedervereinigung Deutschlands und in den 2000er Jahren beteiligte sich Dr. Brosig an wissenschaftlichen Veröffentlichungen über die Mineralien des Steinbruchs, wofür er interessante Stücke für Fotozwecke und Untersuchungen zur Verfügung stellte.
Seine Sammlung von vorzüglichen Mineralien einer der bedeutendsten Ostthüringer Mineralfundstellen stiftete Dr. Brosig im Jahr 2025 dem Museum für Naturkunde Gera und damit der Öffentlichkeit. Eine abwechslungsreiche Auswahl der repräsentativsten Mineralstufen wird deshalb ab dem 17. Mai 2026 dauerhaft in der ständigen Ausstellung des Museums präsentiert. Sie bietet einen Einblick in die etwa 75 Arten umfassende Mineralvielfalt des Aufschlusses. Außerdem würdigt die Ausstellung das enorme Engagement des Sammlers Dr. Nikolaus Brosig, der die mineralogischen Kostbarkeiten barg, untersuchte und sorgfältig aufbewahrte.
Die Besucher erwarten formenreiche, teils wasserklare oder mit Einschlüssen gefüllte Quarz-Kristalle und Kristallaggregate vom filigranen Bergkristall-Zepter bis zu kopfgroßen skurril aufgebauten Kristallgruppen, die teilweise gereinigt wurden, aber auch hin und wieder bewusst im Fundzustand belassen wurden. Herausragend sind dabei die mit nadeligen Antimon-Mineralien gefüllten Quarz-Kristalle, die das hochempfindliche Nadel-Geflecht regelrecht „konservierten“. Außerdem dominieren die vielfältigen und für den Kuhbergbruch charakteristischen Antimon-Minerale wie z. B. Antimonit (Stibnit), Boulangerit, Jamesonit, Semseyit und Zinkenit die Schau. Diese Mineralien erregten in den 1980er Jahren sogar kurzzeitig die Aufmerksamkeit der Kommerziellen Koordinierung („KoKo“) der DDR. Schließlich ist der Kuhbergbruch eine von nur zwei Fundstellen des Minerals Semseyit in ganz Thüringen. Die „Neumühler“ Zinkenite gehören neben jenen von Wolfsberg in Sachsen-Anhalt zu den besten ihrer Art in ganz Deutschland! Auch die leuchtend gelben Pseudomorphosen (Umwandlungen) von Antimonoxiden nach den strahligen und feinnadeligen Antimonerzen sind durch beeindruckende Exemplare in der Ausstellung vertreten. Sie alle hat Dr. Nikolaus Brosig teils in der hohlen Hand behutsam nach Hause getragen. Umso erfreulicher ist es, dass seine Sammlung in Zukunft interessierten Museumsbesuchern, aber auch Wissenschaftlern zur Verfügung stehen wird. Bei einigen Fundstücken ist nach wie vor noch nicht klar, um welche Mineralien es sich überhaupt handelt. Zukünftige Untersuchungen könnten also noch weitere Mineralarten dieser klassischen Mineralfundstelle im thüringischen Landkreis Greiz offenbaren.
QUELLE: MUSEUM FÜR NATURKUNDE

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