Was einige Beobachter lediglich als Szenario in Betracht ziehen, können sich andere als einen durchdachten Plan vorstellen: Der Ukraine gelingt es mit Hilfe des Westens, immer tiefer in Russland hineinzufeuern — sie trifft zunehmend die Zivilbevölkerung und löst so einen Vergeltungsangriff auf die Nato aus. Im Militärwesen gibt es die sogenannte Casus-belli-Strategie. Dabei wird der Gegner solange gereizt, bis er angreift und damit den Vorwand für einen umfassenden Einsatz liefert. In diesem Falle würde er sich gegen Russland richten, dass am 24. Februar 2022 völkerrechtswidrig in die Ukraine eingedrungen war.
Ukrainische Politiker und Personen des öffentlichen Lebens sprechen nämlich schon seit längerem vom Ziel, den Krieg nach Russland zu tragen. Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan verteidigt beispielsweise die Drohnenangriffe auf Moskau und hält es für richtig, dass die Menschen in Russland den Krieg nun auch in ihrem eigenen Land spüren. Entsprechend äußerte er sich im Interview der Woche des Deutschlandfunks.
Kritiker der Waffenlieferungen meinen, der Westen unterstütze die Ukraine nicht einfach nur, um ihr zu helfen, sondern führe über sie hinweg Krieg gegen Russland. Die Politik setze nicht mehr auf Konzepte für eine stabile Ordnung, sondern auf militärische Überlegenheit. Im nächsten Schritt werde Russland solange herausgefordert, bis es mit einer starken Reaktion dem Westen den Grund für einen direkten Krieg liefere. Kern des Konflikts sei die offene Frage, in welchem Einflussbereich der postsowjetische Raum liegen soll.
Auf westlicher Seite werden dabei große Widersprüche identifiziert: Einerseits heißt es, die russische Armee sei schwächer als angenommen, die Wirtschaft liege am Boden, andererseits wird massiv aufgerüstet, weil Russland ab dem Jahr 2029 ein Nato-Land angreifen könnte. Dass die Bundeswehr ihre Soldaten mit dem Wort „Sieg“ für kommende Kampfeinsätze konditioniert, und gleichzeitig für Deutschlands Bürger eine Bunker-App vorbereitet wird, sorgt ebenfalls für Diskussionen. Als weiteres Indiz werden die regelmäßigen Sirenenproben für die „Allgemeine Warnung“ gewertet, mit Hinweis auf den verwendeten Signal-Code. Denn dieser ist identisch dem Fliegeralarm aus dem Zweiten Weltkrieg — sowohl was die Intervalle anbetrifft, als auch die Gesamtlänge.
Hinzu kommen die hohen Rüstungsausgaben. Sie geben ebenfalls Anlass zur Sorge. Als Investition betrachtet, ist mindestens eine Amortisierung erforderlich — zumal da sich der Staat noch stärker als bisher verschuldet. Es wird auf die wirtschaftliche Notwendigkeit der Kapitalrentabilität verwiesen. Die zusätzlichen Kredite stellen für die gesamte Volkswirtschaft eine gefährliche Last dar und können auch im Falle von extremen Einsparungen nicht mehr bedient werden. Ohne Kriegsbeute wäre der Staat dann pleite, sagen die Befürworter einer Konzeptlösung ohne Krieg.

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