RECHTZEITIG DEN KONFLIKBEREICH VERLASSEN

Sollte man sich langsam mit dem Gedanken auseinandersetzen, das Land zu verlassen, bevor es zu spät ist? Das fragen sich derzeit viele männliche Jugendliche, die sich einer Entwicklung ausgeliefert sehen, deren Teil sie nicht sein möchten. Gerade erst in die Eigenständigkeit entlassen, deutet sich eine Beschneidung der Zukunftswege an, für einen Konflikt, den sie nicht als ihren betrachten.

Ab dem 1. Juli 2027 wird für junge Männer des Jahrgangs 2008 die Musterung verpflichtend. Wer unentschuldigt fehlt, kann von der Polizei aufgesucht und vorgeführt werden. Videos aus der Ukraine, die in den sozialen Netzwerken kursieren, hinterlassen einen beängstigenden Eindruck, wie es dann im Verteidigungsfall ablaufen könnte. Männer, die den Einberufungsbefehl ignoriert haben, werden auf offener Straße gefasst und an die Front deportiert.

Die Verweigerung des Kriegsdienstes muss ausführlich und individuell begründet werden. Gesetzliche Grundlagen, die eine Ausreise verbieten, gibt es bereits. Viele wehrfähige Männer könnten dennoch einen Versuch wagen. Die Einstellung zu Land, Militär und Kriegsgerät hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geändert. Die Ablehnung nimmt zu. Entsprechend mehr Vermerke erhält die Bundeswehr auf ihren Musterungsbögen.

Warum sollte man für das Land kämpfen? Schließlich ist es auch noch in eintausend Jahren da. Und es wird in Zukunft so oder so anderen Menschen gehören, denn jeder ist nur Gast für einen begrenzten Zeitraum. Also wäre es unvernünftig, den kurzen Gastauftritt noch weiter zu verkürzen. Diese und andere Einstellungen gehören in Teilen der heutigen hochmobilen Gesellschaft zur Normalität. Für einen bestimmten Staat in den Krieg zu ziehen, wie es einst die Urgroßväter taten, passt nicht mehr zum heutigen Weltbild einer globalen Gemeinschaft, die über Grenzen hinweg denkt.

Migranten berichten, dass sie ihre Heimat wegen eines Krieges verlassen haben. Schülern wird das als legitimer Fluchtgrund vermittelt. Wenn ein Land nicht mehr lebenswert ist oder zur Gefahr wird, verlässt man dieses einfach und sucht sich einen besseren Ort, lautet die in jungen Menschen verankerte Grundauffassung. Warum sollte ein Rechtsstaat wie Deutschland die Möglichkeit seinen eigenen Bürgern verwehren, während er Fremden dieses Recht einräumt?

Gelten plötzlich völlig andere Regeln, die ein erheblicher Teil der Menschen aus tiefster Überzeugung ablehnt, könnte das einen schweren Vertrauensverlust nach sich ziehen. Ähnliches geschah bereits in der Corona-Zeit, als Quoten anvisiert wurden, von denen man schon zu Beginn wusste, dass sie weit oberhalb der maximalen Freiwilligenzahl liegen. Verwendet die Regierung heute das Wort „freiwillig“, ahnen schon viele, wohin das am Ende führen wird. Dann gab es die Erfahrung mit Grundrechten, die just in dem Moment unwirksam wurden, als sie eine besondere Relevanz besaßen. Wer nicht mitmacht, wird zum Gefährder. Kommt es tatsächlich zum Verteidigungsfall, dürften die Szenen im öffentlichen Raum sehr an die Corona-Zeit erinnern.

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