BÜRGERMEISTER ZIEHT BILANZ

Die Verkehrssicherheit, öffentliche Ordnung sowie der Bürgerservice und Bevölkerungsschutz standen im Mittelpunkt des Gesprächs mit den Gästen in Gera. (Bild: Stadtverwaltung)

Wie hat sich Gera im ersten Jahr mit einem neuen Sicherheitsdezernenten entwickelt? Welche Herausforderungen beschäftigen die Stadtverwaltung und welche Schwerpunkte stehen für die Zukunft auf der Agenda? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die „Akademie am Vormittag“ der Ökumenischen Akademie Ostthüringen. Auf Einladung von Pfarrer Dr. Frank Hiddemann war der Geraer Bürgermeister Thomas Lenk zu Gast und sprach unter dem Motto „1 Jahr Sicherheitsdezernent“ über seine Erfahrungen, bisherige Maßnahmen und die Vorhaben für sein zweites Amtsjahr. Die „Akademie am Vormittag“ ist ein regelmäßiges Bildungs- und Gesprächsangebot unter der Leitung von Pfarrer Dr. Frank Hiddemann. Bei Kaffee, Tee und Gebäck treffen sich Interessierte, um mit Gästen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft über Themen zu diskutieren, die über den eigenen Alltag hinausweisen.

Seit Oktober 2025 ist der Bürgermeister im Amt und verantwortet neben seinen Aufgaben als Bürgermeister die Bereiche Bürgerservice, Ordnung und Umwelt. Im Gespräch wurde deutlich, wie vielfältig das Aufgabenspektrum ist und wie unmittelbar die Entscheidungen in diesen Bereichen den Alltag der Menschen berühren. „Man beginnt den Tag mit einer Frage zur Sicherheit im Park der Jugend und spricht wenige Stunden später über den Aladin-Spielplatz in Lusan, das Nachtfahrverbot von Mährobotern, Lärmschutz bei Veranstaltungen, Sirenen zum Bevölkerungsschutz oder das Tierpark-Konzept“, beschrieb der Bürgermeister die Bandbreite seiner Arbeit. Eine wesentliche Erkenntnis aus dem ersten Amtsjahr sei, dass Ordnung und Sicherheit keine Aufgaben sind, die irgendwann als erledigt gelten können. Anders als bei einem abgeschlossenen Bauprojekt gehe es hier darum, dauerhaft an Verbesserungen zu arbeiten. „Eine Stadt wird nie zu hundert Prozent sicher und sauber sein. Es geht deshalb weniger darum, irgendwann einen Haken hinter diese Themen zu setzen, sondern darum, immer wieder konkrete Dinge in die richtige Richtung zu bewegen“, erklärte er.

Verkehrssicherheit braucht konkrete Lösungen

Im Bereich Verkehrssicherheit ging es um ausgeweitete Tempo-30-Regelungen, Maßnahmen in der Johannes-R.-Becher-Straße und verstärkte Geschwindigkeitskontrollen. Zwar seien die kommunalen Handlungsmöglichkeiten durch die Straßenverkehrs-Ordnung begrenzt, dennoch müsse die Verwaltung vorhandene Spielräume nutzen und Verbesserungen anstoßen. Ein Beispiel ist der Hofwiesenparkplatz, wo Anwohner über nächtlichen Lärm durch illegale Autorennen und Driften geklagt hatten. Gemeinsam mit Bürgerschaft, Ortsteilrat und Polizei wurden Lösungen geprüft. Betonblöcke auf dem Parkplatz, Bodenschwellen an den umliegenden Straßen und weitere verkehrliche Regelungen sollen künftig für mehr Ruhe sorgen, ohne die Attraktivität des öffentlichen Raumes einzuschränken. Entscheidend sei, die Wirkung zu überprüfen und mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben.

Sicherheit durch Präsenz und Zusammenarbeit

Sicherheit entstehe nicht allein durch Kontrollen, sondern vor allem durch sichtbare Ansprechpartner, Prävention und die Zusammenarbeit der Behörden. Mit Sarah Werner als neuer Leiterin des Ordnungsamtes und zwei zusätzlichen Kontaktbereichsbeamtinnen der Polizei seien wichtige personelle Voraussetzungen geschaffen worden. Inzwischen sind vier Kontaktbereichsbeamte in Gera unterwegs. Ergänzt wird dies durch gemeinsame Streifen der Ordnungsbehörden und gezielte Kontrollen. Auch digitale Angebote wie die beim Höhlerfest eingesetzte Safenow-Applikation können aus Sicht des Bürgermeisters einen Beitrag leisten. Sie bieten Menschen in unsicheren Situationen eine zusätzliche Möglichkeit, Unterstützung anzufordern, ersetzen aber keine persönliche Präsenz. Eine dauerhafte Videoüberwachung an den geprüften Orten sei nach derzeitiger Rechtslage nicht möglich. Deshalb müsse gemeinsam mit Polizei und Landesbehörden weiter nach geeigneten Lösungen gesucht werden.

Bevölkerungsschutz beginnt vor dem Ernstfall

Mit Blick auf mögliche Krisen wie Hochwasser oder Stromausfälle erläuterte Lenk die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes durch das Zwei-Stabs-Modell. Während der Verwaltungsstab die Auswirkungen auf Stadt und Verwaltung koordiniert, konzentriert sich der Krisenstab auf die unmittelbare Lage und Gefahrenabwehr. Neben klaren Strukturen seien eine gute Ausstattung der Feuerwehr, regelmäßige Übungen und eine verlässliche Zusammenarbeit entscheidend. Mit „Protect Gera“ werde zudem die Eigenvorsorge der Bevölkerung stärker in den Blick genommen. „Wenn der Ernstfall da ist, ist es zu spät, die Strukturen aufzubauen“, betonte Lenk. Deshalb müssten Zuständigkeiten und Abläufe frühzeitig geklärt und auch die Bürger auf mögliche Krisensituationen vorbereitet werden.

Zuhören, erklären und konsequent weiterarbeiten

Für sein zweites Amtsjahr kündigte der Bürgermeister an, begonnene Vorhaben konsequent weiterzuverfolgen. Beschwerden aus der Bevölkerung ernst zu nehmen, unterschiedliche Erwartungen abzuwägen und Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären, seien dabei wichtige Grundsätze. Zugleich müssten Maßnahmen regelmäßig auf ihre tatsächliche Wirkung überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Der Vormittag zeigte, wie unmittelbar kommunale Entscheidungen das tägliche Leben in Gera berühren. Im anschließenden Austausch konnten die Gäste ihre Fragen und Perspektiven einbringen. Genau darin liegt der Anspruch der „Akademie am Vormittag“: aktuelle Themen verständlich aufzugreifen, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen und Raum für offene Gespräche zu schaffen. Denn eine lebendige Stadtgesellschaft lebt davon, dass Menschen miteinander im Gespräch bleiben – auch über unterschiedliche Erwartungen und Standpunkte hinweg.

Der Vormittag zeigte, wie unmittelbar kommunale Entscheidungen das tägliche Leben in Gera berühren. Im anschließenden Austausch konnten die Gäste ihre Fragen und Perspektiven einbringen. Genau darin liegt der Anspruch der „Akademie am Vormittag“: aktuelle Themen verständlich aufzugreifen, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen und Raum für offene Gespräche zu schaffen. Denn eine lebendige Stadtgesellschaft lebt davon, dass Menschen miteinander im Gespräch bleiben – auch über unterschiedliche Erwartungen und Standpunkte hinweg.

QUELLE: STADTVERWALTUNG

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