EINE SCHWIERIGE WIRTSCHAFTLICHE AUSGANGSLAGE

Für einen breiten wirtschaftlichen Aufschwung fehlen weiterhin die Voraussetzungen. Nicht nur Deutschland befindet sich in einer schwierigen Lage, sondern die gesamte Welt. In der Makroperspektive zeigen sich zunehmende Rivalitäten unter den Großsystemen, die unter permanentem Wachstumsdruck stehen und bei sinkendem Wohlstand von innen heraus infrage gestellt werden. Es werden Ressourcen benötigt, um die Produktion erhöhen zu können, und neue Märkte, um die geschaffenen Produkte abzusetzen. Dafür sind Zugänge zu Rohstofflagerstätten, Handelswegen und anderen Staaten nötig. Im Kampf um Einflußsphären wächst die Gefahr von Konflikten. Folglich fließt mehr Kapital als bisher in die Resilienz und Aufrüstung.

In diese Gesamtdarstellung können auch die jüngsten Kriege eingeordnet werden. Die Reduzierung der Probleme auf einen psychologischen Ausnahmezustand der jeweiligen Führungsfiguren kann zu der Fehlannahme führen, dass durch Regierungswechsel eine grundsätzlich andere Situation herbeigeführt wird. Gegenwärtig steht die Welt am Beginn einer Umbruchphase. Mit der Neuordnung ändert sich die Ausrichtung der globalen Wertschöpfungsketten entsprechend dem neuen Kräfteverhältnis. So könnte sich Deutschland in fünfzig Jahren am unteren Ende wiederfinden, und China am oberen.

Der Ausblick auf die kommenden Monate zeigt ein erhöhtes Stagflationsrisiko. Während das Wachstum schwach bleibt, steigen die Preise. Beim Thema Energie sind bestenfalls kurze Entspannungsphasen zu erwarten. Die Preise für Rohöl und Erdgas werden weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben, was nachfolgend die Energie-, Düngemittel- und Lebensmittelpreise erhöht und sich auf die Teuerungsrate niederschlägt. Weitere Anstiege sind möglich, wenn die globalen Ölvorräte zur Neige gehen und die Straße von Hormus weitgehend unpassierbar bleibt. Experten erwarten die Engpässe für die Zeit ab Juni, spätestens August 2026.

Mit der Entwicklung von KI und Rechenzentren, dem einzigen noch möglichen Wachstumsmotor, kann sich die Situation weiter zuspitzen. Es drohen Massenentlassungen und Verknappungen aufgrund des sehr hohen Strom- und Wasserbedarfes. Wegen des sinkenden Bildungsniveaus und neuer Anforderungen können in den künftig relevanten Bereichen nicht mehr die erforderlichen Qualifikationen erreicht werden. Personalengpässe, Ausfälle, systemische Instabilität, ein sichtbarer Verfall zeigen sich auf der einen Seite, während auf der anderen immer weniger Menschen eine Beschäftigung finden, die den gewohnten Lebensstandard sichert.

Auch im Finanzsektor sind die Auswirkungen der Energiekrise erkennbar, die eine weitere Etappe am Beginn der globalen Umbruchphase darstellt. Käufer von Staatsanleihen erwarten aufgrund der höheren Inflationsrate eine höhere Rendite. In der Folge steigen die Kapitalmarktzinsen; Kredite werden teurer, wodurch die Investitionstätigkeit sinkt. Damit geht auch das Wirtschaftswachstum zurück, ebenso der Wohnungsbau, während die Schulden weiter steigen. Um die Inflationsgeschwindigkeit zu verlangsamen, müssen die Notenbanken den Leitzins erhöhen, was das Wirtschaftswachstum ebenfalls bremst.

In den USA hat die Staatsverschuldung bereits die 39-Millionen-Dollar-Marke überschritten. Größte Gläubiger sind, noch vor China, das Notenbanksystem Fed, der Pensionsfonds und der Sozialversicherungsfonds. Jeden Monat kommen weitere 300 Milliarden US-Dollar hinzu. Um Kürzungen bei den Sozialausgaben und Steuererhöhungen zu vermeiden — beides würde zu Unruhen führen — werden die USA ihre Interessen auf globaler Ebene möglicherweise noch radikaler durchsetzen.

Der Geldfluss in KI-Unternehmen und Chip-Hersteller lässt die Börsenkurse derzeit immer weiter steigen, wodurch der Eindruck eines breiten Wachstums entsteht. Dabei handelt es sich jedoch nur um Gewinnerwartungen mittel- bis kurzfristig agierender Anleger mit überschüssigem Kapital. In die meisten dieser Unternehmen strömt mehr Geld ein als sie substanziell produzieren. Das hebt die Kurse auf ein Rekordniveau, während sich die Stimmung in der Realwirtschaft eintrübt. Die Vorzeichen einer Korrektur sind auch an vielen Charts zu sehen.

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