ZUNEHMENDE KRIEGSGEFAHR AUFGRUND FEHLENDER PUFFERZONEN

Pufferstaaten verhindern den direkten Kontakt zwischen rivalisierenden Großmächten.

Ein Ende des Abnutzungskrieges in Osten Europas ist weiterhin nicht in Sicht. Die geplanten Rüstungsprogramme, Schutzvorkehrungen sowie die angewandte Rhetorik, auch von russischer Seite, deuten eher auf die Entwicklung in Richtung einer Eskalation hin. Europa dehnt seinen Einflussbereich auf militärischer und wirtschaftlicher Ebene weiter aus, stößt dabei aber an die Grenzen rivalisierender Systeme, die ebenfalls um mehr Einfluss ringen. Gleichzeitig wird auf eine Kriegstüchtigkeit hingearbeitet, mit der Begründung, abschreckend wirken zu wollen.

Eine Verschärfung des Konflikts lässt sich aus Sicht der Verfechter einer diplomatischen Lösung nur noch durch gezielte Deeskalationsstrategien verhindern, zu der auch die Bereitschaft eines Perspektivwechsels und die Berücksichtigung früherer Erkenntnisse gehört. Grundsätzlich wollen Großmächte ihnen entgegenstehende Systeme auf Distanz halten. Sie verlangen Pufferzonen, um von außen nicht isoliert oder von wichtigen Handelswegen abgeschnitten werden zu können. Denn bei direktem Kontakt entstünde eine nahezu undurchlässige Barriere. Die hohe Waffenkonzentration an der Trennlinie spielt eine wesentliche Rolle. Das gegnerische Territorium ist leichter erreichbar. Pufferzonen schaffen hingegen Abstand zwischen rivalisierenden Großmächten, verhindern direkte Grenzkonflikte und wahren die Stabilität, wenn beiderseits Einigkeit darüber herrscht.

Expansionsbestrebungen und gegenseitiges Misstrauen erhöhen allerdings das Risiko einer Übernahme. Ergeben sich für eine Seite Einflussmöglichkeiten auf vorgelagerte Territorien, nutzt sie diese aus. Der Wettbewerb um Einfluss und Kontrolle wird zunehmend aggressiver. Eine Eingliederung in die eigenen Strukturen wäre dann das nächste Ziel. Im weiteren Verlauf wird an der Kontaktlinie grundverschiedener Systeme in der Regel eine scharfe Grenze mit großem militärischen Aufgebot errichtet.

Deshalb hatte die Aushandlung von Pufferzonen und entmilitarisierten Räumen in früheren diplomatischen Gesprächen eine große Bedeutung. Gegenwärtig wird davon aber Abstand genommen. Die Bestrebungen der EU führen auf eine scharfe Trennlinie mit hochgerüsteten Grenzanlagen hinaus. Jüngst sprach Bundeskanzler Friedrich Merz von der EU-Erweiterung als eine geopolitische Notwendigkeit. Für eine rasche Beitrittsperspektive der Westbalkanländer und der Republik Moldau schlug er einen privilegierten Zugang zum Binnenmarkt vor, meldete der Deutschlandfunk am 21. Mai 2026. Die Erweiterung des Wirtschaftsraumes um einem ehemaligen Pufferstaat führt unweigerlich zu der Notwendigkeit, diesen militärisch zu sichern.

Was den Krieg in der Ukraine anbelangt, stellte auch Erich Vad einen Zusammenhang mit dem Wegfall der Pufferfunktion her. In der Sendung Markus Lanz vom 21. Mai 2026 sprach er über das in der ukrainischen Verfassung festgeschriebene Ziel einer Nato-Mitgliedschaft. Großmächte wie Russland denken in Einflußsphären, führte er aus. Wenn man die Ukraine in die EU hole, bringe man auch den Krieg und den Konflikt mit Russland in die EU, ist Vad überzeugt. Er warnte vor einem europäischen Krieg, bei dem Deutschland als logistische Drehscheibe der Nato im Zentrum steht.

Dieses Szenario halten auch andere Beobachter für realistisch: Die Ukraine wird mit weiteren Waffen ausgestattet, intensiviert die Schläge auf Russland, das dann zur Vergeltung Raketen auf Deutschland abfeuert. Die Frage, wer die Peripherie kontrolliert, ist für den Kreml von großer Bedeutung. Wären die postsowjetischen Staaten politisch und wirtschaftlich vollständig nach Westen orientiert, würde Russland vor allen Transit- und Einflusswege nach Europa und im Südkaukasus verlieren.

Indessen beenden die USA ihre aktive Vermittlerrolle und signalisieren lediglich Bereitschaft. Man habe kein Interesse, sich um Friedensgespräche zu bemühen, die zu nichts führen, hieß es. Gleichzeitig erneuerten sie gegenüber der EU ihre Forderungen nach höheren Militärausgaben. Der Abnutzungskrieg kommt somit zu keinem Ende; beiderseits wird inzwischen darüber diskutiert, welche Gesetze geändert werden müssen, um weitere Menschen an die Front schicken oder in Kriegsbereitschaft halten zu können. Der Ökonom und Diplomat Professor Jeffrey Sachs — ihm wird im Westen eine Täter-Opfer-Umkehr und die Übernahme der Kreml-Propaganda vorgeworfen — warnt sogar vor einem offenen Krieg zwischen Europa und Russland. „Indem Sie immer mehr Waffen, immer größere Kriegskapazitäten und immer lautere Demonstrationen von ‚Entschlossenheit‘ fordern und signalisieren, dass Deutschland sich auf einen Krieg vorbereitet, anstatt an dessen Beendigung zu arbeiten, haben Sie Berlin zum Beschleuniger statt zur Bremse eines europaweiten Krieges gemacht“, schrieb er in einem öffentlichen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz.

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