MIT DER FAHRENDEN SAUNA DURCH DIE SOMMERHITZE

Eigentlich fehlt nur noch der Aufguss — dann wäre das Saunaerlebnis auf den Regionallinien von und nach Gera komplett. Wer bei der Deutschen Bahn AG im Sommer etwas von eingeschalteten Klimaanlagen hört, sollte nicht von angenehmen Temperaturen in den Zügen ausgehen, sondern auf extreme Hitze vorbereitet sein. Denn die Systeme produzieren bei hohen Temperaturen reichlich Wärme. Im Triebwagen VT 612, der als Regionalexpress auf der Mitte-Deutschland-Schiene verkehrt, ist die Klimaanlage nur für einen Außentemperaturbereich von bis zu 32 °C ausgelegt. Kurzzeitig können auch 35 °C bewältigt werden. Danach hat die verbaute Technik eine Heizwirkung und arbeitet so entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung. Der Fahrgastraum wird permanent aufgeheizt, sodass ein Temperaturaufschlag von rund 10 °C hinzukommt.

In den Abteilen sind völlig durchnässte Menschen zu sehen. Der Schaffner eilt hastig von A nach B, und muss sich vergewissern, dass alle Fahrgäste noch bei Bewusstsein sind. Erst nach reiflicher Abwägung zwischen Menschenleben und Technik entscheidet er sich für das Öffnen der kleinen Festerluken. Denn die Klimaanlage ist exakt auf ein geschlossenes System abgestimmt und kann bei offenen Fenstern Schaden nehmen. Die einströmende 36 °C warme Außenluft wirkt dann wie eine kühle Brise.

Wer sich das nicht noch einmal antun möchte und lieber auf den geräumigeren Intercity wartet, wird ebenfalls enttäuscht. Die schrottreifen Züge fallen meistens aus. Dann drängen sich die Fahrgäste in die nachfolgenden viel kleineren Regionalbahnwagen. Wegen Überfüllung können manche Fahrgäste auf den Zwischenstationen nicht mehr aufgenommen werden. Für Pendler mit festen Terminen und Menschen ohne Ausweichmöglichkeiten wird die Bahn so immer mehr zum Risiko — nicht nur wegen der Verspätungen und Ausfälle.

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