WAHLKAMPFHILFE ODER SUBTILE BOTSCHAFT?

Ungewollt hat „Der Spiegel“ der AFD zunächst einen großen Gefallen getan. Ähnlich wie ARD und ZDF schätzen die Redakteure in Hamburg die Wirkung ihrer produzierten Titel und Beiträge völlig falsch ein. So scheint es jedenfalls. Die Partei wird im Ansehen nicht herabgesetzt, sondern profitiert davon, weil man sich in die Denkweise der Menschen in Sachsen-Anhalt nicht hineinversetzen kann. Wollte man das überhaupt? Der falschen Grundannahme folgend, komplexe Zusammenhänge würden im Osten nicht verstanden, setzt man auf gefährlich einfache Titulierungen, in der Hoffnung, dass es doch jetzt endlich jeder kognitiv Beschränkte kapiert haben müsste. Haben die Verantwortlichen des Magazins auch darüber nachgedacht, wozu sich Linksextremisten durch die anzeigenähnliche Titelseite mit Passbild und Superlativ ermuntert fühlen könnten? Was die Menschen in Sachsen-Anhalt beim Blick auf das Heft spüren, ist jedenfalls, für wie rückständig man sie in Hamburg hält. Das weckt Erinnerungen an die 1990er Jahre.

In seinem Artikel zeichnet „Der Spiegel“ das Bild eines politischen Opportunisten, der auf einer Welle der Beliebtheit surft und nicht so richtig verstehen will, was in den Tiefen darunter vor sich geht. Er befindet sich nach Darstellung des Magazins in einer Art Symbiose mit rechtsextremen Netzwerken und passt seine Meinung an, wenn es für ihn von Vorteil ist. Die AFD wird als eine politische Organisation im ständigen Wandel beschrieben — von einer eurokritischen, wirtschaftsliberalen Professorenpartei hin zu einer gesichert rechtsextremen. „Der Spiegel“ insinuiert, auch mit der Titelseite, einen weiteren Wandel hin zu einer NSDAP 2.0 mit drohendem Führerkult. Ulrich sei ja schon in der Schule beliebt gewesen und versteht es bis heute, andere Menschen für sich zu gewinnen. Sogar die Linkspartei ist neidisch auf den charmanten, immer gut aussehenden Politiker und seinen hochwertigen Videos.

Doch die NSDAP, welche „Der Spiegel“ am Ende des Wandlungsprozesses der AFD fürchtet, war halt keine Partei, die für eine Marktwirtschaft ohne staatliche Regulierungen eintrat, sondern wollte das Gegenteil. Sie verfolgte das Konzept des nationalen Sozialismus, erachtete einen starken Staat für notwendig und brauchte die Ideologie des Hasses, um angesichts des drohenden Zahlungsausfalls eine Menschengruppe ins Visier nehmen zu können, von der man glaubte, sie habe zu hohe Vermögen angehäuft. Möglicherweise liegt die Gefährlichkeit für die Herausgeber in Hamburg auch darin, dass sich die Deutungshoheit langsam verschiebt. In Magdeburg wird das Wort „Gefahr“ spätestens seit Dezember 2024 jedenfalls mit anderen Bedrohungen in Verbindung gebracht.

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