JURY TRIFFT ENTSCHEIDUNG ZUM 15. AENNE-BIERMANN-PREIS

Am 21. April 2026 fand im Museum für Angewandte Kunst die Jury-Sitzung zum 15. Aenne-Biermann-Preis statt. Insgesamt waren zuvor 548 Bewerbungen eingegangen. Aus den 20 Positionen der Kurzliste wurden die folgenden Preisträger ausgewählt:

  • Raisan Hameed, erster Preis in der Kategorie Hauptpreis für das Werk „After Image“, geboren 1991, lebt in Hamburg
  • Martin Ruckert, zweiter Preis in der Kategorie Hauptpreis für das Werk „Baryt 2.57“, geboren 1992, lebt in Leipzig
  • Nora Schwarz, dritter Preis in der Kategorie Hauptpreis für das Werk „Songs of the Taiga“, geboren 1991, lebt in Hamburg
  • Benjamin Friedle, Honorable Mention für das Werk „Worte aus Bildern aus Fotos aus Formen“, geboren 1999, lebt in Leipzig
  • Anika Werk, Amateurpreis für das Werk „Warum?“, geboren 2001, lebt in Berlin

„After Image“ verbindet ein digitales Archiv aus Google-Street-View-Bildern des Irak mit einem persönlichen Familienarchiv und untersucht dabei insbesondere visuelle Lücken, Störungen und Fragmentierungen: Die verpixelten Gesichter und zerstörten Panoramen im Street-View stehen den Fotografien aus dem Familienarchiv gegenüber, die 2003 im Krieg beschädigt wurden. Sie werden so zu Spuren von Krieg und technologischer Kontrolle, die zeigen, wie Sichtbarkeit erzeugt und zugleich eingeschränkt wird. Die Arbeit versteht die Bilder als „Nachbilder“, in denen Körper nicht mehr als stabile Darstellungen erscheinen, sondern als fragile Spuren, geprägt von Erinnerung, Gewalt und Technologie.

„Baryt 2.57“ widmet sich den verborgenen Fertigungsprozessen der analogen Fotografie. Die Bildreihe zeigt die sonst unsichtbaren Komponenten – Vorgänge und Materialien – analoger Bilder und gewährt einen Einblick hinter die Kulissen der Bildproduktion. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind geprägt von Abdrücken und Schatten – Spuren einer körperlichen Präsenz, die auf die Arbeit des Fotografen in der Dunkelkammer verweisen. Ruckert arbeitet zudem mit Fotogrammen, die zwischen den abgebildeten Werkzeugen erscheinen und sich unauffällig in die Kompositionen einfügen.

„Songs of the Taiga“ thematisiert das Verschwinden eines der letzten Ur- und Naturwaldvorkommen Europas durch großflächige Abholzung in Schweden. Die schwedische boreale Taiga ist nicht nur essenziell für die Biodiversität und den Klimaschutz, sie ist auch Heimat der Sámi, der letzten indigenen Gemeinschaft Europas. Die Fotostrecke begleitet Menschen, deren Leben, Arbeit und Kultur auf dem intakten Wald beruhen und die sich zu dessen Schutz einsetzen. Ergänzt wird die Bildreihe von Aufnahmen des Waldes.

„Worte aus Bildern aus Fotos aus Formen“ untersucht, wie sich durch künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen digitaler und realer Bildwelt auflösen und wie Fotografie als allgegenwärtige Sprache unsere Wahrnehmung prägt. In einem Zusammenspiel aus Text, Bild und Objekt thematisiert die Arbeit, wie algorithmische Prozesse, Simulation und Speicherstrukturen zu zentralen Bestandteilen der zeitgenössischen Bildproduktion geworden sind.

„Warum?“ widmet sich in Aufnahmen von Körpern und Bäumen dem Sichtbarmachen von Gefühlswelten, mit dem Ziel, für unausgesprochene Gewalt zu sensibilisieren.

Die Bewertungskommission war zusammengesetzt aus:

  • Dr. Simone Förster, Sammlungsleiterin Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne
  • Dirk Hoffmann, Sachbearbeiter der Sammlungen im Museum für Angewandte Kunst
  • Andrea Karle, Referentin für Kunst und Kultur und stellvertretender Vorsteher der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen
  • Holger Peter Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera
  • Stefanie Schroeder, Preisträgerin des 14. Aenne-Biermann-Preises

Die Arbeiten der Fotografinnen und Fotografen werden ab dem 23. September 2026 in der Ausstellung am Museum für Angewandte Kunst zu sehen sein.

QUELLE: STADTVERWALTUNG

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